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NeuseelandEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Als früheste Ausprägung der neuseeländischen Literatur sind die Mythen und Legenden der Maori zu sehen. Erste literarische Zeugnisse der europäischen Siedler sind die Aufzeichnungen früher Reisender – insbesondere von Kapitän James Cook, der 1769 in Neuseeland landete. In den ersten 100 Jahren der europäischen Besiedlung (1820-1920) sind die bedeutendsten Niederschriften in den Zeitschriften und Tatsachenberichten über das Pionierleben, wie A First Year in Canterbury Settlement (1863) des englischen Schriftstellers Samuel Butler gesammelt. Als Schriftsteller, die sich von britischen Traditionen lösten und genuin neuseeländische Themen behandelten, sind zu nennen: William Satchell, Jane Mander, R. A. K. Mason und Blanche Edith Baughan. Internationale Beachtung fand Katherine Mansfield, die neuseeländische Autorin von Kurzgeschichten. Bis in die siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts waren Mansfield, die Kriminalschriftstellerin Dame Ngaio Marsh und die Volksschriftstellerin Sylvia Ashton-Warner die einzigen Autorinnen, die auch international bekannt waren. Nach 1945 trat eine neue Generation „postkolonialer” Schriftsteller an die Öffentlichkeit. Deren führende Vertreter waren Allen Curnow und James K. Baxter. Curnow, der noch bis zu Beginn der neunziger Jahre veröffentlichte, erreichte die Anerkennung der Kritiker und wurde eine der dominanten Persönlichkeiten in der neuseeländischen Literatur. Weitere Autoren, die zu dieser Zeit in den Vordergrund traten, waren Kendrick Smithyman, C. K. Stead, Dennis Glover und Vincent O’Sullivan, Verfasser von Dramen und Kurzgeschichten. Zu der Generation, die in den siebziger und achtziger Jahren in den Vordergrund trat, gehörten Ian Wedde, Bill Manhire, Leigh Davis, Elizabeth Smither und Heather McPherson. Die führende Persönlichkeit der neuseeländischen Nachkriegsliteratur war Frank Sargeson, Verfasser von Kurzgeschichten und Romanen. Seine Suche nach einer Sprache, die die Stimme Neuseelands zum Ausdruck bringen sollte, inspirierte viele Schriftsteller. Seine bekanntesten Nachfolger sind Maurice Duggan und Janet Frame, deren Autobiographie, publiziert in den achtziger Jahren, internationale Beachtung fand. Weitere Schriftsteller von Rang, die in den siebziger Jahren bekannt wurden, sind Maurice Gee, Maurice Shadbolt und Keri Hulme.
Ein Großteil der reichhaltigen mündlichen Überlieferung der Maori wurde im späten 19. Jahrhundert von europäischen Gelehrten aufgezeichnet, die den Untergang der Maori-Kultur befürchteten. Einige der bedeutendsten Legenden wurden veröffentlicht und sind im Bewusstsein der Neuseeländer lebendig. Der Beitrag der Maori zur neuseeländischen Literatur der nachkolonialen Zeit setzte erst in den sechziger Jahren ein. Jaqueline Sturm war 1966 die erste Maori-Schriftstellerin, die in einer Anthologie mit neuseeländischer Literatur erschien. Zwei Jahre zuvor hatte der führende Dichter Hone Tuwhare seine erste Sammlung No Ordinary Sun veröffentlicht. Der Erfolg der Romanciers Witi Ihimaera und Patricia Grace in den siebziger Jahren war eine weitere Bestätigung dafür, dass sich die Maori-Schriftsteller in der modernen neuseeländischen Literatur etabliert hatten. Die außerhalb Neuseelands wohl bekannteste Maori-Schriftstellerin ist Keri Hulme. Ihr Roman The Bone People (Unter dem Tagmond) gewann 1985 den Booker Prize, einen angesehenen britischen Literaturpreis. Wie die meisten der modernen Maori-Schriftsteller schreibt auch Hulme in Englisch. In den letzten Jahren erschienen jedoch auch Werke in der Maori-Sprache.
