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Windows Live® Suchergebnisse LiturgieEnzyklopädieartikel
Liturgie (griechisch liturgeia: öffentlicher Dienst), in der römisch-katholischen Kirche und den orthodoxen Kirchen fest vorgeschriebene Form des Gottesdienstes (Eucharistie). In den protestantischen Kirchen bezeichnet der Begriff allgemein die Formen des Gottesdienstes. In den ersten drei Jahrhunderten des christlichen Zeitalters war der kirchliche Ritus starken Veränderungen unterworfen, da dieser auf verschiedenen Überlieferungen des Abendmahles basierte. Die Liturgie ist neben der Verkündigung und der Diakonie einer der drei zentralen Bestandteile des kirchlichen Lebens. Sie stellt aus theologischer Sicht den durch Jesus Christus vermittelten Dialog der in der Kirche versammelten Gläubigen mit Gott dar. Dieser äußert sich in Lobpreisungen, Gebeten und Gesängen sowie ritualisierten Handlungen, die auf den Höhepunkt, die Eucharistie, hinführen. Die Ausgestaltung der Liturgie ist an den Kreislauf des Kirchenjahres sowie an bestimmte Ereignisse im Leben der Gemeindemitglieder gebunden, wie Taufe, Eheschließung etc. Um das 4. Jahrhundert kristallisierten sich aus den verschiedenen Traditionen vier Liturgien heraus: die antiochenische oder griechische, die alexandrinische, die römische und die gallikanische Liturgie. Von ihnen wurden alle anderen Liturgien abgeleitet. Die antiochenische Liturgie-Familie umfasst die heute nicht mehr verwendete klementinische Liturgie der Apostolischen Konstitutionen; die altsyrische Jakobusliturgie der Jakobiten und der Unierten Kirchen Syriens; die einmal im Jahr in Jerusalem verwendete griechische Jakobusliturgie; die altsyrische Liturgie der Maroniten sowie der Nestorianerkirche; die malabarische Liturgie der Thomaschristen Indiens; die in verschiedenen Sprachen von den orthodoxen Kirchen verwendete byzantinische Liturgie und die armenische Liturgie der Georgier und der armenischen Östlichen Rituskirchen. Zu den alexandrinischen Liturgien gehört die griechische Markusliturgie, die heute nur noch in der koptischen Kirche sowie der äthiopischen Kirche verbreitet ist. Die römische Liturgie ist in fast allen römisch-katholischen Kirchen üblich. Von ihr wurden im Mittelalter verschiedene Liturgien abgeleitet, die heute nicht mehr gebräuchlich sind, so etwa die Liturgien von Sarum, Paris, Trier und Köln. Die gallikanische Liturgie, die im 4. Jahrhundert in Nordwesteuropa eingeführt worden war, ersetzte in Frankreich um 800 die römischen Formen des Gottesdienstes. Aus ihr entwickelte sich die ambrosianische Liturgie, die bis heute in der Diözese Mailand verwendet wird. Die mozarabische oder isidorische Liturgie, die vom 6. bis zum 12. Jahrhundert in der spanischen Kirche eingeführt wurde, ist heute nur noch in Toledo und Salamanca üblich. Die Liturgie der keltischen Kirche wurde im 7. Jahrhundert durch die römische Liturgie ersetzt. Für die römisch-katholische Kirche erlaubte das 2. Vatikanische Konzil (1962-1965) die Verwendung der Landessprache, die von da an die lateinische Kirchensprache ersetzte. Ab Dezember 1971 erklärte Papst Paul VI. die landessprachliche Form der Messe für verbindlich. Seit der Oxfordbewegung im 19. Jahrhundert begannen die protestantischen Kirchen wieder größeren Wert auf die Liturgie zu legen und führten zunehmend Formen des Gottesdienstes wieder ein, die sie während der Reformation verworfen hatten. Die Liturgiereform fand in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts einen vorläufigen Abschluss. Die Liturgie, die sowohl in der anglikanischen Kirche als auch in der amerikanischen Episkopalkirche vorgeschrieben ist, findet sich im Common Prayer Book.
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