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Windows Live® Suchergebnisse PuppeEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Puppen der Antike; 11. bis 18. Jahrhundert; Außereuropäische Puppen; Die Puppe im 19. Jahrhundert; Moderne Puppen
Puppe (von lateinisch puppa: kleines Mädchen), plastische Nachbildung des Menschen, seit Mitte des 19. Jahrhunderts verstärkt von Kindern. Neben ihrer Funktion als Spielzeug oder Sammlerobjekt besitzt die Puppe in zahlreichen Kulturen religiöse oder kultische Bedeutung.
Die frühesten bekannten Puppen waren flache Holzstücke, die mit geometrischen Mustern bemalt waren und Haarnachbildungen aus Tonfäden oder Holzperlen besaßen. Sie wurden in ägyptischen Gräbern aus der Zeit um 3000 bis 2000 v. Chr. gefunden und fungierten vermutlich als Fruchtbarkeitssymbole. Daneben waren den ägyptischen Gräbern Nachbildungen von Ushabti (Bediensteten) beigegeben, die den Verstorbenen im Jenseits zur Hand gehen sollten. Auch aus dem antiken Griechenland und Rom sind Puppen als Grabbeigaben bekannt. Die meisten Puppen aus antiken Kindergräbern sind stilisierte Figuren aus Ton, Stoff, Holz oder Knochen. Lebensechtere Modelle mit beweglichen Armen (Gliederpuppen) bestanden aus Elfenbein, Wachs oder Terrakotta. Oftmals waren sie mit Stoff bekleidet.
Da die Puppen früher zumeist aus Holz, Leinen, Stroh oder Wolle hergestellt wurden, sind nur wenige Exemplare erhalten geblieben. Allerdings wissen wir aus Schriftquellen einiges über ihre Geschichte. Spielzeugpuppen aus Alabaster für reiche Kinder waren seit der Römerzeit bekannt. In der frühchristlichen Zeit unterband die Kirche die bäuerlich-heidnische Tradition, Puppen zusammen mit Kindern beizusetzen. Daraus entwickelte sich der Brauch, Tonpuppen mit gefalteten Händen als Opfergabe an den Schreinen der Heiligen zu befestigen. Im 12. Jahrhundert entstanden erste Marionetten aus Holz und Metall. Essbaren Brotpuppen, die an Feiertagen gebacken wurden, sprach man heilende Wirkung zu. Ingwerbrotpuppen dienten als essbares Spielzeug. Im 13. Jahrhundert begann die Herstellung aufwendig bemalter Holzpuppen in edlen Kostümen. Die venezianische Tradition, Puppen aus Wachs, Holz und einer speziellen Paste zu fertigen, wurde im 14. Jahrhundert auch in anderen Ländern aufgegriffen und 500 Jahre lang weitergeführt. In dieser Zeit entstanden auch Kleiderpuppen zur Präsentation der neuesten Modeschöpfungen. Ebenso wurden Handpuppen populär. Die ersten kommerziell hergestellten Kinderspielzeugpuppen stammen aus dem frühen 15. Jahrhundert. Werkstätten in Nürnberg, Augsburg und Sonneberg fertigten einfache Puppen aus Holz, Ton, Stoff oder Wachs. Mitte des 15. Jahrhunderts begann man auch in England, Frankreich, Holland und Italien mit der Herstellung von Puppen in traditioneller Tracht. In Seide gekleidete Modepuppen wurden oftmals von Herrschern und Angehörigen des Hofes verschenkt. Einige der schönsten Exemplare mit Echthaar stammen aus dem Frankreich des 16. Jahrhunderts. Hinzu kamen männliche Gliederpuppen (etwa in Ritterrüstung) und schließlich wächserne Vitrinenpuppen zu Sammelzwecken. Im 17. Jahrhundert wurden den Puppen Köpfe aus glasiertem Ton, aus asiatischem Pflanzengummi oder Alabaster aufgesetzt. 1636 entstand in Holland die erste Puppe mit beweglichen Glasaugen, 1675 kamen seriell hergestellte Puppen mit Echthaarperücken hinzu. Zu den berühmtesten deutschen Puppenmachern dieser Zeit gehörten Mathias Schutz und Daniel Neuberger. In England entstanden lebensgroße Wachspuppen, in Sizilien für Vorstellungen bestimmte Tanzpuppen. In Deutschland wurde im 18. Jahrhundert zunehmend weiches, speziell behandeltes Leder als Überzug für Torsi und Gliedmaßen der Puppen verwendet. Bis ins frühe 18. Jahrhundert hinein waren Puppen nahezu ausschließlich Darstellungen von Erwachsenen. Erst 1710 brachte ein Puppenmacher eine Babypuppe aus Wachs mit beweglichen Augen auf den Markt. 1737 wurden in Paris laufende Puppen hergestellt. Modepuppen des 18. Jahrhunderts dokumentierten die neuesten Modeströmungen: Sie wurden häufig von einem Land ins andere verschickt, um die jüngsten Trends vorzustellen.
