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Präkolumbische Kunst und Architektur

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Artikelgliederung
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Einleitung

Präkolumbische Kunst und Architektur, die Kunst und Architektur der Indianerkulturen in Mittelamerika, den Anden und benachbarter Regionen vor dem 16. Jahrhundert, also vor der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus. Zur Kunst der alten Kulturen nördlich von Mexiko siehe Indianer.

3 000 Jahre vor der europäischen Kolonisation hatten die Indianer Zivilisationen und Hochkulturen entwickelt, die sich in ihrer künstlerischen Leistung mit denen des alten China, Indien, Mesopotamien und des Mittelmeerraumes messen können. Diese Leistungen sind um so eindrucksvoller, als die technischen Errungenschaften der östlichen Hemisphäre in der Neuen Welt unbekannt waren. In Mittelamerika etwa diente das Rad nur als Spielzeug und fand nie in Form der Töpferscheibe, als Wagenrad oder Flaschenzug Anwendung. Werkzeuge aus Metall wurden kaum – oder erst im letzten Stadium der präkolumbischen Geschichte – benutzt. Die kunstvoll ausgeführten Skulpturen und fein ziselierten Jadeornamente, die man in diesen Regionen findet, müssen daher mit Steinwerkzeugen aus dem Material geschnitten bzw. gemeißelt worden sein.

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Geographische Einteilung

Gemeinhin werden die präkolumbischen Kulturen nach geographischen Bereichen differenziert. Dabei ist die mesoamerikanische Region, die die heutigen Länder Mexiko, Belize, Guatemala, Honduras und El Salvador umfasst, eines der Hauptgebiete. Peru und Bolivien gehören zur zentralen Andenregion, einem weiteren kulturellen Zentrum. Das Zwischengebiet im Norden Südamerikas und im Süden Mittelamerikas wird von den Ländern Venezuela, Kolumbien und Ecuador gebildet. Das Randgebiet umfasst den Rest von Südamerika sowie die karibischen Inseln. Wurden diese Gebiete ursprünglich meist als isolierte kulturelle Einheiten angesehen, so deuten neuere archäologische Forschungen auf engere kulturelle Wechselbeziehungen hin.

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Chronologische Einteilung

Man unterscheidet drei Hauptphasen der präkolumbischen Kultur: die präklassische oder formative Periode (um 1500 v. Chr. bis etwa 300 n. Chr.), die klassische Periode (um 300 bis 900) und die postklassische Periode (um 900 bis 1540). Trotz dieser leicht irreführenden Bezeichnung wurden die bedeutendsten Architektur- und Kunstwerke nicht notwendigerweise in der klassischen Zeit geschaffen. Die Schöpfungen von vier postklassischen Kulturen (Mixteken, Azteken, Chimú und Inka) sind nicht weniger bedeutend als ihre klassischen Vorläufer.

Verschiedene Charakteristika der präkolumbischen Blütezeit sind bereits in der präklassischen Periode sichtbar. In dieser frühen Phase bestand der südamerikanische Subkontinent in erster Linie aus kleinen Königreichen, deren Kulturen sich weitgehend unabhängig voneinander entwickelten, obgleich sie verschiedene religiöse Vorstellungen und Bildmotive miteinander teilten. So verehrten z. B. sowohl die olmekische Kultur (Mexiko) wie die San-Agustín-Kultur (Kolumbien) und die Chavínkultur (Peru) eine Katzengottheit und besaßen eine ähnliche Ikonographie.

In der klassischen Periode entstanden große und komplexe Reiche, die häufig von Priestern beherrscht wurden. In dieser Zeit vollzogen sich erste Verbreitungs- oder Anpassungsprozesse zwischen den Kulturen. Eroberungen und ausgedehnter Handel führten zu Reichtum, mit dem der Bau religiöser Kultstätten oder von Stadtanlagen einherging. Auch die Grabstätten der Herrscher wurden luxuriöser ausgestattet.

Die postklassische Periode war durch häufige Kriege gekennzeichnet, die in wirtschaftlichen und sozialen Problemen (z. B. einem immensen Bevölkerungswachstum) ihre Ursache hatten. Über die Kulturen und Gesellschaften dieser Zeit gibt es die umfangreichsten Nachrichten, da die Chronisten der spanischen Eroberer ihre Eindrücke in persönlichen Aufzeichnungen festhielten oder Bücher zur Geschichte der Besiegten verfassten.

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Kulturelle Merkmale

Die präkolumbischen Kulturen waren landwirtschaftlich strukturiert. In Mittelamerika bildete Mais das Hauptnahrungsmittel, in der Andenregion von Peru und Bolivien dagegen die Kartoffel. Bis zur relativen Säkularisierung der postklassischen Periode war die Religion ein wichtiger Pfeiler des staatlichen und sozialen Lebens. Im Zentrum der kultischen Rituale und Zeremonien stand die Bitte um eine gute Ernte. Auch ein Großteil der präkolumbischen Kunst und Architektur stand im Dienst des landwirtschaftlichen Fruchtbarkeitszyklus und bediente sich dabei astronomischer Funktionen, mit deren Hilfe u. a. die günstigste Zeit für Pflanzung und Ernte bestimmt werden sollten.

Zu dieser Zeit entstanden zwei Siedlungstypen: das reine Kultzentrum, bestehend aus religiösen Bauten und Verwaltungsgebäuden, die sich um riesige Platzanlagen gruppierten. Hier gab es keine normalen Wohnhäuser oder Straßen. Vermutlich lebten dort nur die religiösen und weltlichen Herrscher und deren Höfe, während die Bevölkerungsmehrheit in umliegenden Dörfern wohnte. Diese Wohnstädte besaßen Straßen sowie Tempel und Verwaltungsbauten, die um Plätze herum angeordnet waren.

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