Windows Live® Suchergebnisse
Windows Live® Suchergebnisse Seite 11 von 15
ItalienEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
In dieser Krisensituation erzwang Mussolini mit seinem Marsch auf Rom am 27./28. Oktober 1922 von König Viktor Emanuel III. seine Ernennung zum Ministerpräsidenten. Er bildete eine Koalitionsregierung mit den bürgerlich-konservativen Parteien einschließlich des PPI, die sich von den Faschisten eine Beruhigung der politischen und sozialen Lage im Lande versprachen. Obwohl noch in der Minderheit, besetzten die Faschisten alle Schlüsselpositionen in der Regierung.
Unterstützt, zumindest gebilligt von den alten Eliten aus Kirche, Armee, Justiz und Verwaltung baute Mussolini seine Machtstellung in Partei und Regierung sukzessive aus und errichtete schließlich eine totalitäre Einparteien- bzw. Einmann-Diktatur (siehe Faschismus). Während zunächst lediglich Sozialisten und Kommunisten dezidiert in Opposition zu Mussolini standen, formierte sich nach dem Auszug der Sozialisten, der PPI und einiger Liberaler aus dem Parlament im Juni 1924 infolge der Ermordung des sozialistischen Abgeordneten Giacomo Matteotti eine breite antifaschistische Opposition, in der sich nun alle nicht faschistischen Kräfte zusammenfanden. Die Opposition im Parlament war durch die Matteotti-Krise auf ein Minimum zusammengeschrumpft; durch das Verbot aller Parteien (mit Ausnahme des PNF) 1926 wurde sie vollkommen von der parlamentarischen Arbeit ausgeschlossen. Die Aufhebung der Pressefreiheit und des Versammlungsrechts, die Gründung der Geheimpolizei OVRA und eines Sondergerichtshofes für so genannte politische Verbrechen beraubten die Opposition aller legaler Wirkungsmöglichkeiten, verbannte sie in den Untergrund und festigten Mussolinis diktatorische Herrschaft. Per Gesetz hob Mussolini 1925/26 seine Verantwortlichkeit als Regierungschef gegenüber dem Parlament auf und ließ sich auch die legislative Gewalt übertragen, und mit der Umwandlung des Gran consiglio del fascismo (Großrat des Faschismus), 1922 als Führungsspitze des PNF gegründet, in ein Staatsorgan 1928 war der Aufbau der Diktatur und die Gleichsetzung von Partei und Staat vollendet. Seine Machtstellung manifestierte Mussolini mit den Titeln Capo del Gobierno (Haupt der Regierung) und Duce del Fascismo (Führer des Faschismus). In bewusster Annäherung an die katholische Kirche als einer der wesentlichen Stützen seiner Diktatur war Mussolini bestrebt, einen Ausgleich mit dem Papsttum hinsichtlich der Römischen Frage zu finden. Nach langen Verhandlungen schlossen die italienische Regierung und der Heilige Stuhl im Februar 1929 die Lateranverträge, in denen der italienische Staat die Souveränität des Heiligen Stuhles über die Vatikanstadt als neutralen Staat und das Papsttum Rom als Hauptstadt Italiens anerkannte. Ein Konkordat regelte daneben die Beziehungen zwischen Kirche und Staat.
In der Außenpolitik war Mussolini zunächst, während der Aufbauphase des faschistischen Staates, um Ausgleich und Kooperation innerhalb der Nachkriegsordnung bemüht; so band er z. B. Italien als Garantiemacht in den Locarnopakt ein. Zugleich betrieb er im östlichen Mittelmeerraum eine zunächst noch sehr vorsichtige Expansionspolitik: 1923 besetzte er Korfu, und 1924 brachte er durch einen Vertrag mit Jugoslawien Fiume an Italien. Nach der Machtergreifung Adolf Hitlers 1933, dem Ende der deutsch-französischen Ausgleichspolitik und dem Beginn der aggressiven deutschen Außenpolitik schloss sich Italien eng an Österreich und an Frankreich an, zu dem die Beziehungen bislang wegen ungelöster Kolonialfragen und Rivalitäten im Mittelmeerraum sehr gespannt gewesen waren. Im März 1934 unterzeichnete Italien mit Österreich und Ungarn die Römischen Protokolle, die im Grunde gegen das Deutsche Reich gerichtet waren; im Januar 1935 wurde das so genannte Mussolini-Laval-Abkommen mit Frankreich geschlossen; und im April 1935 fanden sich Italien, Frankreich und Großbritannien in der Stresafront gegen die revisionistische Außenpolitik des Deutschen Reiches zusammen. Dadurch außenpolitisch abgesichert, ging Mussolini nun zu einem offen expansionistischen Kurs über: Im Italienisch-Äthiopischen