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    Julio Florencio Cortázar (* 26. August 1914 in Brüssel; † 12. Februar 1984 in Paris) war ein argentinischer Schriftsteller und Intellektueller und neben Jorge Luis Borges einer ...

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    Julio Cortázar (born Jules Florencio Cortázar) (August 26, 1914 – February 12, 1984) was a Belgian-born Argentine author of novels and short stories.

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Julio Cortázar

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Julio CortázarJulio Cortázar

Julio Cortázar (1914-1984), argentinischer Schriftsteller. Mit seinen vom Surrealismus beeinflussten phantastischen Erzählungen und Romanen gehört er zu den bedeutendsten Autoren der lateinamerikanischen Literatur.

Cortázar wurde am 26. August 1914 in Brüssel geboren. Zunächst Gymnasiallehrer, war er bis 1946 als Literaturprofessor in Mendoza tätig. Erst spät begann er zu publizieren. Seine erste Erzählung Das besetzte Haus wurde Anfang der fünfziger Jahre in der von Jorge Luis Borges redigierten, inoffiziell zirkulierenden Literaturzeitschrift Sur veröffentlicht. Durch Borges kam Cortázar auch mit Adolfo Bioy Casares und den Schwestern Ocampo in Kontakt, deren intellektueller Freundeskreis in Buenos Aires sich intensiv mit der europäischen Literaturtradition auseinandersetzte. 1951 ging er als Übersetzer nach Paris. Im selben Jahr erschien sein erster, von Pablo Neruda hochgelobter Erzählband Bestiario (Bestiarium), dessen Geschichten noch stark von Borges beeinflusst sind. (Bereits Cortázars mythisches Prosagedicht Los reyes von 1949 verwendet Borges’ Zentralmetapher des Labyrinths.) Während Borges indessen seine Erzählungen von vornherein in einer fiktiven Welt ansiedelt, bricht bei Cortázar bereits in Bestiarium das Wundersame unvermittelt in die Alltagswirklichkeit ein. Nur in den schwächeren Passagen des Prosawerkes wird dieses Phantastische aus der Konstitution der Figuren psychologisch erklärbar, ansonsten bleibt es bedrohlich-unbestimmt.

Das Moment des Labyrinthisch-Babylonischen spielt auch in Cortázars erstem Roman Los premios (1960, Die Gewinner) eine zentrale Rolle, in dem die Gewinner einer nationalen Lotterie mit der geheimnisvollen Architektur eines Kreuzfahrtschiffes und der alptraumhaften Fremdsprachigkeit seiner Besatzung konfrontiert werden. Hingegen findet Cortázar in seinen Historias de Cronopios y Famas (1962, Geschichten der Cronopien und Famen) zu einer eher humoristisch-parodistischen Form: In diesen Kurzprosatexten betreibt der Autor eine konsequente Poetisierung des banalen Alltags – Überschriften wie Unterweisung im Treppensteigen und Unterweisung im Uhraufziehen sind hierfür programmatisch. Im letzten Teil des Buches kreiert Cortázar eine gänzlich unabhängige Realität, in welcher er die so genannten Famen, reine Wirklichkeitstiere, gegen die Möglichkeitswesen der Cronopien auszuspielen sucht (daneben existieren noch die stupiden Esperanzen). Mehr noch als in der Verknüpfung narrativer und essayistischer Elemente wird in dieser Ambivalenz der Historias bereits der Einfluss Robert Musils deutlich, der Cortázars postmodernen Roman Rayuela (1963, Rayuela. Himmel und Hölle) dann klar bestimmt.

