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Windows Live® Suchergebnisse VolksmusikEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Volksmusik und Gemeinschaft; Musikalische Struktur; Das Liedmaterial; Liedarten; Instrumente
Volksmusik, vokal oder volkstümlich ausgeführte Musik, die mündlich tradiert und durch Hören erlernt wird. Die Komponisten der Volksmusik sind in der Regel anonym. Volksmusik findet sich in allen Gesellschaften und existiert unter verschiedensten sozialen und kulturellen Bedingungen. Sie beschäftigt sich überwiegend mit dem bäuerlichen und ländlichen Leben ihrer Interpreten. Das Gegenteil von Volksmusik ist klassische bzw. Kunstmusik. Die Bezeichnung Folk Music steht für die traditionelle Volksmusik Großbritanniens und der USA.
Volksmusik wird von Mitgliedern einer Gemeinschaft ausgeführt, die in der Regel keine hochausgebildeten Musikspezialisten sind, und sie steht oft im Zusammenhang mit dem Jahreszyklus oder mit Aktivitäten in der Gruppe, wie z. B. Ritus, Arbeit und Kindererziehung. Volksmusik ist hauptsächlich in ländlichen Gebieten beheimatet und wird meist in vereinsmäßig organisierten Gruppen (Blasmusikgruppen, Trachtenkapellen) ausgeübt. Durch die Weitergabe eines Volksliedes von Sänger zu Sänger besteht die Tendenz, dass es sich verändert. Ein Volkslied entwickelt daher Variationen, die einer allmählichen, vielleicht kaum wahrnehmbaren Veränderung unterliegen und in vielen Formen vorliegen. Da viele Menschen an dem Prozess beteiligt sind, durch den sich die Gestalt eines Liedes bestimmt, bezeichnet man diesen Vorgang als Gruppen-Rekreation. Volksmusik wird normalerweise von der Kunstmusik nahe gelegener kultureller Zentren beeinflusst (z. B. Städte, Höfe, Klöster). Im Allgemeinen ist sie aber eine Musik, die außerhalb von Institutionen wie Schule und Kirche lebendig ist. Die Grenzen zwischen Volksmusik und anderen Musikarten sind nicht eindeutig. Lieder aus dem Bereich der klassischen Musik werden manchmal von den Volksgemeinschaften übernommen. Popmusik, die sich in urbanen Kulturen entwickelt hat und durch die Massenmedien verbreitet wird, trägt einige Merkmale der Volksmusik. Volkskulturen bringen manchmal musikalische Fachleute hervor. Obwohl es in vielen Kulturen, die auch eine gelehrte Musiktradition besitzen, eine volksmusikähnliche Musik gibt, wie beispielsweise in Indien, China und im Mittleren Osten, so spielt diese doch innerhalb der Gesellschaften und im Verhältnis zu anderen Musikrichtungen unterschiedliche Rollen. In Indien z. B. wird zwischen klassischer und Volksmusik schärfer unterschieden als im Westen, während ein Musiker im Mittleren Osten wahrscheinlich eher in beiden Genres, dem klassischen und dem volksmusikalischen, zu Hause ist. Im Iran wird Volksmusik als „Regionalmusik” bezeichnet und die Ausführenden sind Musiker, die sogar spezialisierter als die in der klassischen Tradition Stehenden sind. Der Begriff Volksmusik wird daher nicht nur auf Kulturen ohne musikalische Verzweigungen angewandt, die keine mit der Volksmusik kontrastierende klassische Musik besitzen. Im Allgemeinen assoziiert man Volksmusik mit der Art und Weise, wie sie unterrichtet und erlernt wird, mit ihrer relativen Einfachheit und durch ihren Bezug zu einer ethnischen oder nationalen Gruppe.
