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Windows Live® Suchergebnisse Volkszählung oder ZensusEnzyklopädieartikel
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Volkszählung oder Zensus (lateinisch census: Schätzung), Erhebung von Daten über die Bevölkerung. Der Zensus ist Grundlage der Demographie. Er beinhaltet die offizielle und periodische Zählung der Einwohner eines Landes oder eines Landesteiles. Im Sprachgebrauch wird der Begriff Zensus auch auf die Sammlung von Informationen über Größe und Merkmale der Bevölkerung sowie über Anzahl und Merkmale von Wohnungseinheiten, verschiedenen Wirtschaftsunternehmen und Regierungsstellen angewendet. Die letzte große Volkszählung (1987) in der Bundesrepublik war politisch umstritten. Zuvor hatte ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes datenschutzrechtlichen Aspekten Rechnung getragen (1985). Dennoch wurde der Sinn der Maßnahme in Teilen der Öffentlichkeit angezweifelt, zumal der in vierteljährlichem Abstand durchgeführte amtliche Mikrozensus (eine Stichprobenerhebung) im Prinzip dieselben Daten ermittelt.
Die frühesten bekannten Volkszählungen dienten Zwecken der Steuererhebung oder der Soldatenaushebung. Tonscherben aus dem antiken Babylon belegen, dass dort schon 3800 v. Chr. eine Volkszählung durchgeführt wurde, um die nächsten Steuereinkünfte schätzen zu können. Auch von den Chinesen, Hebräern, Ägyptern und Griechen des Altertums wissen wir, dass sie Volkszählungen vorgenommen haben. In regelmäßigen Abständen fanden sie aber erst statt, als die Römer die Einwohner ihres Reiches zu zählen begannen. Die römischen Volkszählungen waren für Zwecke der Besteuerung und die Soldatenrekrutierung bestimmt und lagen in der Verantwortung der örtlichen Zensoren. Sie wurden alle fünf Jahre durchgeführt und betrafen anfänglich nur Rom, wurden aber im Jahr 5 v. Chr. auf das ganze Reich ausgedehnt. Außer für die Registrierung der Bevölkerung und die Steuereintreibung war der Zensor auch für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Moral verantwortlich. Mit der Ausbreitung des Feudalsystems im Mittelalter wurden Informationen für Besteuerung und Soldatenaushebungen überflüssig, wenngleich das englische Domesday Book von 1086 einer Volkszählung nahe kam. Erst im 17. Jahrhundert versuchte wieder ein Staat, seine Bevölkerung genau zu zählen. Schweden wird als erstes Land genannt, das Informationen über seine Einwohner sammelte. Seine Kirchen waren nach dem Gesetz verpflichtet, ständige Register über Geburten, Todesfälle und Heiraten aller Personen zu führen, die ihren Wohnsitz innerhalb ihrer Pfarrgrenzen hatten. Solche Bevölkerungsstatistiken gibt es heute noch in Skandinavien, Finnland, den Niederlanden und Belgien. In Preußen wurden ab dem Jahr 1686 jährliche Zählungen der Landbevölkerung durchgeführt, denen 1725 die erste allgemeine Volkszählung folgte. Im Deutschen Reich wurden Volkszählungen alle fünf Jahre abgehalten, dann in unregelmäßigen Abständen in der Weimarer Republik (1925), unter nationalsozialistischer Herrschaft (1933 und 1939), während der Besatzungszeit (1946) und in den beiden deutschen Nachkriegsstaaten (Bundesrepublik: 1950, 1961, 1970, 1987; DDR: 1950, 1964, 1971). In Österreich und der Schweiz fanden ab 1951 bzw. 1950 ebenfalls (im Zehnjahresrhythmus) jeweils drei Volkszählungen statt. Auf dem amerikanischen Kontinent wurde die erste wirkliche Volkszählung in der Kolonie Neufrankreich (heute Quebec, Kanada) durchgeführt, wo die Personenzählung 1665 begann. Die Entstehung demokratischer Regierungen verlieh der Volkszählung eine neue Funktion: Die Volkszählung der Vereinigten Staaten von 1790 diente dem spezifischen politischen Zweck, die Vertretung im Kongress durch die Bevölkerung festzulegen. Dies war die erste Volkszählung, die auf der Basis einer Tabellisierung der gesammelten Informationen veröffentlicht wurde.
Im Lauf des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verbreitete sich die Praxis der Volkszählung über die ganze Welt. Internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen (UN) regen alle Länder an, gleiche Standards bei ihren Volkszählungen zu verwenden. Eine lange Liste von Kriterien, die die UN dafür empfehlen, enthält: Wohnsitz, Personenstand, Geschlecht, Alter, Familienstand, Kinder, Geburtsort, Beruf oder Beschäftigung, Staatsbürgerschaft, Sprache, ethnische oder religiöse Zugehörigkeit, Ausbildungsstand, Gesamtbevölkerung, Bevölkerungsverteilung und Zusammensetzung der Haushalte. Heute werden Volkszählungen oft alle fünf oder zehn Jahre durchgeführt; ihre Häufigkeit wird begrenzt durch Kosten und Aufwand, die mit der Sammlung und Zusammenstellung der Daten verbunden sind. Volkszählungen werden gewöhnlich auf einen angenommenen „Stichtag” bezogen, weil sich einige der Daten während der Erhebung ändern können. Moderne Computertechniken ermöglichen eine sehr schnelle Tabellarisierung und Auswertung von Daten.
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