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Glas

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Richard Meitner: Violation du fondRichard Meitner: Violation du fond
Artikelgliederung
1

Einleitung

Glas, Gegenstände aus Glas, die über ihre reine Funktionalität hinaus von kunsthandwerklicher oder künstlerischer Bedeutung sind, sowie Bezeichnung für deren Herstellung. Glas kann auf vielfältige Weise verziert werden:

Beim Glasschliff werden in das Glas Facetten, Einkerbungen und Vertiefungen eingearbeitet. Die Arbeitsschritte sind: Markieren des Musters, Rohschliff, Nachbearbeitung, Polieren.

Beim Glasschnitt werden die Entwürfe mittels eines rotierenden Rädchens (meist aus Kupfer) als Ornamente, dekorative Bilder oder Schriften eingeschnitten. Dabei unterscheidet man zwischen dem meist benutzten Tiefschnitt, bei welchem der Dekor vertieft ist und dem Hochschnitt, bei dem sich der Dekor vom vertieften Grund abhebt.

Bei der Glasätzung wird meist mit Flusssäure (siehe Fluor: Fluorverbindungen) oder einer Lösung von Fluoriden gearbeiten. Durch dieses Verfahren können Unebenheiten im Glas ausgeglichen werden, das Glas erscheint dann als poliert. Um Glas zu verzieren, werden in eine dieses Glas bedeckende Schicht aus Wachs zunächst Dekors eingezeichnet, dann wird der Gegenstand geätzt.

Als Sandstrahlblasen bezeichnet man es, wenn feine Sandkörner, Flintsplit oder gemahlenes Eisen mit hoher Geschwindigkeit auf das Glas geblasen werden, um ein Muster mit matter Oberfläche zu erhalten.

Werden Lack- oder Ölfarben auf das Glas aufgetragen, nennt man dies Kaltmalerei.

Bei der Emailmalerei werden Emailfarben aufgetragen und anschließend bei relativ niedrigen Temperaturen eingebrannt, d. h. mit dem Untergrund verbunden.

Als Vergolden bezeichnet man einen Vorgang, bei dem Blattgold, Goldfarbe oder Goldstaub aufgetragen wird. Will man jedoch ein dauerhaftes Ergebnis, ist das Einbrennen bei niedriger Temperatur erforderlich. Goldgläser

2

Glaskunst der Antike

Die ältesten bekannten Glasobjekte sind Perlen und Amulette. Glasgefäße sind nicht vor 1500 v. Chr. nachgewiesen. Handwerker aus Asien haben wahrscheinlich die Glasherstellung nach Ägypten gebracht, wo die ersten Gefäße aus der Zeit von Thutmosis III. (1504-1450 v. Chr.) datieren. Die Glaserzeugung erlebte in Ägypten und Mesopotamien bis etwa 1200 v. Chr. eine erste Blüte. Da die Ägypter die Technik des Glasblasens noch nicht kannten, konnten sie lediglich kleine Gefäße herstellen, die zur Aufbewahrung von Salben und Essenzen dienten. Glasgegenstände galten als ausgesprochene Luxusartikel, da sie in einem schwierigen Verfahren gefertigt werden mussten.

Im 9. Jahrhundert v. Chr. wurden Syrien und Mesopotamien die Zentren der Glaserzeugung, und von dort aus verbreitete sie sich über den gesamten Mittelmeerraum. In der hellenistischen Zeit übernahm wieder Ägypten mit seinen Glashütten in Alexandria eine führende Rolle. Die zukunftweisende Entdeckung der Glasbläserei wurde im 1. Jahrhundert v. Chr. in der phönizischen Küstenstadt Sidon gemacht. Von Alexandria aus gelangte im 1. Jahrhundert n. Chr. die Technik der Glasbearbeitung nach Rom.

2.1

Die ersten Techniken

Auch schon vor der Erfindung der Glasmacherpfeife konnte man Gegenstände aus farbigem Glas, ob durchscheinend oder opak, formen und verzieren. Zum einen konnte das Objekt aus einem soliden Glasblock herausgeschnitten werden; zum anderen übernahmen Glasmacher die Verwendung von Formen, wie sie bei Keramik und Metallbearbeitung bereits üblich war. Aus der in eine Form gegossenen Glasmasse konnten Intarsien, Statuen und oben offene Gefäße wie Krüge und Schalen gefertigt werden.

