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Flandern

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Flandern (französisch Flandre; niederländisch Vlaanderen), Bezeichnung sowohl für eine Landschaft an der Nordseeküste, die im Wesentlichen von flämisch sprechender Bevölkerung bewohnt wird, als auch für eine historische Grafschaft (9. bis 14. Jahrhundert). Die Landschaft Flandern reicht vom Süden der Provinz Seeland in den Niederlanden, über die Provinzen Ostflandern und Westflandern in Belgien bis in den Norden der Provinz Nord-Pas-de-Calais in Frankreich. Als Bezeichnung für den gesamten Norden Belgiens hat sich der Name Flandern im 19. Jahrhundert eingebürgert. 1980 wurde, nach dem belgischen Föderalisationsgesetz, die Region Flandern mit den Provinzen Antwerpen, Limburg, Ostflandern, Westflandern und Teilen der Provinz Brabant gegründet.

Flandern lässt sich in zwei Landschaftseinheiten untergliedern. Das Tiefland an der Küste reicht 20 bis 40 Kilometer ins Landesinnere. Es wird von zahlreichen Kanälen durchzogen, ist sehr fruchtbar und eben. Dieses Gelände wurde im Mittelalter (13. bis 15. Jahrhundert) größtenteils dem Meer abgerungen und trockengelegt (Polder). Teilweise reichen diese Flächen unter das Flutniveau. An der Nordseeküste liegen etliche Ferienorte mit breiten Sandstränden und Dünen. Das Hügelland im Südwesten Flanderns ist flachwellig und wird von der Schelde und ihren Nebenflüssen in breiten Tälern durchzogen. Dichte Besiedelung (bis zu 400 Einwohner je Quadratkilometer) und spezialisierte landwirtschaftliche Betriebe prägen hier das Landschaftsbild. Angebaut werden vor allem Blumen, Gemüse, Hopfen und Flachs. Die wichtigsten Städte Flanderns sind Brügge, Gent und Ostende in Belgien sowie Lille und Calais in Frankreich. Seit dem 13. Jahrhundert ist Flandern ein Zentrum der Tuchherstellung. Neben der Textilindustrie sind heute auch Metall-, Nahrungsmittel-, chemische und optische Industrie von Bedeutung.

Im 1. Jahrhundert v. Chr. wurde Flandern von Kelten besiedelt. Wiederholt wurde die Region bis zum 9. Jahrhundert n. Chr. von Germanenstämmen erobert. Erstmals urkundlich erwähnt wird Flandern Anfang des 8. Jahrhunderts als pagus Flandrensis (flandrischer Gau). Im 9. Jahrhundert n. Chr. wurde es Teil des von Karl dem Großen gebildeten Frankenreiches. Etwa um das Jahr 862 wurde Balduin I., Schwiegersohn des karolingischen Kaisers Karl II., der Kahle, zum 1. Graf von Flandern ernannt. Balduin I. und Balduin II. schützten Flandern gegen das Eindringen der Wikinger. Zu Beginn des 10. Jahrhunderts legte Balduin III. mit dem Aufbau einer Woll- und Seidenindustrie in Gent den Grundstein für die wirtschaftliche Entwicklung der Region. In Brügge, Ypern und anderen Städten veranstaltete er jährlich Märkte.

Im 11. Jahrhundert wurde Flandern Lehen des Heiligen Römischen Reiches. Während der Herrschaft des Grafen Balduin V. kam das Gebiet zwischen der Schelde und der Dender sowie die Markgrafschaft Antwerpen zu Flandern. Bis zur Mitte des 11. Jahrhunderts war Flanderns Macht mit der eines Königreiches vergleichbar, seine Herrscher übten beträchtlichen Einfluss auf die Politik aus. Als im 13. Jahrhundert die Tuchherstellung zu blühen begann, stiegen die politische Macht und der wirtschaftliche Einfluss der flandrischen Städte weiter. Städte wie Brügge entwickelten sich zu führenden Zentren europäischer Malerei, Literatur und Architektur. Allerdings führte die Lage und die geringe Größe von Flandern dazu, dass die Herrschaftsverhältnisse in dieser Region oft wechselten.

Zwischen 1191 und 1280 wurden Flandern und die benachbarte Region Hennegau als eine Provinz regiert. Im Jahr 1280, nach dem Tod Margarete von Flanderns, wurde diese Union aufgelöst: Margaretes Sohn Guy de Dampierre übernahm die Herrschaft über die Grafschaft Flandern, ihr Enkel Johann II. von Avesnes wurde Graf von Hennegau. Im frühen 14. Jahrhundert drang König Philipp IV. von Frankreich in Flandern ein und unterwarf das Land. 1369 fiel Flandern an Burgund, da Philipp II., der Kühne, Herzog von Burgund, Margarete von Flandern, Tochter Ludwigs II., des Grafen von Flandern, heiratete. Damit war Flandern nicht mehr unabhängig. Seit 1477 gehört Flandern zum Haus Habsburg.

Als sich Flandern gegen Ende des 16. Jahrhunderts gegen die Herrschaft der spanischen Linie der Habsburger auflehnte, wurde das Land verwüstet. Der nördliche Teil Flanderns wurde in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts von Spanien an die Generalstaaten, die Vorläufer der Niederlande, abgetreten. Frankreich kam durch eine Reihe von Verträgen im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert in den Besitz des als französisches Flandern bekannten südlichen Teiles des Landes. Durch den Frieden von Rastatt und Baden im Jahr 1714, der den Frieden von Utrecht ergänzte, ging der noch verbliebene Teil der Spanischen Niederlande an die österreichische Linie der Habsburger. Während der Herrschaft Napoleons (1795-1814) stand Flandern unter französischer Herrschaft. Im Jahr 1815 vereinte der Wiener Kongress Flandern mit Belgien und Holland zum Königreich der Vereinigten Niederlande. Zwischen 1830 und 1832 erlangte Belgien wieder seine Unabhängigkeit und behielt die heutigen Gebiete Ost- und Westflandern.

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