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Idylle

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Eduard MörikeEduard Mörike

Idylle (griechisch eidyllon: Bildchen), literarische Gattung, in der das Volks- und Landleben in dichterisch-harmonischer Form idealisierend dargestellt wird. Sie tritt in lyrischer wie in epischer Gestalt auf, oft auch in geschlossener Form (Genrebild).

Die Idyllendichtung geht zurück auf den griechischen Dichter Theokrit, der mit seinen Eidyllia (Idyllen) die bukolische Dichtung (Schäferdichtung) begründete. Als Gattungsbezeichnung taucht der Begriff Idylle in der Renaissance auf, wobei er hier – unter Bezug nicht nur auf Theokrit, sondern auch auf die Werke von Bion, Moschus, Horaz, Ovid, Catull und insbesondere Vergil (Bucolica) – synonym mit Schäfer- bzw. Hirtendichtung, Bukolik und Ekloge Verwendung fand. Im Barock, etwa bei Martin Opitz, Georg Rudolf Weckherlin und den Dichtern des Nürnberger Dichterkreises, entstanden sowohl geistlich-religiöse als auch weltlich-gesellschaftliche Idyllen, häufig allegorisch verfremdet und an einem locus amoenus (einem idealisierten „lieblichen” Ort) angesiedelt.

Im 18. Jahrhundert entwickelte sich die Idylle in zwei Richtungen: Auf der einen Seite entstand eine erotisch-galante Ausformung der Schäferdichtung (Johann Christoph Gottsched), die im Rokoko in Form der anakreontischen Dichtung eine Blüte erlebte und vor allem von Friedrich von Hagedorn und Christian Fürchtegott Gellert weiterentwickelt wurde. Auf der anderen Seite setzte eine Periode idyllischer Naturlyrik ein, vertreten u. a. von Barthold Hinrich Brockes, Albrecht von Haller, Ewald von Kleist und insbesondere dem Schweizer Salomon Gessner, der zum bedeutendsten Idyllendichter der Empfindsamkeit wurde und durch dessen Sammlung lyrisch-rhythmisierter Kurzprosa Idyllen (1756) der Begriff der Idylle erst die Begriffe Ekloge und Bukolik abzulösen begann. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts begann die Idylle sich einer realistischen Betrachtung gesellschaftlicher Wirklichkeit zuzuwenden; in diesem Sinn stellt sie eine Vorform der Dorfgeschichte dar. Vertreter der realistischen Idylle sind Maler Müller, Johann Peter Hebel und Johann Heinrich Voß, der mit sowohl sozialkritischen (Die Leibeigenschaft, 1775) als auch die bürgerliche Welt idealisierenden Idyllen (Luise, 1783/84) als einer der bedeutendsten deutschen Idyllendichter gelten kann. In Werken wie Leben des vergnügten Schulmeisterlein Maria Wuz in Auenthal (1793) oder Leben des Quintus Fixlein (1796) warf Jean Paul einen humoristischen Blick auf die karge, beschränkte, nur scheinbar idyllische Welt seiner Sonderlingsfiguren.

Seit der Romantik tritt die Idylle kaum mehr in reiner, sondern fast nur noch in gebrochener Form auf. E. T. A. Hoffmann, Ludwig Tieck und Eduard Mörike etwa verwenden das Idyllische als – ebenso irreales – Gegenbild zum Dämonischen. Seit dem 20. Jahrhundert ist die Gattung Idylle fast völlig aus der Literatur verschwunden, es entstanden lediglich Gattungsparodien, etwa bei Gerhart Hauptmann, Hugo von Hofmannsthal, Thomas Mann (Herr und Hund, 1919) und, in der Gegenwartsliteratur, bei Eckhard Henscheid (Maria Schnee, 1988).

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