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Windows Live® Suchergebnisse ProtheseEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Prothese, mechanisches Hilfsmittel, das die Form und soweit möglich auch die Funktion eines fehlenden oder funktionsunfähigen Körperteiles nachahmt. Das Teilgebiet der Chirurgie, das sich mit Prothesen beschäftigt, nennt man Prothetik.
Künstliche Gliedmaßen in dieser oder jener Form gab es schon in der Antike. 1885 entdeckte man in einem Grab in der italienischen Stadt Capua neben anderen Überresten eine Prothese, die aus der Zeit um 300 v. Chr. stammte. Die berühmte Handprothese, die man 1509 für den deutschen Ritter Götz von Berlichingen konstruierte (den man auch Götz mit der eisernen Hand nannte), wog etwa 1,4 Kilogramm und hatte Fingergelenke, so dass sie ein Schwert oder eine Lanze greifen konnte. Die Hand befindet sich heute in Nürnberg im Museum und funktioniert immer noch. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde in Deutschland eine Hand gefertigt, deren Finger sich ohne Hilfe biegen und strecken ließen; sie konnte sich auch schließen und leichte Gegenstände wie einen Bleistift, ein Taschentuch oder einen Hut halten. 1851 wurde in Frankreich ein künstlicher Arm erfunden, der in einer hölzernen Hand endete und über eine Ledermanschette fest mit dem Armstumpf verbunden war. Die Finger waren halb geschlossen, und der Daumen, der sich um einen Zapfen drehte, konnte mit Hilfe eines verborgenen Gummibandes kräftig gegen die Fingerspitzen drücken. Zur Steuerung des Greifens mit dem Daumen diente ein Mechanismus, der an der anderen Schulter befestigt war. Derselbe Erfinder entwickelte auch ein Bein, das einen natürlichen Gang mit längeren Schritten ermöglichte.
Bis zum 1. Weltkrieg galt Holz allgemein als das beste Material für künstliche Gliedmaßen. Lederprothesen, die mit Metallbändern verstärkt waren, gingen meist schnell aus der Form und waren deshalb unbefriedigend. Schließlich konnte man mit einer Aluminiumlegierung namens Duraluminium und später mit Fiberwerkstoffen künstliche Gliedmaßen herstellen, die leicht und dennoch widerstandsfähig waren. Heute benutzt man zunehmend synthetische Polymere, um manche Prothesen mit einem hautähnlichen Überzug zu versehen. Zu einer Wissenschaft wurde die Herstellung von Prothesen erst in den letzten Jahren. Künstliche Beine mit Knie- und Fußgelenken ahmen einen natürlichen Gang nach. Der Arm bietet dem Prothesenhersteller wesentlich mehr Schwierigkeiten als das Bein, und für die raffinierten mechanischen Funktionen ist Metall als Material unverzichtbar. Künstliche Arme sind heute mit beweglichen Ellenbogen- und Handgelenken ausgestattet. Mit Federn, die durch Schulterbewegungen gesteuert werden, lässt sich die Hand so bewegen, dass ein kräftiger Griff erzeugt werden kann. US-amerikanische Forscher stellten 1998 eine neuartige Handprothese vor, die es dem Träger erlaubt, mindestens drei Finger mit Hilfe intakter Nerven oberhalb der Amputationsstelle zu dirigieren. In der Zeitschrift Nature wurde im selben Jahr über eine von Wiener und Grazer Ärzten entwickelte, sich selbst verlängernde Prothese berichtet, die Kindern nach einer Knochentumoroperation ins Bein implantiert werden kann. Hüftprothesen geben Menschen mit Schäden des Hüftgelenks praktisch die Beweglichkeit eines Gesunden. Eine aus Titan und Polyethylen bestehende neuartige Bandscheiben-Vollprothese wurde vom Sankt-Elisabeth-Klinikum in Straubing (Bayern) in Zusammenarbeit mit französischen Forschern aus Montpellier entwickelt und 2000 erstmals einem Straubinger Patienten implantiert. Im Gegensatz zu früheren Prothesen schränkt die neu entwickelte die Beweglichkeit des Patienten nicht ein.
Um einen möglichst großen Tragekomfort zu gewährleisten, passt man manche Prothesen heute schon unmittelbar nach der Amputation an. Man legt an der betreffenden Stelle einen kräftigen Verband an, der als Unterlage für eine erste, vorläufige Prothese dient. In jüngerer Zeit konnte man Schmerzen und Infektionsgefahr während der Anpassung der Prothese mit einem abnehmbaren Verband vermindern. In manchen schweren Fällen wird die Dauerprothese eines Armes mit kleinen batteriebetriebenen Motoren ausgerüstet, die eine leichtere Bewegung in den Gelenken möglich machen. An mehreren Universitäten wurden besondere Ausbildungsstätten für Prothetik eingerichtet, in denen sich Ärzte, Krankengymnasten und Rehabilitationshelfer hinsichtlich der neuesten Entwicklungen auf diesem Gebiet weiterbilden können.
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