Aufgrund der isolierten geographischen Lage entwickelte sich die Kunst der Maori unabhängig von der Polynesiens (siehe Kunst der Maori; polynesische Kunst und Architektur). Als höchste Ausdrucksform der klassischen Tradition gelten die Schnitzereien auf Kanus und Versammlungshäusern. Die Ankunft der europäischen Siedler seit dem Jahr 1820 und die verheerenden Auswirkungen von Krankheiten und Krieg in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts führten allgemein zum Niedergang der Maori-Kultur. In den folgenden 100 Jahren wurde die Kunst der Maori als lediglich von völkerkundlichem Interesse betrachtet. Erst in den vierziger Jahren wurde sie einer Neubewertung unterzogen und ihre Bedeutung angemessen gewürdigt. Auch in den vergangenen Jahren hat es eine Renaissance der Kunst der Maori gegeben. Auf dem Gebiet der bildenden Künste in der Kolonialzeit ist vor allem die Malerin Frances Mary Hodgkins hervorzuheben. Nach 1940 fand die Ausbildung einer neuseeländischen Identität auch in den Künsten ihren Niederschlag. Seither ist die Anzahl neuseeländischer Maler und Bildhauer stark gewachsen. Die bekanntesten der ersten Generation von Malern, die ihre gesamte Schaffenszeit über in Neuseeland blieben, sind T. A. McCormack, John Weeks und M. T. Woolaston. Die Generation, die während der sechziger und siebziger Jahre bekannt wurde, wird von Colin McCahon und Don Binney angeführt. Zur heutigen Generation junger Künstler gehören auch viele Maori.
Lieder (Waiata) und Gesänge, die von Tanz und anderen rhythmischen Bewegungen begleitet werden, sind ein wesentlicher Bestandteil der Kultur der Maori. Am bekanntesten ist der Haka, ein Gesang, der von aggressiven Bewegungen und Gesichtsmimik begleitet wird. Bemerkenswert sind auch die Poi-Lieder, die von einem Tanz begleitet werden. Das Waiata-a-ringa, ein Tanzlied, ist eine beliebte moderne Weiterentwicklung traditioneller musikalischer Formen, bei dem Tänze von europäisch beeinflussten Melodien begleitet werden. Seit den vierziger Jahren werden Theater, Ballett und Film staatlich subventioniert, vor allem in Form von Zuschüssen durch den Queen Elizabeth II Arts Council. Das Theater entwickelte sich vergleichsweise langsam. Die Theaterstücke von Allen Curnow und Frank Sargeson fanden nur geringe Resonanz. In den siebziger und achtziger Jahren konnten jedoch Dramatiker wie Bruce Mason, Mervyn Thompson, Stuart Hoar, Michael Lord, Hilary Bacon, Stephen Sinclair und Roger Hall Erfolge verzeichnen. In den meisten großen Städten wurden Theater eröffnet. Viele von ihnen mussten jedoch nach der Kürzung der Subventionen im Zug der wirtschaftlichen Rezession wieder geschlossen werden. Auf dem Gebiet der Musik hat Neuseeland eine Reihe von international angesehenen Opernsängern und -sängerinnen wie Dame Kiri Te Kanawa, Inia Te Wiata und Donald McIntyre hervorgebracht. Es gibt auch mehrere bemerkenswerte Orchester wie beispielsweise das New Zealand Symphony Orchestra. Die neuseeländische Filmindustrie ist klein, hat jedoch eine wachsende internationale Anhängerschaft. Jane Campion und Peter Jackson sind die bekanntesten Regisseure. Campions Ruf als Filmemacherin wurde begründet durch An Angel at My Table (1990), nach der Autobiographie von Janet Frame. Ihr Film The Piano (Das Piano) wurde 1994 mit drei Oscars – u. a. als bester Film - ausgezeichnet.
Bis Ende der achtziger Jahre waren die Rundfunkanstalten öffentlich-rechtlich. 1991 wurde die Telecom Corporation privatisiert. Im vorangegangenen Jahr war das kostenpflichtige Satellitenfernsehen eingeführt worden, der erste kommerzielle Sender war 1989 TV3. Im Jahr 1991 ging Canterbury Television, Neuseelands erstes privates Regionalprogramm, auf Sendung. Es gibt 23 Tageszeitungen (2004) mit einer Gesamtauflage von 1 369 000 Exemplaren. Der New Zealand Herald ist die einzige Tageszeitung, die im ganzen Land verbreitet ist.
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