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Italien

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Italien (Flagge und Hymne)Italien (Flagge und Hymne)
Artikelgliederung
7.4. 2

Die spanischen Bourbonen und die Habsburger

Nach dem Tod des letzten spanischen Habsburgers Karl II. 1700 und dem Spanischen Erbfolgekrieg erhielten die österreichischen Habsburger durch die Friedensschlüsse von Utrecht (1713) und Rastatt (1714) Neapel, Mailand, Mantua und Sardinien und damit den größten Teil des italienischen Erbes der spanischen Habsburger; das Haus Savoyen als der zweite große Gewinner der Friedensschlüsse bekam das Königreich Sizilien, das Viktor Amadeus I. 1720 unter Beibehaltung des Königstitels gegen das österreichische Sardinien tauschte.

Die folgenden Jahrzehnte waren geprägt von der Auseinandersetzung zwischen den spanischen Bourbonen und den Habsburgern um Italien. Treibende Kraft auf spanischer Seite war dabei Elisabeth Farnese, die Gemahlin Philipps V. von Spanien, die das Erbe der spanischen Habsburger für die spanische Krone zurückzugewinnen suchte. Nach dem Aussterben der Farnese 1731 kamen die Herzogtümer Parma und Piacenza an die spanischen Bourbonen; im Rahmen des Polnischen Erbfolgekrieges (1733-1735) besetzte Spanien die Königreiche Neapel und Sizilien, im Gegenzug erhielt Österreich Parma und Piazenca, und Herzog Franz Stephan, der spätere Kaiser Franz I., bekam nach dem Aussterben der Medici 1737 das Herzogtum Toskana, das durch seine Ehe mit Maria Theresia ebenfalls an die Habsburger fiel. Nach dem Österreichischen Erbfolgekrieg musste Österreich 1748 Parma und Piacenza wieder an die spanischen Bourbonen zurückgeben, wurde dafür im Besitz der Lombardei bestätigt. Neben den habsburgischen und den spanisch-bourbonischen Staaten sowie dem Königreich Sardinien bestanden auf der Apenninenhalbinsel nun noch der Kirchenstaat sowie die Republiken Venedig, Lucca und Genua. Letztere verkaufte 1768 die Insel Korsika an Frankreich.

7.5

Das napoleonische Zeitalter

Nach Abschluss der territorialen Neuordnung 1748 erlebte Italien eine vergleichsweise lange Friedensperiode; sie endete mit Ausbruch der Koalitionskriege gegen das revolutionäre Frankreich. Ende 1792 besetzte die Republik Frankreich Savoyen, 1796 besiegte Napoleon die Österreicher in Oberitalien und eroberte praktisch ganz Oberitalien, und 1797 gewann er die Romagna, Ferrara und Bologna vom Kirchenstaat. Im Frieden von Campo Formio 1797 überließ er das Gebiet der zusammengebrochenen Republik Venedig östlich der Etsch (Venetien) Österreich. Ebenfalls 1797 errichtete Napoleon die Zisalpinische Republik mit der Hauptstadt Mailand und die Ligurische Republik um Genua; 1798 errichtete er nach der Besetzung der Stadt Rom die Römische Republik, die allerdings ein Jahr später bereits wieder aufgelöst wurde, und 1801 schuf er das Königreich Etrurien. 1802 wandelte Napoleon die Zisalpinische Republik in die Italienische Republik um und 1805, um Venetien vergrößert, in das Königreich Italien, zu dessen König er sich selbst krönen ließ. Parma-Piacenza, Ligurien und der Kirchenstaat inklusive Rom wurden zwischen 1802 und 1809 als Departements in den französischen Staat eingegliedert. 1806 wurde das Königreich Neapel annektiert; hier setzte Napoleon zunächst seinen Bruder Joseph, 1808 seinen Schwager Joachim Murat als König ein. Ganz Italien stand nun unter französischer Herrschaft bzw. in französischer Abhängigkeit; nur auf den Inseln Sizilien und Sardinien konnten sich noch die Bourbonen bzw. das Haus Savoyen behaupten. 1814/15 brach wie überall in Europa auch in Italien die napoleonische Herrschaft zusammen.

