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Protestantismus

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Protestantische GemeinschaftenProtestantische Gemeinschaften
Artikelgliederung
3.7. 5

Herrnhuter Brüdergemeine

Die Herrnhuter Brüdergemeine oder Brüderunität ging aus den Böhmischen Brüdern hervor. Gründer war der Reichsgraf von Zinzendorf. Seine Tropenlehre, wonach die christlichen Konfessionen nichts anderes als göttliche Erziehungsformen (griechisch Tropoi) sind, nahm Gedanken der ökumenischen Bewegung vorweg.

3.7. 6

Quäker – Religiöse Gesellschaft der Freunde

Der Gründer der Quäker war der Schuhmacher George Fox, der in England die Machtkämpfe zwischen Katholiken, Anglikanern und Puritanern erlebte. 1647 kam Fox „unter Zittern” zu der Überzeugung, dass die Antwort auf die Frage nach Gott jeder Einzelne in sich trägt. Von diesem Zittern und inneren Beben (englisch to quake), das ihn und seine Anhänger beim Erfahren des „inneren Lichts” überkam, stammt der Name Quäker. Die Selbstbezeichnung lautet Society of Friends (Gesellschaft der Freunde); ihre Gründung erfolgte 1652. Die Bewegung litt unter mehreren Verfolgungswellen, doch erhielt noch während der Verfolgungszeit der Quäker William Penn die Konzession zur Gründung einer englischen Kolonie in Amerika, wo er 1681 das nach seinem Namen genannte Staatswesen Pennsylvania als politische Verwirklichung quäkerischer Frömmigkeit gründete und auf dem Prinzip der Gewissensfreiheit und der Gewaltlosigkeit aufbaute. Bekannt sind die Quäker für ihre sozialen Aktionen in allen Notlagen dieser Welt. Durch solche Hilfsprogramme (hauptsächlich Schul- und Kinderspeisungen) nach den beiden Weltkriegen wurden sie auch in Deutschland bekannt.

3.8

Der Kulturprotestantismus

In weiterem Sinn werden die Theologen seit Friedrich Daniel Schleiermacher bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts dem Kulturprotestantismus zugerechnet, die die Tradition der Reformation mit der modernen Kultur zu vermitteln suchten. Geradezu zur Symbolfigur des Kulturprotestantismus wurde der Berliner Kirchen- und Dogmenhistoriker Adolf von Harnack mit seiner liberalen Darstellung Das Wesen des Christentums von 1900. Insgesamt stand der Kulturprotestantismus den Gruppierungen des liberalen Protestantismus nahe, sein Spektrum war jedoch weit gefächert und reichte politisch vom Imperialismus bis zum Pazifismus und Sozialismus.

4

Das Wesen des Protestantismus

Charakteristisch für den Protestantismus sind die Ablehnung des Gewissenszwanges und die alleinige Normativität der Bibel. Das Wesen des Protestantismus wird im protestantischen Prinzip gesehen. In der Konkurrenz zum Katholizismus entwickelte sich ein kulturelles Überlegenheitsgefühl. Georg Friedrich Wilhelm Hegel stellte Subjektivität und Autonomie als Prinzipien des Protestantismus heraus, und nach dem Tübinger Theologen Ferdinand Christian Baur ist der Protestantismus das Prinzip der subjektiven Freiheit, der Glaubens- und Gewissensfreiheit und der Autonomie des Subjekts. Ernst Troeltsch erörterte in kulturgeschichtlich-soziologischer Betrachtungsweise die Bedeutung des Protestantismus für die Entstehung der modernen Welt, während Max Weber in Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus (1904/05) die Entstehung der kapitalistischen Gesellschaft aus calvinistischer Ethik und rationaler Lebensführung ableitete.

Gegenüber dem Katholizismus wird das konfessionelle Profil des Protestantismus markiert durch die reformatorischen Prinzipien (allein durch Gnade, allein aus Glauben, allein Christus, allein die Schrift), in Bezug auf die kirchliche Form durch den Vorrang des allgemeinen Priestertums, in Bezug auf Glaube, Verhalten und Handeln durch Vielgestaltigkeit und Weltbezug.

Die meisten theologischen Streitpunkte, die einst zur Reformation führten und den Protestantismus hervorbrachten, gelten heute nicht mehr als Kirchen trennend. Wichtiger als die Lehrunterschiede, die von vielen Gläubigen in beiden Konfessionen nicht mehr nachvollzogen werden können, sind allerdings immer noch die unterschiedlichen Lebenswelten von Katholiken und Protestanten. Angesichts der Probleme, vor die sich das Christentum insgesamt gestellt sieht, muss daraus aber kein gegenseitiger Ausschluss mehr folgen: An Stelle der Opposition könnte zunehmend eine fruchtbare Komplementarität treten. Innerhalb des größeren Ganzen der Christenheit dürfte der Protestantismus weiterhin als kritisch-prophetisches Prinzip bedeutsam bleiben.

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