Krieg (1935/36) eroberte er Äthiopien und vereinigte es mit Eritrea und Italienisch-Somaliland zur Kolonie Italienisch-Ostafrika; König Viktor Emanuel III. nahm den Titel „Kaiser von Äthiopien” an. Durch die Annexion Äthiopiens geriet Italien allerdings wieder in Konflikt mit den Westmächten Frankreich und Großbritannien; dies sowie die Intervention Deutschlands und Italiens im Spanischen Bürgerkrieg zugunsten Francisco Francos und der Aufständischen führten trotz aller machtpolitischer Gegensätze zu einer Annäherung des faschistischen Italien an das nationalsozialistische Deutsche Reich. Im Oktober 1936 wurde die Achse Berlin–Rom errichtet, 1937 trat Italien dem deutsch-japanischen Antikominternpakt bei und aus dem Völkerbund aus. Den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich, den Mussolini durch die Römischen Protokolle noch zu verhindern gesucht hatte, akzeptierte er im März 1938 widerspruchslos, und im September 1938 vermittelte er das Münchner Abkommen zwischen dem Deutschen Reich einerseits, Frankreich und Großbritannien andererseits. Im April 1939 besetzten italienische Truppen Albanien, das sich in den zwanziger Jahren eng an Italien angeschlossen hatte, nun aber versuchte, dieses Abhängigkeitsverhältnis zu lösen. Albanien wurde mit Italien vereinigt, Viktor Emanuel in Personalunion auch albanischer König. Im Mai 1939 schlossen Mussolini und Hitler den Stahlpakt, ein Militärbündnis, in dem sie u. a. auch die deutsch-italienische Grenze festlegten: Südtirol sollte bei Italien verbleiben, der Brenner sollte weiterhin die Grenze bilden. Im Oktober 1939 handelten Mussolini und Hitler zusätzlich ein Umsiedlungsabkommen für die deutschsprachige Bevölkerung in Südtirol aus.
Bei Ausbruch des 2. Weltkrieges am 1. September 1939 hielt sich Italien zunächst als „nicht Krieg führende” Macht aus dem Kriegsgeschehen heraus – vor allem weil es noch nicht ausreichend gerüstet war. Erst vor dem Hintergrund der deutschen Siege trat Italien am 10. Juni 1940 mit Kriegserklärungen an Frankreich und Großbritannien auf der Seite Deutschlands in den Krieg ein; Ziel waren dabei in erster Linie Territorialgewinne auf Kosten Frankreichs wie z. B. Tunesien und Französisch-Somaliland (siehe Dschibuti). Die italienischen Offensiven in Griechenland (von Albanien aus) und gegen die Briten in Nordafrika (von Italienisch-Ostafrika und Libyen aus) scheiterten jedoch und offenbarten die militärische Unzulänglichkeit Italiens. Im weiteren Verlauf des Krieges, in dem Italien politisch und militärisch zunehmend in deutsche Abhängigkeit geriet und sich an der deutschen Besetzung Griechenlands und Albaniens beteiligte, machten sich zudem die Schwächen der in weiten Teilen vom Import abhängigen italienischen Wirtschaft drückend bemerkbar.
Die militärischen Misserfolge, die wirtschaftlichen Probleme und die zunehmenden inneren Krisen stärkten die antifaschistische Opposition in Italien und führten im März 1943 zu Massenstreiks. Nach der Landung der Alliierten auf Sizilien am 9./10. Juli 1943 wandte sich schließlich auch der Großrat des Faschismus von Mussolini ab und forderte ihn auf, den militärischen Oberbefehl an den König abzugeben; am 25. Juli ließ Viktor Emanuel III. Mussolini verhaften und betraute Marschall Pietro Badoglio mit den Regierungsgeschäften. Der löste den PNF auf, schloss am 3. September 1943 einen Waffenstillstand mit den Alliierten und trat am 13. Oktober 1943 auf deren Seite in den Krieg gegen Deutschland ein. Nach Bekanntgabe des Waffenstillstandes am 8. September wurden die italienischen Truppen im Zugriffsbereich der deutschen Wehrmacht von den Deutschen entwaffnet und gefangen genommen, Italien wurde bis zu einer Linie etwa 100 Kilometer südlich von Rom von deutschen Truppen besetzt. König und Regierung mussten aus Rom nach Bari, in das unbesetzte Regno del Sud, fliehen. Am 12. September 1943 befreiten deutsche Fallschirmtruppen Mussolini aus der Haft; wenig später gründete Mussolini in Norditalien unter deutschem Schutz die vollkommen von Deutschland abhängige Repubblica Sociale Italiana, die Republik von Salò.
© 1993-2008 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. |
© 2008 Microsoft
![]() ![]() |