Der Wiener Kongress 1814/15 stellte die vornapoleonische, monarchische Ordnung in Italien sowie den Kirchenstaat wieder her. 1815 nahm der Bourbone Ferdinand I. Neapel wieder in Besitz und vereinte es mit seinem Königreich Sizilien zum „Königreich beider Sizilien”; das Königreich Sardinien wurde restauriert und um die ehemalige Republik Venedig erweitert; die Lombardei und Venetien kamen als „Lombardo-Venezianisches Königreich” an Österreich; Parma-Piacenza, Modena und Lucca kamen an Napoleons Gemahlin Marie Louise und nach deren Tod an eine bourbonische Linie.

7.6

Risorgimento und Einigung Italiens

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts hatten die spanischen Bourbonen und die Habsburger in ihren italienischen Ländern zahlreiche Reformen im Sinne des aufgeklärten Absolutismus durchgeführt; während der französischen Herrschaft über Italien wurden der Code Napoléon eingeführt und umfassende Reformen in Staat und Gesellschaft nach französischem Vorbild eingeleitet. Die Restauration machte zahlreiche der damit verbundenen Errungenschaften wieder zunichte. In weiten Kreisen der Bevölkerung, vor allem beim Bürgertum, machte sich Unzufriedenheit mit der Rückkehr zum alten monarchischen System breit, zudem wuchs der Widerstand gegen die andauernde Fremdherrschaft und gegen die österreichische Hegemonie. Es entstanden verschiedene Geheimgesellschaften, wie z. B. die Carboneria, die Aufstände in Neapel (1820), Piemont (1821) und in der Romagna und in Parma (1831) initiierten; die Aufstände wurden alle niedergeschlagen. 1831 gründete Giuseppe Mazzini die Giovine Italia als Nachfolgeorganisation der Carboneria; sein Ziel war die Errichtung einer geeinten, unabhängigen Republik Italien. Die Aufstände der Giovine Italia (1833 im Piemont, 1843 in Bologna, 1844 in Kalabrien und 1845 in Rimini) wurden ebenfalls niedergeschlagen, weckten aber in der Öffentlichkeit das Bewusstsein für das italienische Problem und leiteten das Risorgimento ein.

Im Kirchenstaat führte der (zunächst) liberale Papst Pius IX. nach seinem Amtsantritt 1846 eine Reihe von Reformen durch. Auf Druck liberaler Kräfte bzw. im Königreich beider Sizilien eines Aufstandes im Januar 1848 (der im Übrigen die Revolutionen von 1848/49 einläutete) sahen sich auch die anderen italienischen Staaten zu liberalen Reformen gezwungen: 1848 erhielt das Königreich beider Sizilien eine konstitutionelle Verfassung (1849 wieder aufgehoben), desgleichen das Herzogtum Toskana (1852 aufgehoben) und das Königreich Sardinien (bis 1946 im Königreich Italien in Kraft). Das Königreich Sardinien unter Karl Albert übernahm nun die Führung im Kampf um die Einigung Italiens und gegen die österreichische Fremdherrschaft; ein erster Krieg gegen Österreich 1848/49 scheiterte jedoch.

Ende 1848 wurde Papst Pius IX., der inzwischen auf einen antiliberalen Kurs eingeschwenkt war, aus Rom vertrieben, und im Februar 1849 errichtete Mazzini die Römische Republik, die Giuseppe Garibaldi immerhin bis Juli 1849 gegen französische Truppen verteidigen konnte. Nach 1848/49 zog überall in Italien wieder die Reaktion ein; nur im Königreich Sardinien blieb die Repräsentativverfassung bestehen, das Land wurde tatsächlich auch parlamentarisch regiert, ab 1852 von Ministerpräsident Camillo Benso di Cavour.

Dank seiner liberalen Reformpolitik fand Cavour mit seiner Idee einer Einigung Italiens in Form einer konstitutionellen Monarchie unter der Führung des Königreiches Sardinien starken Rückhalt auch bei den republikanischen Kräften (mit Ausnahme der radikaleren um Mazzini). Die italienische Einigung hielt Cavour allerdings nur im europäischen Rahmen und gegen Österreich für erreichbar. Daher beteiligte er 1855 sein Land an der Seite Frankreichs und Großbritanniens am Krimkrieg und sicherte sich dadurch die Unterstützung Kaiser Napoleons III. gegen Österreich, die 1858 durch ein Bündnis abgesichert wurde.

