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Ethik

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Marcus AureliusMarcus Aurelius
Artikelgliederung
1

Einleitung

Ethik (auch Moralphilosophie; griechisch ethos: Gewohnheit, Herkommen, Sitte, Brauch), philosophische Disziplin, die sich mit dem Handeln des Menschen beschäftigt, insbesondere im Hinblick auf dessen wertorientierte Zielsetzung und Rechtfertigung.

Die Grundfragen der Ethik beschäftigen sich mit den Richtlinien, an denen sich menschliches Handeln ausrichten soll; die philosophische Ethik erhebt daher Forderungen, die zu befolgen moralisch richtiges Handeln zur Folge hat und die nicht zu befolgen als „unmoralisches” Verhalten verurteilt wird. Daher stellt sie notwendig Fragen nach dem „richtigen Leben” des Einzelnen wie der Gesellschaft: nach dem individuellen gelungenen oder guten Leben, nach dem letztgültigen Ziel jeden Handelns, also nach dem Guten als der Richtschnur rechten, vernünftigen Lebens und Handelns, sowie nach den Prinzipien des guten sozialen Zusammenlebens der Menschen. Diese Zielsetzung rückt die Ethik in die Nähe der Politischen Philosophie.

Die philosophische Ethik versucht, Handlungsprinzipien aufzustellen, an denen sie ihre Aussagen methodisch und inhaltlich ausrichtet und die die Geltung moralischer Sollenssätze, Gebote und Verbote, rechtfertigen können. Von Kants drei Hauptfragen der Philosophie, „1. Was kann ich wissen? 2. Was soll ich tun? 3. Was darf ich hoffen?”, behandelt Ethik die zweite. Von der herkömmlichen und alltäglichen Moral unterscheidet sie sich dabei dadurch, dass sie ausdrücklich vermeidet, sich an anerkannten Autoritäten, Konventionen oder Traditionen zu orientieren. Vielmehr besteht sie auf der Berufung auf ein durch Vernunft erkennbares und daher für jeden Vernunftbegabten einsehbares oberstes Prinzip. Sie fragt nach einem „Höchsten Gut” (lateinisch summum bonum), aus dem sich die konkreten Sollenssätze herleiten. Ziel dieser Überlegungen ist es zumeist, eine Verbesserung, einen Fortschritt des menschlichen (Zusammen-)Lebens zu gewährleisten, indem sie Maximen formuliert, die allgemeingültig und vernünftig sein sollen.

Da menschliches Handeln nicht allein biologisch (durch Instinkt), historisch (durch „Geschichtsgesetze”), sozial (infolge gesellschaftlicher Verhältnisse) oder kulturell-religiös (durch eine metaphysische Instanz) determiniert ist, sondern aus der Freiheit erwächst, zu der der Mensch befähigt ist (und die nicht mit Willensfreiheit gleichgesetzt werden darf), bedarf es sehr intensiver Reflexion und besonders verantwortlicher Orientierung. So wie das wesentliche Kennzeichen der Philosophie die Offenheit des Fragens ist, bemüht sich auch die philosophische Ethik, ohne Berufung auf andere Instanzen als die menschliche Vernunft auszukommen und ist daher kognitiv, d. h. reflexiv ausgerichtet und akzeptiert als Begründung nichts „Unhinterfragbares”. Das unterscheidet sie z. B. von der theologischen Ethik oder Moraltheologie, die sich auf den Moralkodex des in der Kirche institutionalisierten Glaubens stützt und als Theologie statt der Argumentation das Dogma von der Offenbarung Gottes privilegiert. Philosophie versucht, sich auf Wissen zu gründen statt auf Glauben, auf Aufklärung statt auf Offenbarung, auf Diskussion statt auf Gehorsam.

Moralische Entscheidungen im philosophischen Sinne können daher nicht intuitiv getroffen werden, sondern bedürfen eines bestimmten Wissens, das den Horizont einer solchen Frage deutlich macht. Beispiel für eine ethische Grundlagendiskussion ist die Frage nach der Manipulation an Föten im Interesse der Genetik und Medizin oder die Tötung bei der Abtreibung. Eine bewertende Diskussion darüber, ob dies erlaubt sein soll, setzt die Entscheidung der wissenschaftlichen Problematik voraus, was Leben ist und wann es beginnt, sowie die Beantwortung der Frage, warum wir eine solche Diskussion führen, wenn es um die menschliche Gattung geht, der Mensch sich aber undiskutiert das Recht nimmt, über Leben und Tod von Individuen anderer Gattungen zu entscheiden.

So wie die philosophische Ethik jeden Monismus und jede inhaltliche Einseitigkeit ablehnt, so lehnt sie auch seinen Gegensatz ab, den Relativismus, der die Notwendigkeit unterschiedlicher und damit auch beliebiger Moralsysteme betont. Ebenso negiert sie den Skeptizismus, der bestreitet, dass ein gemeinsames, allgemeingültiges höchstes Gut erkannt werden oder gar existieren kann. Weitere Gegenpositionen zu jeder kognitiv ausgerichteten Ethik sind Emotivismus, Positivismus und Dezisionismus.

