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Papua-NeuguineaEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Zur Geschichte des heutigen Papua-Neuguinea bis zum 19. Jahrhundert siehe Neuguinea. 1828 nahmen die Holländer den Westen der Insel in Besitz, der Osten wurde vorerst noch von keiner Kolonialmacht beansprucht. In den frühen achtziger Jahren rivalisierten das Deutsche Reich und Großbritannien um die Osthälfte der Insel, bis sich die beiden Staaten 1884 auf eine Aufteilung der Inselhälfte einigten: Den Süden übernahm Großbritannien als Protektorat Britisch-Neuguinea; 1902 wurde das Protektorat an Australien übertragen (nach dessen Unabhängigkeit), das es ab 1906 unter dem Namen Territorium Papua in seine Verwaltung eingliederte. Der Norden der Osthälfte kam 1884 als Schutzgebiet Deutsch-Neuguinea (auch Kaiser-Wilhelms-Land) an das Deutsche Reich und wurde 1889 zusammen mit einigen weiteren Inseln (u. a. Bismarck-Archipel) zur Kolonie. Zu Beginn des 1. Weltkrieges 1914 besetzte Australien die deutsche Kolonie, und nach dem Krieg erhielt Australien das ehemalige Deutsch-Neuguina vom Völkerbund als C-Mandat. Während des 2. Weltkrieges waren weite Teile von Papua-Neuguinea von japanischen Truppen besetzt. Nach dem Krieg blieb die frühere deutsche Kolonie unter australischer Verwaltung, nun als Treuhandgebiet der Vereinten Nationen. 1949 vereinte Australien den eigenen Inselteil mit dem Treuhandgebiet zum Territorium Papua und Neuguinea. In Reaktion auf die zunehmenden Autonomieforderungen schuf Australien – begrenzte – demokratische Strukturen, u. a. 1964 eine parlamentarische Versammlung.
1972 fanden erste Parlamentswahlen statt, zudem stimmte die Bevölkerung für die Unabhängigkeit. Am 1. Dezember 1973 erhielt das Territorium Papua und Neuguinea unter dem Namen Papua-Neuguinea innere Selbstverwaltung, und am 6. September 1975 wurde das Land in die Unabhängigkeit entlassen. Erster Premierminister wurde Michael Thomas Somare von der PANGU (Papua and New Guinea Union Party). 1980 wurde er durch ein Misstrauensvotum gestürzt und von Julius Chan von der People’s Progress Party (PPP) abgelöst. Nach den Wahlen von 1982 kam erneut Somare an die Macht, aber schon 1985 wurde seine Regierung ein zweites Mal gestürzt und durch eine Koalitionsregierung unter Paias Wingti vom People’s Democratic Movement (PDM) ersetzt. Ab 1988 war Rabbie Namaliu, ein Parteigänger Somares, Premierminister, bis 1992 Wingti wieder an die Macht kam. Aber schon 1994 übernahm wieder Chan die Regierung. Seit der Unabhängigkeit stellen Sezessionsbestrebungen in einigen Landesteilen den Gesamtstaat Papua-Neuguinea immer wieder vor große Herausforderungen. Eine gewisse Dezentralisierung durch die Einführung von Provinzregierungen 1976 konnte die Lage eine Zeit lang weitgehend beruhigen. 1988 brach jedoch auf Bougainville ein langwieriger, blutiger Bürgerkrieg aus, der sich an den reichen Kupferminen auf der Insel und deren Ausbeutung entzündet hatte: Die einheimische Bevölkerung der Minen hatte so gut wie keinen Anteil an den Gewinnen aus dem Kupferabbau, hatte zudem ihr Land verloren, sah sich gewaltigen, aus dem Kupferabbau resultierenden ökologischen Schäden konfrontiert und musste eine zunehmende Arbeitslosigkeit hinnehmen. Als Widerstandorganisation formierte sich die Bougainville Revolutionary Army (BRA), die sich überraschenderweise gegen die sogleich gegen die Aufständischen eingesetzte Regierungsarmee behaupten konnte. 1990 zog sich die Armee, nachdem sie sich nicht gegen die BRA hatte durchsetzen können, von der Insel zurück; stattdessen verhängte die Regierung eine weitreichende Blockade über die Insel, die die Bevölkerung stark in Mitleidenschaft zog. Zwei Jahre später kehrte die Regierungsarmee nach Bougainville zurück und brachte einige Teile der Insel unter ihre Kontrolle, nicht aber die Bergregion einschließlich der unterdessen geschlossenen Kupferminen. 1997 holte Premierminister Chan für den Kampf gegen die Aufständischen eine ausländische Söldnertruppe ins Land, löste damit aber einen landesweiten Sturm des Protests aus, der ihn schließlich zum Rücktritt zwang. Der neue Premierminister Bill Skate (People’s National Congress, PNC) leitete sogleich Friedensverhandlungen mit den Aufständischen ein, die im Oktober 1997 in einen Waffenstillstand und Anfang 1998 in einen von Australien und Neuseeland vermittelten vorläufigen Friedensvertrag mündeten. In dem endgültigen, 2001 unterzeichneten Friedensabkommen wurde Bougainville weitreichende Autonomie zugestanden sowie ein Referendum über die Unabhängigkeit in Aussicht gestellt. Mit den Wahlen zum ersten Parlament und der Bildung einer Regierung wurde Bougainville 2005 autonome Provinz. In der Zentralregierung gab es 1999 erneut einen Wechsel: Skate trat zurück, Mekere Morauta (PDM) wurde Premierminister. Die chaotischen und von Gewalttätigkeiten geprägten Parlamentswahlen 2002 führten einen weiteren Regierungswechsel herbei: Nach 17 Jahren, die er teils in der Opposition, teils an der Regierung beteiligt verbracht hatte und während der er sich von der PANGU getrennt und mit der National Alliance Party (NAP) eine neue Partei gegründet hatte, übernahm wieder Somare das Amt des Premierministers. Als erster Regierungschef in der Geschichte des Landes wurde er nach den Wahlen von 2007 im Amt bestätigt, was nach den häufigen Regierungswechseln in den ersten fast drei Jahrzehnten des unabhängigen Landes als Zeichen für eine gewisse Stabilisierung gewertet wurde.
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