Während in Europa Puppen hauptsächlich als Spielzeug dienen, spielte (und spielt) deren religiöse oder magische Bedeutung in anderen Kulturen eine weitaus größere Rolle. Aus diesem Grund haben sich Herstellungsverfahren und verwendete Materialien hier kaum verändert. In manchen Regionen Afrikas beispielsweise werden noch heute aus Kürbissen und Stöcken gefertigte Puppen von den Frauen auf dem Rücken getragen, um die Fruchtbarkeit zu steigern. Auch gibt es in Afrika und Mexiko immer noch Spielzeugpuppen aus Maiskolben. Die nordamerikanischen Hopi-Indianer stellen Puppen aus mit Federn und Perlen geschmückten Baumwollwurzeln her, die dann bei rituellen Erntetänzen eingesetzt werden. Die Eskimos verwenden zur Herstellung von Puppen Walrosszähne, Rentiergeweihe, Knochen und Treibholz. Bis ins 19. Jahrhundert hinein waren ihre Puppen nackt: Erst danach zog man ihnen Kleider aus Tierhäuten an. Die ältesten japanischen Puppen, die so genannten Somin-Shorai, bestehen aus Holz und dienten zur Abwehr böser Geister. Im 8. Jahrhundert v. Chr. wurden Heilpuppen aus Papier und Stroh eingeführt. Man legte sie in das Bett eines kranken Kindes und warf sie dann ins Meer, da man glaubte, die Krankheit sei auf die Puppe übertragen worden. Spätere japanische Puppen waren aus Pappe, Stoff oder Bambus gemacht. Papiermaché wurde verwendet, schon lange bevor es nach Europa kam: So entstanden Papierpuppen für den kaiserlichen Hof mit bemalten Gesichtern und kunstvollen Kostümen. Zwei jährlich stattfindende Puppenfeste, eins für Mädchen (im März) und eins für Jungen (im Mai), sind Bestandteil der überlieferten Tradition Japans. Beim Fest für Mädchen spielen Puppen des Kaisers und der Kaiserin. Diese erhalten genauso wie die geladenen Gäste Erfrischungen. Als Krieger und Sagenhelden gekleidete Puppen bestimmen das Fest für die Jungen. Auch in japanischen Bunraku-Theatern kommen Puppen zum Einsatz. Im antiken China wurden Puppen als Idole oder Fetische hergestellt. Die ältesten Exemplare bestehen aus geflochtenem Stroh, doch sind aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. auch Keramik- und Holzfiguren erhalten. Papier und Pappe wurde später zur Herstellung von Kippspielzeug für Kinder verwendet, das sich von selbst wieder aufrichtete. Frühe Puppen aus Indien ähneln den ersten ägyptischen Puppen. Diese bestehen aus flachen Holzstücken sowie aus Ton, Papiermaché, Kuhfladen, Bronze, Stoff oder Pflanzenfasern.
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