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Kunsthandwerk

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Kanganaman-Maske aus NeuguineaKanganaman-Maske aus Neuguinea

Kunsthandwerk oder Kunstgewerbe, die Herstellung von Zier- oder Gebrauchsgegenständen in Handarbeit, wozu sowohl handwerkliche als auch künstlerische Fähigkeiten benötigt werden. Der Begriff entstand im 19. Jahrhundert, als maschinelle Produktionsweisen die handwerkliche Herstellung von Einzelstücken zunehmend abzulösen begannen.

Das Kunsthandwerk umfasst die verschiedensten Herstellungstechniken, wie Weberei, Stickerei, Quiltsteppen (besonders in den USA), Knüpfen, Leder- und Papierarbeiten, Korbflechten, Keramik, Holzbearbeitung (darunter Holzschnitzerei und Möbelherstellung), die unterschiedlichsten Techniken der Metallbearbeitung, Glasbläserei, Schmuckherstellung und andere. Es wird sowohl als Hobby zu Hause mit einem Minimum an Geräten und Material betrieben als auch gewerbsmäßig mit einem geregelten Verkauf der Produkte und mehr oder weniger großem künstlerischen Anspruch.

Kunsthandwerkliche Techniken werden auch in der Beschäftigungstherapie eingesetzt. So lernen z. B. Patienten handwerkliche Techniken, um ihre geschwächten Muskeln zu stärken oder um künstliche Gliedmaßen besser beherrschen zu können. Bei Behinderten und psychisch Kranken dienen solche Tätigkeiten der Ablenkung von ihrer Behinderung oder Krankheit und sollen das Selbstbewusstsein stärken.

Das Kunsthandwerk ist so alt wie die Menschheitsgeschichte. Ursprünglich diente es nur zu Nutzzwecken. Heute jedoch bringt es in einer Welt, die von Mechanisierung und Standardisierung geprägt ist, ästhetisch ansprechende handgearbeitete Objekte mit Unikatcharakter hervor. Zu den frühesten kunsthandwerklichen Grundtätigkeiten zählen Korbflechten, Weben, Stroharbeiten und Töpfern. Fast jedes noch heute ausgeübte Kunsthandwerk hat eine Geschichte von vielen hundert oder sogar tausend Jahren.

Bis zur industriellen Revolution im 19. Jahrhundert war das Handwerk, das meist in Zünften organisiert war, überall in Europa die wichtigste Wirtschaftsgrundlage in kleinen und großen Städten. Als man die Gegenstände jedoch serienmäßig herstellen konnte, wurden Kunsthandwerker, die mit den Preisen industriell hergestellter Massenware nicht konkurrieren konnten, immer weniger gebraucht. Als Reaktion auf die Auswirkungen der Industrialisierung auf die Qualität der Gegenstände entstand im England des späten 19. Jahrhunderts das Arts and Crafts Movement, das eine Reform des Kunsthandwerkes zum Ziel hatte und an dessen Spitze der Designer und Sozialreformer William Morris stand. Starke Einflüsse gingen auch auf das europäische Festland aus, wo sich ähnliche Bewegungen formierten, wie beispielsweise die Wiener Werkstätte, der Deutsche Werkbund oder das Bauhaus, das den Weg zum Industriedesign einschlug. In der Folge entstanden auch die ersten Kunstgewerbemuseen, z. B. in London, Wien und Berlin, die unter dem didaktischen Anspruch, geschmacksbildend zu wirken, exemplarisches Kunstgewerbe zu sammeln begannen. Das heutige starke Interesse der westlichen Welt am Kunsthandwerk ist weitgehend auf diese Bewegungen zurückzuführen.

In vielen Teilen der Welt werden kunsthandwerkliche Produkte noch auf die gleiche Weise hergestellt wie vor Jahrhunderten. Beispiele dafür sind die chinesischen Korbflechtarbeiten, der indonesische Batikdruck oder die Webarbeiten im südlichen Hochland der Appalachen in den USA, die noch nach den alten Techniken der ersten Siedler entstehen.

Auf der ganzen Welt dokumentieren völkerkundliche Museumssammlungen die handwerklichenTechniken fremder Kulturkreise, ergänzt durch Objekte in archäologischen Museen, die frühe Entwicklungsstufen des Handwerkes aufzeigen. Kunsthandwerker der Gegenwart können durch das Studium alter Handwerkstechniken und -formen Nutzen für ihre eigene Arbeit ziehen, Hochschulen und Volkshochschulen, Kunstakademien, Kunsthandwerker und anderen Einrichtungen bieten interessierten Laien Kurse in verschiedenen Handwerkstechniken an.

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