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Epidemiologie

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Choleraopfer in der Londoner Broad StreetCholeraopfer in der Londoner Broad Street

Epidemiologie, Lehre von der Häufigkeit und Verteilung von Krankheiten in großen Bevölkerungsgruppen sowie von den Bedingungen, die deren Ausbreitung und Schwere beeinflussen.

Anfangs befasste sich die Epidemiologie mit Infektionskrankheiten. Die erste bekannte epidemiologische Untersuchung führte 1849 der englische Arzt John Snow durch. Er beobachtete, dass die Londoner Choleraepidemie hauptsächlich in Stadtgebieten auftrat, die von einer bestimmten Wasserpumpe versorgt wurden. Nachdem diese Wasserpumpe geschlossen worden war, ebbte die Epidemie ab. Die moderne Epidemiologie befasst sich auch mit anderen Faktoren, wie den Auswirkungen von Alter oder Geschlecht. Beispielsweise wird untersucht, wie viele ältere Menschen während Grippeepidemien an Atemwegserkrankungen sterben oder warum Herzanfälle bei Männern häufiger auftreten.

Auch nationale Unterschiede werden einbezogen, z. B. liegt bei irischen Eltern die Geburtenrate von Kindern, die mit der Missbildung Spina bifida zur Welt kommen, besonders hoch. Sozioökonomische Faktoren werden ebenfalls berücksichtigt. Deren Einfluss wird beispielsweise durch die größere Häufigkeit von Tuberkulose in ärmeren Bevölkerungsschichten deutlich, insbesondere unter Obdachlosen in dicht besiedelten Städten. Neben der Untersuchung allgemeiner Krankheitsursachen bei bestimmten Bevölkerungsgruppen haben Epidemiologen auch die Aufgabe, im konkreten Fall einer Epidemie nach den Gründen zu forschen, die zu ihrem Ausbruch führten.

Die moderne Epidemiologie beschäftigt sich nach wie vor mit der Erforschung von Krankheitsursachen. Ein Beispiel hierfür ist die Entdeckung eines neuen Krankheitsbildes im Jahre 1980, des toxischen Schocksyndroms. Dabei handelt es sich um eine möglicherweise tödlich verlaufende Infektion mit Staphylokokkenbakterien. Man stellte fest, dass diese Erkrankung im Zusammenhang mit der Verwendung von Tampons während der Menstruation auftritt. Ein weiteres Beispiel: Im Zuge der Erforschung der AIDS-Epidemie in den frühen achtziger Jahren berichtete das Pasteur-Institut in Frankreich von der Entdeckung eines Retrovirus, welches die Hauptursache der Krankheit ist und als HIV (für human immunodeficiency virus: humanes Immuninsuffizienzvirus) bekannt wurde.

Heute lässt sich die Ausbreitung von Epidemien in manchen Fällen auch mit Hilfe von Satellitenaufnahmen vorhersagen. So wurden Ende der neunziger Jahre für Thailand u. a. die Vegetations-, Gebäude- und Straßendichte sowie Wasservorkommen erfasst, um Rückschlüsse auf die Ausbreitungswege des Denguefiebers ziehen zu können. Im Gegensatz zu den klar erkennbaren Entstehungsmechanismen zwischen mikrobiellen Krankheitserregern und den von ihnen verursachten Infektionskrankheiten sind epidemiologische Untersuchungen auf dem Gebiet chronischer Störungen, z. B. von Herzkrankheiten oder Krebs, meist weniger schlüssig.

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