Des Weiteren konnten vorgeformte Glasstäbe wieder erhitzt und in einer Form miteinander verschmolzen werden, um Bandglas zu erhalten.

Die Mosaiktechnik ermöglichte Muster von großer Komplexität. Dabei wurden verschiedene Glasfäden und -bänder so zu einem Stab verschmolzen, dass sich aus dem Durchschnitt ein Muster ergab. Wenn man den Stab in Scheiben schnitt, konnte man diese in eine Form für ein Gefäß oder eine Schmuckplatte legen und durch Erhitzen fest miteinander verschmelzen.

Goldbandgläser zeigten unregelmäßige Streifen verschiedenfarbigen Glases, wobei Blattgold in einen durchsichtigen Streifen eingebettet war.

Die meisten Glaserzeugnisse aus der vorrömischen Zeit wurden mit der Sandkerntechnik gefertigt. Dazu brachte man auf einen Metallstab eine Mischung aus Ton und Dung auf und formte ihn so, wie die inneren Wände des gewünschten Gefäßes beschaffen sein sollten. Dieser so genannte Sandkern wurde in einen Tiegel mit geschmolzenem Glas getaucht oder mit Glasfäden umwunden. Während des gesamten Prozesses erhitzte man das Werkstück und glättete die Oberfläche auf einem flachen Stein. Auffallende Federmuster, wie man sie von ägyptischem Glas der 18. und 19. Dynastie kennt, konnten aufgebracht werden, indem man verschiedenfarbige Glasfäden um das Objekt legte und kämmte. Henkel, Füße und der Hals wurden nachträglich angesetzt. Der letzte Arbeitsgang bestand darin, den Stab zu entfernen und das Kernmaterial herauszukratzen. Die Sandkerntechnik ließ sich nur für kleinere Gefäße, wie Väschen und Behälter für Kosmetika, anwenden. Spätere, ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. erzeugte Gegenstände übernahmen die Formen der griechischen Keramik.

2.2

Römisches Glas

Das Glasblasen, eine weniger teure und zeitraubende Produktionsmethode, erreichte von Syrien aus Rom und verdrängte allmählich die alten Techniken. Damit war auch ein Geschmackswandel verbunden: Während die früheren Methoden Farbe und Muster hervorhoben, lenkte die Glasbläserei die Aufmerksamkeit auf das dünne, durchsichtige Glas. Zudem kam am Ende des 1. Jahrhunderts das farblose Glas in Mode. Das Glasblasen ermöglichte die Herstellung großer Stückzahlen und machte aus dem Luxusartikel ein alltägliches Material, das für Fensterscheiben, Trinkgefäße und Behälter aller Art verwendet wurde.

Die meisten heute bekannten Glaskunst-Techniken wurden von römischen Handwerkern erfunden. Geblasenes Glas erhielt Gestalt und Muster in Teil- und Ganzformen; die Verwendung solcher Formen ermöglichte auch die Erzeugung von Flaschen in höherer Stückzahl. Manche der römischen Glasobjekte tragen ein aufwendiges Dekor. Häufig sind sie mit religiösen und historischen Szenen bemalt. Die so genannten Zwischengoldgläser sind besonders aus dem spätrömischen Rheinland bekannt. Dabei handelt es sich um zwei ineinandergefügte Gläser: Die Außenseite des inneren Glases ist mit Gold oder Silber belegt, während die Innenseite des Außenglases lackiert ist. In diesen Lack sind Entwürfe einradiert.

Die Glasmacher der Antike passten Techniken, die für die Steinbearbeitung entwickelt wurden, ihrem Material an und fertigten durch Schliff, Schnitt und Gravur Zierglas von beachtlicher Qualität. Kameenglas entstand, indem Schichten verschiedenfarbigen Glases verschmolzen und dann so ausgeschnitten wurden, dass kontrastierende Motive reliefartig zurückblieben. Das bekannteste Beispiel für römisches Kameenglas ist die Portlandvase (1. Jahrhundert n. Chr., Britisches Museum, London), auf der die Sage von Peleus und Thetis dargestellt wird. Kunstvolle Effekte entstanden auf den Diatret- oder Netzgläsern, die im frühen 4. Jahrhundert gefertigt wurden. Dabei wurden große Teile der Oberfläche so abgeschliffen, dass ein kunstvolles Netz übrigblieb, das mit dem Gefäß im Innern nur durch dünne Stege verbunden blieb.

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