Obwohl die Volksmusiken der europäischen Kulturen große Unterschiede aufweisen, sind ihnen doch einige übergeordnete Merkmale gemeinsam. Die musikalische Struktur ist einfach und besteht meist aus Liedern in Strophenform. Der am häufigsten verwendete Strophentyp ist die so genannte „Volksliedstrophe” mit dem Reimschema ABAB (manchmal auch ABBA). Ein Großteil der instrumentalen Volksmusik repräsentiert eine solche Abfolge von Versen, die jeweils wiederholt oder einmal variiert werden. Das melodische Material europäischer Volksmusik steht in engem Zusammenhang mit dem der Kunstmusik. Siebenton-Skalen, auf denen manchmal Tonalitäten und Modi (wie in der mittelalterlichen Kirchenmusik) aufbauen, sind weit verbreitet. Die Modi des Dorischen und des Mixolydischen sind für das englische Volkslied typisch, sowie die phrygische Tonart für das spanische. Besonders häufig sind in Europa pentatonische Skalen – fünf Töne in Ganztonschritten (wie die schwarzen Tasten des Klaviers angeordnet). Kinderlieder, Auszählreime und kultische Lieder aus vorchristlicher Zeit bestehen aus einfacheren Skalen aus drei oder vier Tönen.
Der Rhythmus lehnt sich manchmal an die Versbildung (die metrische Struktur von Lyrik) an. Englische Volkslieder basieren oft auf Texten mit vierfüßigen Jamben und die begleitenden Melodien richten sich meist nach einem von drei rhythmischen Mustern:
Viele Länder und Regionen werden durch unterschiedliche volksmusikalische Stilmerkmale charakterisiert. Die Volksmelodien selbst bleiben in ihren Herkunftsländern meist neben den sich entwickelnden Varianten bestehen. Immer wieder jedoch gibt es Fälle, wo Stücke von einem Land in das andere übertragen werden und bei diesem Prozess auch ihren Stil verändern: Während ein Stück in dem einen Land solistisch gesungen wird, führt man es in einem anderen mit Chor auf; eine in einem Land pentatonische Melodie steht vielleicht in einem anderen Land in einer Dur-Tonart. Eine Beziehung zwischen ähnlichen Stücken in weit voneinander entfernten Gemeinschaften kann jedoch nicht nachvollzogen werden. Dennoch besteht die Möglichkeit, unter den Tausenden von Volksliedern eines Landes diejenigen ausfindig zu machen, die zusammengehörend wirken. Sie alle scheinen über den Prozess der mündlichen Tradition und Gemeinschafts-Rekreation von einem einzigen Ursprungslied abzustammen. Eine Gruppe solcherart verbundener Melodien nennt man eine Melodiefamilie. Durch Vergleiche der Varianten untereinander kann aufgezeigt werden, wie sich eine Melodiefamilie möglicherweise entwickelt haben könnte. Die Anzahl der Melodiefamilien innerhalb eines bestimmten Volksmusikrepertoires scheint großen Schwankungen unterworfen zu sein. So hat die ungarische Volksmusik wohl Hunderte von Melodiefamilien, während der amerikanische Wissenschaftler Samuel Bayard 1950 bei der angloamerikanischen Volksmusik festgestellt hat, dass sie von circa 40 bis 50 Melodiefamilien dominiert wird, wobei sieben von ihnen die Mehrzahl der restlichen repräsentieren. Im Iran dagegen scheint jedes Textgenre, wie z. B. Lieder über einen fürstlichen Kriegshelden oder Stücke über das Martyrium der muslimischen Heiligen, mit demselben Melodietypus assoziiert zu werden, d. h. die Gesamtzahl der Melodien ist sehr gering. Ein Text, etwa eine Ballade und ihre dazugehörige Geschichte, wird oft kontinuierlich auf eine Melodie und ihre Varianten gesungen. Bezeichnenderweise werden solche Texte jedoch auch zu Melodien mehrerer Melodiefamilien gesungen, und gleichzeitig existiert zu den verschiedenen Liedern einer Melodiefamilie auch eine Reihe von Texten. Weil diese Texte sich verbreiten, gehören sie zum gemeinsamen Textmaterial einiger Länder in Europa und Amerika und das Gleiche gilt auch für die Melodien einer Melodiefamilie. Die große Anzahl von Melodien im typischen Volksmusikrepertoire bildet die Basis für verschiedene Systeme der Klassifizierung. Aufgrund der Unberechenbarkeit der oralen Überlieferung unterscheiden sich die konstant bleibenden Teile einer Melodie, wenn sich diese verändert, deutlich von Kultur zu Kultur.
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