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NeuseelandEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Seit den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts bestimmen die Labour Party (LP) und die National Party (NP) die Politik Neuseelands, die sich im Turnus von meist zwei bis drei Legislaturperioden in der Regierungsverantwortung abwechseln. Seit Mitte der achtziger Jahre vertreten beide Parteien eine Antiatompolitik und befürworten grundlegende Reformen. In Reaktion darauf entstanden einige neue politische Gruppierungen und Parteien: die New Zealand First Party (NZFP), die Partei ACT New Zealand, die Partei United Future, die Green Party, die Progressive Coalition, die Alliance Party und die Maori-Partei Mana Motuhaka. Seit Einführung des Verhältniswahlrechts 1996 gewinnen einige dieser kleineren Parteien zunehmend an Bedeutung, etwa als Koalitionspartner der Regierungspartei.
Die neuseeländischen Streitkräfte umfassen 8 660 Mann (2004), außerdem 8 500 Reservisten. 4 430 Soldaten gehören dem Heer an, 1 980 der Marine und 2 250 der Luftwaffe (2004). Der Wehrdienst ist freiwillig. Seit 1951 besteht zwischen Neuseeland, Australien und den USA der ANZUS-Pakt, ein Sicherheits- und Verteidigungsbündnis. Ab 1984 untersagte die neuseeländische Regierung atomwaffenbestückten Kriegsschiffen den Aufenthalt in neuseeländischen Häfen, was zu erheblichen Spannungen in den Beziehungen zwischen Neuseeland und den USA führte. 1986 suspendierten die USA daraufhin die Mitgliedschaft Neuseelands in der ANZUS. In der Folgezeit war dieses Abkommen nur noch auf bilateraler Grundlage zwischen den Vereinigten Staaten und Australien und zwischen Australien und Neuseeland gültig. 1992 sicherten die USA zu, dass ihre Kriegsschiffe in neuseeländischen Gewässern keine Atomwaffen mehr mit sich führen würden; daraufhin besserten sich die Beziehungen zwischen den beiden Ländern, und 1994 kehrte Neuseeland als Vollmitglied in den ANZUS-Pakt zurück. Von 1954 bis zur Auflösung der Organisation 1977 war Neuseeland auch Mitglied des Verteidigungsbündnisses SEATO.
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt 104 519 Millionen Dollar (2006). Die Landwirtschaft stellt 9,4 Prozent des BIP, während die Industrie einen Anteil von 24,9 Prozent hat und der Dienstleistungssektor annähernd 65,7 Prozent beiträgt. Seit Ende der achtziger Jahre wurde der Fremdenverkehr zu einer immer größer werdenden Einnahmequelle. Mehr als eine Million Touristen pro Jahr brachten insgesamt rund eine Milliarde US-Dollar ins Land. Die 1985 von der Staatsregierung eingeleiteten Reformmaßnahmen, wie etwa der Abbau des Protektionismus, zur Ankurbelung der Wirtschaft bewirkten ab Mitte der neunziger Jahre einen wirtschaftlichen Aufschwung. Die Veränderungen zielten nach zwei Jahrzehnten der Stagnation auf Steigerung des Wirtschaftswachstums, Eindämmung der Inflation sowie Verringerung des Haushaltsdefizits und der hohen Staatsverschuldung. Die jährliche Inflationsrate ging auf 1,30 Prozent zurück, nachdem sie Ende der achtziger Jahre noch bei 11 Prozent gelegen war. Das Wirtschaftswachstum betrug Ende der neunziger Jahre 1,90 Prozent im Jahr nach durchschnittlich 2 Prozent in den achtziger Jahren. Finanzielle Überschüsse wurden jedoch nur durch eine drastische Reduzierung der Mittel im sozialen Bereich erreicht. Die medizinische Versorgung ist nicht mehr kostenlos, die Höhe der Renten wurde verringert, und für andere Beihilfen wurde eine Bedürftigkeitsermittlung eingeführt.
Durch den intensiven Einsatz von Maschinen in der Landwirtschaft und dank des milden, feuchten Klimas gehören die Farmen des Landes zu den produktivsten der Welt. Niederschläge fallen in vielen Regionen das ganze Jahr über, so dass immer fruchtbares Weideland für die Schafe und Rinder zur Verfügung steht. Beim Ackerbau konzentriert man sich auf den Anbau von Weizen, Mais und Gerste. Weitere wichtige Anbauprodukte sind Zitrusfrüchte und anderes Obst, Kartoffeln und Hafer. Als Teil der Versuche, neue Märkte zu erschließen, haben die Bauern seit den siebziger Jahren ihre Produktion auf neue Erzeugnisse ausgeweitet. Die Haltung von Rotwild hat rapide zugenommen. Die Kiwi oder Chinesische Stachelbeere war die erfolgreichste der neuen Anbaufrüchte; Neuseeland ist heute der weltweit größte Exporteur von Kiwis. Auch der Weinbau ist im Wachstum begriffen, vor allem um Marlborough auf der Südinsel und in den Regionen Hawkes Bay, Manawatu und Wairarapa im Südosten der Nordinsel. Der Export von Fleisch, Milchprodukten und Wolle ist von großer Bedeutung für die neuseeländische Wirtschaft. Diese Produkte machen etwa ein Drittel des gesamten Exportvolumens aus. Neuseeland ist der größte Exporteur von Butter und Käse, einer der größten Fleischexporteure und nach Australien der zweitgrößte Wollproduzent und -exporteur der Welt.
Etwa 40 Prozent des Holzeinschlags werden für die Zellstoffherstellung verwendet. Über 96 Prozent der Produktion gehen auf eingeführte Baumarten zurück, vor allem Kiefern. Die Produktion einheimischer Nutzhölzer, insbesondere Rimu (auch Maniu, eine Harzeibe, Dacrydium cupressium) und Birken, ist rückläufig. Der Fischereisektor ist im Wachstum begriffen. Seit Ende der achtziger Jahre sind die Exporte um etwa ein Drittel gestiegen, vorwiegend wegen der Zunahme der Fangmenge. Zu den gefangenen Meerestieren gehören Makrelen, Thunfische, Barrakudas und Tintenfische.
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