1859 provozierte Österreich durch ein Ultimatum den Italienischen Krieg gegen Sardinien und dessen Verbündeten Frankreich, der nach dem sardisch-französischen Sieg bei Solferino (24. Juni 1859) mit dem Vorfrieden von Villafranca vom 11. Juli 1859 endete. Begleitet wurde der Krieg von prosardischen Aufständen in der Toskana und der Emilia-Romagna. Sardinien erhielt durch den Vorfrieden von Villafranca bzw. den nachfolgenden Frieden von Zürich die Lombardei (über Frankreich); Venetien verblieb vorerst noch bei Österreich. 1860 schlossen sich nach Volksabstimmungen die Toskana, Parma-Piacenza, Modena und die Emilia-Romagna an das Königreich Sardinien an; für seine Zustimmung zu dieser Angliederung erhielt Frankreich Nizza und Savoyen von Sardinien. Im Mai 1860 landete Garibaldi mit Cavours Einverständnis auf Sizilien, eroberte die Insel und anschließend den festländischen Teil des Königreiches beider Sizilien. Im September 1860 stimmten das Königreich beider Sizilien sowie die Marken und Umbrien, bislang Bestandteile des Kirchenstaates, für ihre Angliederung an das Königreich Sardinien.

Bis auf den Restkirchenstaat, d. h. Latium, und Venetien hatte sich nun ganz Italien dem Königreich Sardinien angeschlossen. Im Januar 1861 fanden die ersten gesamtitalienischen Parlamentswahlen statt, und am 17. März 1861 wurde das Königreich Italien mit Viktor Emanuel II. als einem ersten König proklamiert. Verfassung und Verwaltungsstrukturen Sardiniens wurden nun auf das gesamte Königreich Italien übertragen, d. h. Italien bekam ein parlamentarisches System, die Regierung war dem Parlament verpflichtet, der König hatte nur begrenzte Rechte. Die politische Mitwirkung war allerdings auf einen kleinen Kreis beschränkt: Aufgrund des hohen Zensuswahlrechts waren nur etwa 2 Prozent der Bevölkerung wahlberechtigt. Eine neue Verfassung – wie von republikanischen und linken Kräften erhofft – erhielt das neue Staatswesen nicht. Hauptstadt des Königreiches war zunächst Turin, ab 1865 das zentraler gelegene Florenz.

Bis 1870 konnten auch die zwei noch verbliebenen territorialen Probleme – Venetien und Kirchenstaat – gelöst werden: 1866 erhielt Italien durch seine Teilnahme am Deutschen Krieg auf preußischer Seite Venetien von Österreich, obwohl die Österreicher die Italiener bei Custoza (24. Juni 1866) und Lissa (20. Juli 1866) geschlagen hatten. Die Eingliederung des Restkirchenstaates in das Königreich Italien gestaltete sich dagegen deutlich schwieriger. Zweimal, 1862 und 1866, versuchte Garibaldi, mit seinem Freikorps Rom einzunehmen, scheiterte aber beide Male an italienischen Regierungstruppen bzw. den französischen Truppen, die seit 1849 in Rom stationiert waren. Erst nach dem Abzug der französischen Truppen aus Rom nach Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges 1870 konnten italienische Truppen am 20. September 1870 die Stadt gefahrlos besetzen. Nach einem Volksentscheid im Oktober 1870 wurde nun also auch der Restkirchenstaat in das Königreich eingegliedert und Rom 1871 zur Hauptstadt Italiens proklamiert. Papst Pius IX. allerdings weigerte sich, Rom als weltliche Hauptstadt Italiens anzuerkennen, und betrachtete sich als „Gefangener im Vatikan”.

7.7

Die Konsolidierung des Königreiches Italien

Äußerlich war Italien nun zwar geeinigt, im Inneren war das Land aber zutiefst gespalten: Zum einen standen weite Kreise der Katholiken dem neuen Staatswesen äußerst distanziert gegenüber, nachdem Papst Pius IX. nach der Annexion des Kirchenstaates den Katholiken u. a. die Teilnahme an Wahlen verboten hatte. Zum anderen bestand seit der Gründung des Königreiches eine tiefe Kluft zwischen dem agrarisch-feudalistisch geprägten Süden und dem bürgerlich-industriellen Norden. Die Übertragung der sardischen Verfassung und Verwaltung auf den Süden konnte diese Kluft nicht überbrücken – sie vertiefte sie im Gegenteil noch, da sie den wirtschaftlichen und sozialen Gegebenheiten im Süden nicht gerecht wurde.