2

Denkansätze

Obwohl alle philosophischen Ethiken auf die menschliche Vernunft setzen und von ihr ihren Ausgang nehmen, finden sich unterschiedliche Denkrichtungen und Schulen. Da die Ethik sich zwangsläufig, wenn sie nicht im Relativismus enden will, auf ein höchstes Gut beziehen muss, muss sie sich an einem wie auch immer gearteten Absoluten orientieren. Nach den Auffassungen über dieses Absolute und nach der Art der Bindung an dieses heben sich die verschiedenen Schulen der Ethik voneinander ab.

2.1

Gesinnungs- und Verantwortungsethik

Eine grundlegende Unterscheidung ist die zwischen Gesinnungsethik und Verantwortungsethik. Für ein gesinnungsethisches Konzept stehen das handelnde Subjekt und die Frage nach seinem handlungslenkenden Motiv, seinem Interesse, im Vordergrund. Hier heiligt der Zweck zwar nicht die Mittel, entscheidend für die Moralhaftigkeit der Handlung ist jedoch die Absicht des Handelnden: Gilt der Beweggrund der Handlung als gut, so gilt das Gleiche für die Handlung selbst, auch wenn ihre Folgen nicht gewünscht werden können oder selber als unmoralisch verurteilt werden müssen, z. B. die „Lüge” eines Arztes gegenüber seinem Patienten, was dessen unheilbare Krankheit und Zukunftsprognose angeht. Der Arzt lügt oder beschwichtigt in diesem Beispiel nicht aus Bösartigkeit, sondern aus Fürsorge für den Patienten, also aus einem an sich guten Motiv, das aber fatale Folgen zeitigen kann.

Auf diese Folgen der Tat konzentriert sich die Verantwortungsethik: Ihr gelten die vom Subjekt und seinem Handeln bewirkten Folgen als Maßstab der moralischen Beurteilung (im Beispiel: die möglicherweise verhängnisvollen Folgen einer „Lüge” des Arztes und der Respekt gegenüber der Person des Kranken erfordern hier die Ehrlichkeit gegenüber dem Patienten). Idealiter vorausgesetzt ist bei diesen beiden Ansätzen der Ethik jedoch die möglichst weitgehende Autonomie des Subjekts: Der (un-)moralisch Handelnde wird dabei zumeist als sich seiner selbst bewusster Urheber der Tat angesehen, der alle Unwägbarkeiten (z. B. ihm unbewusste Triebregungen, Notlagen, Zeitdruck, mangelnde Entscheidungsfähigkeit, fehlende Reflexion auf die Moral des Handelns überhaupt usw.) souverän durch seine Vernunft bewältigt – ein Idealtypus des rationalen Handelns, der im Alltag selten vorzufinden ist.

2.2

Empirische, normative und Meta-Ethik

Methodisch und von ihrem leitenden Erkenntnisinteresse her lassen sich drei Grundformen der philosophischen Ethik unterscheiden: empirische, normative und Meta-Ethik. Die empirische Ethik stellt keine Prinzipien, Gesetze, Regeln oder Normen auf, sondern begnügt sich damit, die vielfältigen Ausprägungen von Moralität und Sittlichkeit zu beschreiben und zu erklären; sie wird aufgrund ihres beschreibenden Ansatzes daher auch deskriptive Ethik genannt.

Mit der sprachlichen Form, der Methode und der Funktion der Ethik befasst sich die Meta-Ethik, die die kulturellen Grundlagen der Moralität thematisiert. Hierzu zählt z. B die von George Edward Moore und Ludwig Wittgenstein beeinflusste sprachanalytische Ethik, die ihre Aufgabe in der Klärung der Art und Weise sieht, in der moralische Ausdrücke Verwendung finden und in denen moralische Argumentation möglich ist.

Die normative Ethik hingegen ist Ethik im landläufigen Sinne: Sie zielt ab auf die Entwicklung, Entfaltung und Begründung allgemein verbindlicher Aussagen in Gestalt von Prinzipien, Gesetzen, Regeln und Normen. Gesinnungs- und Verantwortungsethik fallen beide in diese Kategorie. Innerhalb der normativen Ethik findet sich die Unterscheidung zwischen formaler Ethik, die nach dem Nachweis von Prinzipien sucht, aufgrund derer eine Handlung bewertet werden kann, und materialer Werteethik, die sich an bestimmten Wertinhalten orientiert. Eine weitere Abgrenzung innerhalb der normativen Ethik ist die zwischen utilitaristischer Ethik, bei der vor allem individuelle wie soziale pragmatische Gründe als Legitimation moralischen Handelns ins Feld geführt werden, und deontologischer Ethik (griechisch deón: Pflicht), der allein Pragmatismus als Rechtfertigung nicht genügt und die auf die Pflicht zum guten und gerechten Handeln setzt, auch wenn dies zum Nachteil des Handelnden sein sollte.

3

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