War in Los premios noch eine stringente Erzählhandlung auszumachen, so setzte Cortázar in Rayuela auf ein konsequent experimentelles Schreiben, das jegliche Geschlossenheit der Romanwelt sprengen will. In einer dem Erzähltext voranstehenden Gebrauchsanweisung wird dieser spielerische Aspekt des Werkes unterstrichen: Mit dem Hinweis darauf, dass der Leser manche Kapitel „getrost beiseitelassen” könne, gibt der Erzähler seine Organisatorenrolle auf und bezieht den „Leser-Komplizen” in den Schöpfungsprozess des Buches mit ein. Wie beim Kinderspiel Himmel und Hölle soll der Rezipient sich – gleichsam von Kapitel zu Kapitel hüpfend – durch ein Gerüst von Handlungsvorschlägen lavieren. Auf die im Roman zitierte Sprachskepsis des Lord-Chandos-Briefes Hugo von Hofmannsthals („Die abstrakten Worte ... zerfielen mir im Mund wie modrige Pilze”) lässt Rayuela ein Zerschreiben („desescribir”) der Romanhandlung folgen. Das dekonstruierende Prinzip erscheint so als Lösung der Erzählkrise der Moderne. Auch das andere Hauptwerk Cortázars mit dem bezeichnenden Titel 62/Modelo para armar (1968, 62/Modellbaukasten) lädt den Leser ein, „seine persönliche Montage der Elemente der Erzählung” zu schaffen und schreibt so das offene Erzählverfahren von Rayuela fort. Affinitäten zum Nouveau Roman sind offensichtlich.

Weitere Werke Cortázars sind der Erzählband Final de juego (1956, Ende des Spiels). Eine Geschichte aus Las armas secretas (1956, Die geheimen Waffen) inspirierte den italienischen Regisseur Michelangelo Antonioni 1966 zu seinem Film Blow-Up, der das unaufhörliche Verschwimmen von Realität und Traum bei Cortázar in seine eigene kinematographische Ästhetik integriert. Eine eigene Poetologie entfaltet Cortázar in La vuelta al dia en ochenta mundos (1967, Reise um den Tag in 80 Welten), die neben Borges u. a. so unterschiedliche Autoren wie Alfred Jarry, Henry James, John Keats, Edgar Allan Poe, Franz Kafka, Juan Carlos Onetti und Bertolt Brecht zum Vorbild hat. Cortázars Grundmotive (das Andere, der Doppelgänger, Krankheit und Entfremdung, die Reise ins Irreale, die Wirklichkeit als Spiel etc.) bestimmen auch die Sammlung Todos los fuegos el fuego (1966, Das Feuer aller Feuer). Im Gegensatz zu Los premios und Rayuela nimmt Cortázars Roman Libro de Manuel (1973, Album für Manuel) direkt auf zeitpolitische Ereignisse Bezug. Hier ergreift der Autor Partei für die lateinamerikanischen Guerillabewegungen der siebziger Jahre, ohne auf ein experimentelles Erzählmoment zu verzichten. Der Roman endet mit minuziösen Schilderungen von Folterungen aus Vietnam: Letztendlich hat die Realität über die Möglichkeit fiktiver Überwindungsstrategien gesiegt. Der Kriegsalltag erweist sich als alptraumhafter, als die phantastische Literatur ihn erfinden könnte.

Nach Libro de Manuel erschienen Octaedro (1974, Oktaeder) sowie Queremos tanto a Glenda (1980, Alle lieben Glenda), dessen meisterhafte, Glenda Jackson gewidmete Titelgeschichte mit ihrer subtil-ironischen Schwerelosigkeit zu den besten Prosatexten Cortázars zu rechnen ist, des Weiteren Deshoras (1983, Unzeiten) und die politisch engagierte Reisebeschreibung Nicaragua, tan violentemente dulce (1984, Nicaragua, so gewaltsam zärtlich). 1981 erwarb Cortázar die französische Staatsbürgerschaft. Er starb am 12. Februar 1984 in Paris. 1996 erschien in deutscher Übersetzung das gemeinsam mit seiner Frau Carol Dunlop verfasste surrealistische Fahrtenbuch Los autonautas de la cosmopista o Un viaje (1983, Die Autonauten auf der Kosmobahn), das von der fixen Idee seiner Autoren berichtet, einen Monat lang ohne Unterbrechung auf der Autobahn Paris-Marseille zu verbringen, auf ihren 36 Rastplätzen heimisch zu werden und der „tropischen” Flora und Fauna einer „verborgenen Welt der Autobahn” als Forschungsreisende in der Tradition Marco Polos nachzuspüren („Ein Meer voller Überraschungen, wunderschöne Küsten, kopfstehende Sternbilder, unverhoffte Schweizer und Kirschen außerhalb des Speiseplans”).

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