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Präkolumbische Kunst und ArchitekturEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Geographische Einteilung; Chronologische Einteilung; Kulturelle Merkmale; Kunstformen; Das mesoamerikanische Gebiet; Zentrales Andengebiet; Das Zwischengebiet; Randgebiet
Die Kultur der Zapoteken, die auch nach ihrem Zentrum als Monte-Albán-Kultur bezeichnet wird, beherrschte das Tal von Oaxaca. Sie entwickelte sich um 1500 v. Chr. und erreichte ihren Höhepunkt zwischen etwa 300 und 700 n. Chr. Die Zapotekenhauptstadt Monte Albán bestand zwischen 500 v. Chr. und 500 n. Chr. Es gibt Anzeichen dafür, dass die Zapoteken bereits früh Beziehungen zu den Olmeken und später zu Teotihuacán unterhielten. Ihren ausgeprägten Ahnenkult spiegeln zahlreiche Artefakte für Begräbnisriten wider. Die Grabkammern in Monte Albán und im gesamten Oaxaca-Gebiet enthielten kunstvoll gearbeitete Urnen, deren Darstellungen die Verstorbenen in direkten Zusammenhang mit Naturkräften (Regen, Wind etc.) setzten. Die Tempel von Monte Albán zeigen den Einfluss der Talud-tablero-Bauweise Teotihuacáns. Ähnliches gilt für die Plätze mit ihren monumentalen, auf Terrassentempel hinaufführenden Treppenanlagen. Zahlreiche Stelen mit Relief- und Schriftzeichengravuren finden sich im Umkreis verstreut. Die Gräber der Zapoteken besaßen mehrere Räume, die mit Fresken verziert waren. Auch hier ist der Einfluss von Teotihuacán offensichtlich.
Am Golf von Mexiko entstand eine Kultur, die früher Totonakenkultur genannt wurde. Heute spricht man vom klassischen Veracruz (benannt nach dem heutigen mexikanischen Staatsgebiet, das sich in etwa mit dem präkolumbischen Kulturraum deckt). In der Hauptkultstätte El Tajín deuten sieben Hofanlagen auf die Bedeutung des rituellen Ballspieles tlachtli hin. Einige der dekorierenden Hofreliefs zeigen die rituelle Opferung von Ballspielern. Die wichtigsten Kunstwerke der klassischen Veracruzkultur sind hachas (Äxte), yugos (Joche) und palmas (Palmen). Sie standen im Zusammenhang mit dem Ballspiel, doch ist ihre genaue Funktion nicht überliefert. Möglicherweise wurden sie von siegreichen Ballspielern bei Prozessionen und feierlichen Umzügen getragen. Vielleicht dienten die hachas auch zur Markierung des Spielfeldes. In der klassischen Veracruzperiode wurden eindrucksvolle Tonfiguren hergestellt. Im Gebiet um Remojadas etwa entstanden breitgesichtig-lachende Gestalten. Nahezu naturalistische Hohlfiguren wurden nach dem Brennen mit Teer oder Pech bestrichen. Wegen ihrer Lage an den einschlägigen Handelsstraßen nahm die Kultur des klassischen Veracruz zahlreiche Elemente anderer mexikanischer Hochkulturen auf. Vor allem in Cerro de las Mesas spiegelt ihre Architektur und Kunst den Einfluss von Olmeken, Teothuacán, Zapoteken und den Maya.
In der postklassischen Periode entstanden weitere bedeutende Kulturen, wie die der Tolteken, Tarasken, Huaxteken und Totonaken, der Mixteken und Azteken.
Das 64 Kilometer nördlich von Mexico City liegende Tula (Tollán) war die Hauptstadt der kriegerischen Tolteken, deren erstes Reich im 10. Jahrhundert n. Chr. entstand (siehe Tulum). Sie schufen nur wenige Luxusgegenstände und benutzten bleiglasierte Tonware von nichttoltekischen Handwerkern, die an der Pazifikküste nahe der heutigen mexikanisch-guatemaltekischen Grenze siedelten. Diese Keramik war die einzige glasierte in Mesoamerika und hatte eine grünlich graue Oberfläche. Auch die Architektur und Skulptur der Tolteken verrät den Einfluss des nahe gelegenen Teotihuacán. Der Tempel auf der Spitze der so genannten Morgensternpyramide von Tlahuizcalpantecuhtli in Tula besitzt nahezu fünf Meter hohe Säulen in Gestalt Furcht erregender Wächter. Darunter befinden sich Paläste und Zeremonienhallen, wahrscheinlich für Angehörige der militärischen Elite. Am nördlichen Fuß der Pyramide liegt der Coatepantli, auch Schlangenmauer genannt, der wohl einen geheimen Kultraum umschloss. Eine weitere rein toltekische Architekturform war der Tzompantli, eine niedrige Bühne nahe der Hauptpyramide, auf der die abgetrennten Köpfe geopferter Menschen zur Schau gestellt wurden. Nach ungesicherten Berichten späterer Zeit sollen die Tolteken um 1000 n. Chr. die Halbinsel Yucatán erobert und die Mayastadt Chichén Itzá zur Metropole ihres Kolonialreiches gemacht haben. Tatsächlich zeigen Architektur und ikonographische Aspekte des Zentrums eine Vermischung der späten Mayakultur mit toltekischen Elementen. Einige der in Tula vorgefundenen Architekturformen – etwa die Schlangensäulen, die auf die gefiederte Schlangengottheit Quetzalcoatl anspielen, und Chacmool, eine Figur, die Schalen mit Opfergaben hält – wurden in Chichén Itzá aufgegriffen. Fresken stellen die Eroberung dar. Die Qualität der Arbeiten von Chichén Itza allerdings reflektiert die handwerkliche Überlegenheit der Mayakünstler. Um 1250 gründeten die Maya mit Mayapán auf Yucatán eine neue Hauptstadt. Diese glich eher einer ummauerten Festung als den offenen Zentren der klassischen Mayazeit. Eine weitere Mayastadt der postklassischen Periode ist das ummauerte Tulum an der karibischen Küste, die erste mesoamerikanische Stadt, die durch die Spanier bezeugt ist.
Die westmexikanische Taraskenkultur existierte von der postklassischen Periode bis zur spanischen Eroberung. In ihrer Hauptstadt Tzintzuntzán am Pátzcuarosee waren Yacatas, runde Stufentempel, in einer Reihe angeordnet und durch eine einzige rechteckige Plattform miteinander verbunden. Vermutlich beherrschten die Tarasken als erste der mesoamerikanischen Hochkulturen die Metallbearbeitung, die sie möglicherweise im Zuge ihrer Handelsbeziehungen von den zentralamerikanischen oder Andenkulturen übernahmen. Neben ornamental verzierten Kupfergegenständen fertigten sie besonders Federschmuck und Textilien.
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