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AIDSEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Herkunft der HI-Viren; Infektion und Virusvermehrung; Anzahl der Infizierten; Impfstoffentwicklung; Therapie
Man hat mehrere Subtypen und zahlreiche Stämme des HI-Virus isoliert. Der Erreger wechselt offenbar ständig seine genetische Ausstattung und damit auch die Struktur seiner Umhüllung, gegen die das Immunsystem Antikörper produzieren kann. Deshalb ist es äußerst schwierig, einen Impfstoff zu entwickeln, der im Blut die Produktion schützender Antikörper gegen alle Virusstämme veranlasst. Bevor ein Impfstoff die Zulassung erhält, muss er nach Tierversuchen eine dreiphasige klinische Prüfung am Menschen bestehen. Die dritte dieser Phasen hatten 2007 zwei Präparate erreicht. Eines der Vakzine basiert auf dem in der Virushülle vorkommenden Protein gp120, das eine Immunantwort erzeugen soll (siehe Immunisierung). Nach der Impfung soll das Immunsystem das Protein als körperfremd erkennen, eine Immunreaktion einleiten und weiterhin für das Protein sensibilisiert bleiben. Ziel ist es, dass die Immunantwort im Fall einer HIV-Infektion erheblich heftiger verläuft. Das zweite Vakzin basiert auf abgeschwächten Adenoviren, die Fragmente der Erbsubstanz von HI-Viren enthalten; sie sollen Körperzellen des Geimpften anregen, Virusproteine herzustellen, um eine Immunreaktion einzuleiten. Die Testphase für das letztere Präparat wurde 2007 beendet: Der Impfstoff hatte sich nicht nur als unwirksam erwiesen, es hatten sich in der Testphase sogar mehr geimpfte Versuchspersonen mit HIV infiziert als Personen einer Vergleichsgruppe, die nur scheinbar geimpft worden waren.
AIDS ist heute noch nicht heilbar; die Therapie verfolgt deshalb im Wesentlichen das Ziel, die Virusmenge im Körper so gering wie möglich zu halten und damit den Krankheitsverlauf zu verzögern. Eine wichtige therapeutische Strategie besteht darin, durch den Einsatz von Medikamenten Enzyme zu hemmen, auf die das Virus zu seiner Vermehrung angewiesen ist. Eines dieser Enzyme ist die Reverse Transkriptase, die das RNA-Molekül des Virus nach dessen Eindringen in die Zelle in ein DNA-Molekül transkribiert. Die Reverse Transkriptase wird u. a. mit Medikamenten der Substanzklasse der Nucleosid-Analoga gehemmt, die man auch Nucleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren nennt. Nucleosid-Analoga konkurrieren mit natürlichen Nucleosiden, denen gegenüber sie in ihrem molekularen Aufbau leicht verändert sind. Werden von der Reversen Transkriptase statt Nucleosiden Nucleosid-Analoga umgesetzt, bricht die DNA-Kette ab, und das DNA-Molekül kann nicht synthetisiert werden. Zu den Nucleosidischen Reverse-Transkriptase-Inhibitoren gehören der erste AIDS-Wirkstoff Zidovudin (AZT), der u. a. in dem Medikament Retrovir® enthalten ist, sowie 3TC (Handelsname Epivir®). Zidovudin ist auch dafür zugelassen, während der Schwangerschaft das Risiko einer Übertragung von der Mutter auf das Kind zu verringern. Ebenfalls durch den Einsatz falscher molekularer Bausteine hemmen Nucleotidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren wie Tenofovir (Viread®) die Reverse Transkriptase. Die Nicht-Nucleosidischen Reverse-Transkriptase-Inhibitoren wie Nevirapin (Viramune®) blockieren dagegen die Aktivität der Reversen Transkriptase, indem sie sich direkt an das Enzym binden. Ein weiterer Angriffspunkt für Medikamente ist das Enzym Protease; das Virus ist auf dieses Enzym angewiesen, um Proteine für die Virushülle zurechtzuschneiden. Dieses Enzym wird durch Protease-Hemmer oder Protease-Inhibitoren wie Indinavir (Handelsname Crixivan vir®) und Ritonavir (Norvir®) gehemmt. Das Virus kann sich dann nur noch unvollständig vermehren und ist nicht mehr infektiös. Eine völlig neue Medikamentenklasse sind die Integrase-Hemmer: Sie hemmen das Virusenzym Integrase, das für den Einbau der Virus-DNA in die DNA der Wirtszelle erforderlich ist. Der Integrase-Hemmer MK-0518 wurde 2006 in einer klinischen Studie erfolgreich getestet und stand damit vor der Marktzulassung. Eine weitere Medikamentenklasse sind die Fusionsinhibitoren, die das Eindringen des Virus in die Zelle (also die „Fusion” von Virus und Zelle) verhindern sollen. Das zu dieser Klasse gehörende, aus einem Protein bestehende Medikament Enfuvirtide (oder T-20, Handelsname Fuzeon®) blockiert die Andockstelle für das Virus. Es wird eingesetzt, wenn gegen andere Medikamente Resistenzen aufgetreten sind. Die Wirksamkeit von AIDS-Medikamenten wird erhöht, indem man mehrere Medikamente zur so genannten Hochaktiven Anti-Retroviralen Therapie (HAART) kombiniert. Der Erfolg von Kombinationstherapien darf allerdings nicht überschätzt werden: Viren gehen dabei in einen latenten „Ruhezustand” über, in dem sie Jahrzehnte überdauern und dennoch vermehrungsfähig bleiben. Außerdem werden sowohl gegen einzelne Medikamente als auch gegen Kombinationspräparate zunehmend Virusresistenzen beobachtet. So wurde 2005 in New York eine als 3-DCR HIV bezeichnete Virusvariante entdeckt, die offenbar gegen 19 Medikamente resistent ist. Die Kosten zur Behandlung einer HIV-Infektion stellen insbesondere viele Patienten in ärmeren Ländern vor kaum lösbare finanzielle Probleme. So hatte 2006 weltweit nur ein Fünftel aller HIV-Infizierten Zugang zu Medikamenten. Einen Ausweg aus dieser Situation bieten zumindest für einen Teil der Infizierten so genannte Generika (siehe Arzneimittel). Bei diesen Arzneien handelt es sich um Nachahmerprodukte, die in ihrer Zusammensetzung den als Markenpräparaten zugelassenen Medikamenten gleichen. Nachdem Pharmakonzerne 2001 ihre Klage gegen ein südafrikanisches Gesetz zurückgezogen hatten, das die Einfuhr preiswerter AIDS-Medikamente erlaubt, dürfen AIDS-Kranke dort mit Generika behandelt werden.
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