Bis 1876 wurde Italien von der „Rechten” regiert, gemäßigten Rechten, die in der Nachfolge Cavours standen; dann übernahm die „Linke”, gemäßigt liberale Antiklerikale unter der Führung von Agostino Depretis (Ministerpräsident 1876-1879 und 1881-1887) die Regierung. Unter Depretis wurden einige Sozialreformen durchgeführt, wie z. B. die Einführung der kostenlosen Schulpflicht; außerdem wurde das Wahlrecht reformiert, so dass nun etwa 7 Prozent der Bevölkerung wahlberechtigt waren.

1882 trat Italien dem gegen Frankreich gerichteten Dreibund mit dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn bei; Grund war die 1881 erfolgte Besetzung von Tunis durch Frankreich. Von Österreich-Ungarn erhielt Italien die vage Zusage, dass ihm Trient und Triest, auf die Italien Anspruch erhob, übertragen würden, sofern Österreich-Ungarn Territorialgewinne auf dem Balkan zu verzeichnen hätte. Die Irredenta, die sich die Eingliederung von Trient und Triest zum Ziel gesetzt hatte, wurde daraufhin zeitweise verboten.

Ab 1885 engagierte sich Italien in der Kolonialpolitik, die besonders von Depretis’ Nachfolger Francesco Crispi (Ministerpräsident 1887-1891 und 1893-1896) vorangetrieben wurde: Eritrea (1890 italienische Kolonie) und Italienisch-Somaliland (1889) wurden besetzt; der Versuch, das Kolonialgebiet durch den Erwerb von Abessinien (Äthiopien) zu arrondieren, scheiterte jedoch 1896 mit der katastrophalen Niederlage der Italiener bei Adua gegen die Äthiopier unter Menelik II.

Die Innenpolitik der Regierung Crispi war geprägt von strikter Unterdrückung der sozialen Unruhen (von denen im Übrigen die Kolonialpolitik ablenken sollte) und der sich formierenden katholischen und sozialistischen Arbeiterbewegungen – 1892 hatte sich die erste sozialistische Partei Italiens, der Partito Socialista Italiano (PSI) konstituiert. Dieser autoritäre Kurs, der sich u. a. in massiven Einschränkungen der Presse- und der Versammlungsfreiheit manifestierte, stieß jedoch auf zunehmenden Widerstand, der sich in Generalstreiks 1898 in Mailand und 1900 in Genua entlud; 1900 wurde König Umberto I. (1878-1900), der diesen Kurs mitgetragen hatte, von einem Anarchisten ermordet.

Unter Umbertos Nachfolger Victor Emanuel III. (1900-1946) leitete der Linksliberale Giovanni Giolitti (Innenminister 1901-1903, Ministerpräsident 1903-1905, 1906-1909 und 1911-1914) umfassende Reformen ein: Er baute die Arbeits- und Sozialgesetzgebung aus, führte z. B. das Streikrecht sowie Sozialversicherungen ein und reformierte das Wahlrecht, so dass nun etwa 23 Prozent der Bevölkerung wahlberechtigt waren, d. h. fast die gesamte erwachsene männliche Bevölkerung. Durch seine konsequente Reformpolitik gelang es Giolitti, den reformistischen Flügel der Arbeiterbewegung in das Staatswesen einzubinden; zugleich suchte er durch einen weniger antiklerikalen Kurs den politischen Katholizismus für den Staat zu gewinnen. Die Wirtschaft erlebte seit den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts einen ungeheueren Aufschwung, die Industrialisierung im Norden machte rapide Fortschritte, so dass nun auch – trotz sinkender Steuern und steigender Sozialausgaben – der Staatshaushalt konsolidiert werden konnte.

Trotz seiner Zugehörigkeit zum Dreibund schloss Italien Abkommen mit Frankreich (1902) und Russland (1909), d. h. mit zwei Mitgliedern der 1907 gegen den Dreibund errichteten Tripelentente, was zu Spannungen im Verhältnis zwischen Italien und seinen Bündnispartnern Österreich-Ungarn und Deutsches Reich führte. 1911 besetzte Italien Tripolis und löste damit den Italienisch-Türkischen Krieg gegen das Osmanische Reich aus, in dem es Tripolis, die Cyrenaika und den Dodekanes gewann. Eine der innenpolitischen Folgen des Italienisch-Türkischen Krieges war das Erstarken der politischen Gruppen am äußersten rechten und linken Rand, so z. B. der nationalistischen Rechten.

