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Windows Live® Suchergebnisse SapphoEnzyklopädieartikel
Sappho, eigentlich Psappho, (um 650 bis 590 v. Chr.), griechische Lyrikerin. Sie war die bedeutendste Lyrikerin der Antike und wurde zwei Jahrhunderte nach ihrem Tod von Platon als zehnte Muse gerühmt. Nach Sappho wurde eine vierzeilige Odenstrophe benannt, die aus drei Elfsilblern und einem abschließenden Fünfsilbler, dem Adoneus, besteht (neben ihr verwendete vor allem Alkaios diese Strophenform). Im deutschen Sprachraum wurde diese so genannte sapphische Strophe u. a. von Friedrich Gottlieb Klopstock, Friedrich Hölderlin und Nikolaus Lenau kultiviert. Sappho wurde auf der Insel Lesbos, vermutlich in der Hauptstadt Mitylene, geboren. Über ihr Leben ist nur wenig bekannt. Sie entstammte offenbar einer adligen Familie und war eine Zeitgenossin der Dichter Stesichoros und Alkaios. Sappho soll mit einem wohlhabenden Mann von der Kykladeninsel Andros verheiratet gewesen sein und eine Tochter namens Cleïs gehabt haben. Zeitweise lebte sie in der Verbannung. Aus ihren nur bruchstückhaft erhaltenen Dichtungen geht hervor, dass sie im Rahmen des griechischen Hera- bzw. Aphrodite-Kults einen berühmten Kreis junger Mädchen im heiratsfähigen Alter um sich sammelte, den sie in musischen Fertigkeiten (Poesie, Musik, Gesang und Tanz) unterwies und mit dem sie bei Götterfeiern auftrat. Wenn ein Mädchen den Kreis verließ, um zu heiraten, verfasste sie Hochzeitslieder („Abendstern, bringst alles heim, was / der strahlende Morgen zerstreute: / Bringst das Schaf, bringst die Ziege, / bringst fort von der Mutter die Tochter!”). Auf den Dichter Anakreon geht die Ansicht zurück, dass Sappho zu den jungen Frauen ein sexuelles Verhältnis unterhalten habe; aus dieser Deutung haben sich die Begriffe der „lesbischen Liebe” und des „Sapphismus” als Bezeichnungen für weibliche Homosexualität entwickelt. Einer in Ovids Epistolae Heroidum tradierten Legende zufolge stürzte sich Sappho aus Kummer über ihre unerfüllte Liebe zu dem Jüngling Phaon von einem steilen Felsen auf der Insel Leukas zu Tode. Sappho verfasste insgesamt neun Bände mit Oden, Epithalamien (Hochzeitsgedichten), Elegien und Hymnen, in denen sie zumeist die Ideale einer Kultur der Frauen im Dienst der Musen preist. Allerdings sind nur wenige Fragmente überliefert. Vollständig erhalten ist nur die „Ode an Aphrodite”, die in einer Schrift des Gelehrten Dionysios von Halikarnassos im 1. Jahrhundert v. Chr. zitiert wird („Bunten Thrones ewige Aphrodite, / Kind des Zeus, das Listen flicht, ich beschwör’ dich / nicht mit Herzweh, nicht mit Verzweiflung, brich mir, Herrin, die Seele”). Im 20. Jahrhundert entdeckte man Papyrusrollen und Tonscherben mit bislang unbekannten Versen. Sapphos im äolischen Dialekt verfasste Dichtungen zeichnen sich durch musikalischen Rhythmus, große sprachliche Schlichtheit und erotisches Pathos (im Sinn des griechischen Eros-Begriffs) aus. Ihr Einfluss wird insbesondere in den Werken von Alkaios, Anakreon, Horaz und Catull spürbar. Nicht von ungefähr nannte letzterer seine fiktive Geliebte Lesbia.
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