7.8

Der 1. Weltkrieg und die Folgen

Nach Giolittis Rücktritt im März 1914 – er hatte die Mehrheit im Parlament verloren – übernahm der Rechtsliberale Antonio Salandra die Regierung (1914-1916). Er setzte die Reformpolitik seines Vorgängers nicht fort, leitete vielmehr erneut einen restriktiven Kurs ein, vor allem gegenüber der Arbeiterbewegung.

Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges blieb Italien trotz seiner Bündnisverpflichtungen aus dem Dreibund zunächst neutral. Auf Druck linker wie nationalistischer rechter Kräfte und auf Druck der Entente kündigte Italien schließlich den Dreibund und erklärte am 23. Mai 1915 Österreich-Ungarn und am 28. August 1916 dem Deutschen Reich den Krieg – gegen den Einspruch der neutralistischen Parlamentsmehrheit. Den Kriegserklärungen vorausgegangen waren außerdem Verhandlungen mit den Entente-Mächten, die Italien für den Fall eines italienischen Kriegseintritts und eines Sieges der Entente im Londoner Geheimvertrag vom 26. April 1915 den Gewinn von Südtirol, Trient, Triest und Dalmatien in Aussicht stellte.

Der Krieg konnte nicht, wie von Salandra erhofft, rasch und siegreich beendet werden. In den insgesamt zwölf Isonzoschlachten (Juni 1915 bis November 1917) versuchten die italienischen Truppen vergeblich, die österreichisch-ungarische Alpenfront zu überwinden; der Durchbruch der Mittelmächte bei Caporetto im Oktober 1917 und ihr Vorstoß bis zur Piave im Juni 1918 bedeuteten beinahe die Niederlage für Italien. Erst die italienische Offensive im Oktober 1918 gegen das praktisch zusammengebrochene Österreich-Ungarn brachte den Erfolg.

Auf den Pariser Friedensverhandlungen 1919/20 konnte Italien einen Großteil seiner Forderungen durchsetzen: Im Friedensvertrag von Saint-Germain mit Österreich erhielt Italien Trient, Südtirol bis zum Brenner, Görz, Triest und Istrien, nicht jedoch Dalmatien und Fiume (siehe Rijeka), die beide dem neu errichteten Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (später Königreich Jugoslawien) zugesprochen wurden. Der Friedensvertrag von Sèvres mit dem Osmanischen Reich bestätigte Italien den Besitz der Insel Rhodos und des Dodekanes. Aus Protest gegen den Verlust Fiumes besetzte Gabriele d’Annunzio mit einer Freischar 1919/20 die Stadt.

Die Nachkriegsjahre waren nicht nur von einer schweren Wirtschaftskrise geprägt, sondern vor allem auch von einer tiefen Krise des politischen Systems, die das Land beinahe in einen Bürgerkrieg stürzte. Die weit verbreitete Meinung, Italien habe zwar den Krieg gewonnen, aber den Sieg verloren, führte zu einer tiefen Vertrauenskrise gegenüber der Staatsmacht. Sowohl die Sozialisten (PSI) wie auch die 1919 gegründete katholische Volkspartei Partito Popolare Italiano (PPI) lehnten jede Zusammenarbeit untereinander sowie mit der dritten starken Kraft, den Liberalen, ab und machten damit eine konstruktive Parlaments- und Regierungsarbeit unmöglich. Begleitet wurde diese Pattsituation von zahlreichen Streiks der Land- und Fabrikarbeiter, von Fabrikbesetzungen und anderen sozialen Unruhen. Die 1919 von Benito Mussolini gegründeten, zunächst noch sozialrevolutionären Fasci di Combattimento erhielten großen Zulauf, vor allem nachdem sie sich 1920 durch ihre radikale Wende nach rechts, zum Antisozialismus, Antiliberalismus und Antiparlamentarismus, als neue Ordnungskraft empfahlen und nun auch breite Unterstützung beim Bürgertum, bei Unternehmern, Großgrundbesitzern und in der Bürokratie fanden. Ministerpräsident Giolitti (1920/21) suchte in Fortsetzung seines alten Integrationskurses, Mussolini und seine Faschisten, seit 1921 im Partito Nazionale Fascista (PNF) organisiert, an den Staat zu binden und stützte seine liberale Regierung sogar auf die seit 1921 im Parlament vertretenen Faschisten, was deren Prestige enorm erhöhte. Giolitti trat 1921 zurück, weil PSI und PPI ihm die parlamentarische Unterstützung entzogen. Giolittis liberaler Nachfolger Luigi Facta (1922) fand ebenfalls keine stabile Mehrheit.

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