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  • Steinzeit – Wikipedia

    Als Steinzeit bezeichnet man den längsten Zeitabschnitt der Menschheitsgeschichte, bevor die Herstellung und technische Nutzung von Metallen bekannt war.

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Steinzeit

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Artikelgliederung
1

Einleitung

Steinzeit, älteste und längste Epoche der Menschheitsgeschichte, die mit der ersten Produktion von Steinwerkzeugen vor circa 2,5 Millionen Jahren begann und bis zum ersten Gebrauch von Metall zwischen etwa 4000 und 2000 v. Chr. dauerte.

Die Einteilung der Vorgeschichte in drei technische Entwicklungsstufen, nämlich in Stein-, Bronze- und Eisenzeit, wurde im 18. und 19. Jahrhundert anhand der europäischen Funde und Grabungsergebnisse entwickelt (siehe Dreiperiodensystem). Sie ist weitgehend auf Europa und Teile Westasiens und Nordafrikas beschränkt. Für die Urgeschichte des südlichen Afrika gibt es eine eigene Terminologie (Early, Middle und Late Stone Age), die der europäischen Einteilung chronologisch und inhaltlich nur zum Teil entspricht, und in der Erforschung der amerikanischen Urgeschichte hat sich die Idee einer Periodisierung nach dem Kriterium des Werkstoffs überhaupt nicht niedergeschlagen.

Die Steinzeit wird in drei Stufen eingeteilt: in die Altsteinzeit (Paläolithikum), die Mittlere Steinzeit (Mesolithikum) und die Jungsteinzeit (Neolithikum). Die Altsteinzeit ist wiederum in eine ältere (Altpaläolithikum), mittlere (Mittelpaläolithikum) und jüngere Phase (Jungpaläolithikum) gegliedert, während Mittlere Steinzeit und Jungsteinzeit nicht weiter unterteilt werden. Innerhalb dieses Epochenmodells sind die verschiedenen Kulturen und Technokomplexe angeordnet, die sich anhand der an den Fundstücken ablesbaren technischen und stilistischen Veränderungen identifizieren lassen (Typologie). Dabei überlappen sich oft die Laufzeiten von Kulturen in unterschiedlichen Regionen.

Die Kulturen der ältesten und längsten Abschnitte der Steinzeit sind noch verschiedenen Hominiden zuzuordnen; erst in der jüngeren Altsteinzeit trat der moderne Mensch Homo sapiens auf. Er hatte sich vor 200 000 Jahren in Afrika entwickelt und begann vor 100 000 Jahren, sich über Asien und Australien, wo er vor 60 000 Jahren ankam, und vor 40 000 Jahren auch über Europa auszubreiten (siehe Evolution des Menschen). Die Steinzeit spielte sich großenteils während der letzten Eiszeit (Pleistozän) ab, die vor etwa 1,6 Millionen Jahren begann und bis 8000 v. Chr. dauerte und mit ihren erheblichen klimatischen Veränderungen die Entwicklung der frühen Menschheitsgeschichte beeinflusste.

2

Altsteinzeit (Paläolithikum)

2.1

Altpaläolithikum (2,5 Millionen bis 200 000 vor heute)

Die ältesten von Hominiden bearbeiteten oder benutzten Steinwerkzeuge sind die 2,5 Millionen Jahre alten Geröllgeräte, die in Ostafrika gefunden wurden. Diese Kultur mit ihren einfachen Werkzeugen aus großen Kieselsteinen wird nach dem Fundort Olduvai genannt und dem Homo rudolfensis und Homo habilis zugeschrieben. Die Olduvaikultur ist nur in Afrika zwischen 2 500 000 und 1 000 000 vor heute nachgewiesen. Daneben entstand in Afrika vor mehr als 1,5 Millionen Jahren eine dem späteren europäischen Acheuléen ähnliche Kultur mit verfeinerten Kern- und Abschlagtechniken (siehe Levalloistechnik), die vom Homo erectus getragen wurde und sich mit dessen Wanderungen auch in Vorderasien und Europa ausbreitete.

Die entscheidende technische Neuerung dieser Kulturstufe ist der Faustkeil, der in Afrika, Europa und Asien für die nächsten 1,4 Millionen Jahre ein zentraler Werkzeugtyp blieb. Inzwischen konnte durch zahlreiche chinesische Faustkeilfunde eine These aus den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts widerlegt werden, der zufolge dieses typische Gerät in Südostasien vollkommen gefehlt habe. Dort entstand allerdings mit der Fenhokultur parallel zum Acheuléen eine eigenständige Tradition der Steinbearbeitung. In Europa, wo sich vor etwa 200 000 Jahren aus dem Homo erectus der Neandertaler entwickelte, wurden die Techniken des Acheuléen noch bis vor etwa 100 000 Jahren auch von dieser neuen Hominidengruppe weiter genutzt.

2.2

Mittelpaläolithikum (200 000 bis 35 000 vor heute)

Aber bereits ab etwa 200 000 vor heute begannen die Neandertaler, auf der Basis des Acheuléen nach und nach zwei neue Kulturen bzw. Technikkomplexe zu entwickeln. Im Mittelmeergebiet entstand das Moustérien, während sich vor allem nördlich und nordöstlich davon, in Zentraleuropa und Westasien, das Micoquien ausbreitete. Zwischen 50 000 und 35 000 vor heute vollzog sich mit der Technik der Blattspitzengruppen in Teilen Mitteleuropas die Abkehr von der langen Tradition der Faustkeile.

Aus dem Mittelpaläolithikum lassen sich erstmals Bestattungen nachweisen, allerdings bisher nur von den Neandertalern des Moustérien. Vereinzelte Funde von durchbohrten oder mit Strichgravuren versehenen Knochen werden als zarte Anfänge einer Schmuck- und Kunstproduktion angesehen. Auch der Gebrauch von mineralischem Farbstoff und die langfristige Aufbewahrung von besonderen, etwa durch Fossilabdrücke ausgezeichneten Steinwerkzeugen sind nachgewiesen und deuten auf rituelle und symbolische Vorstellungen hin.

Während der über zwei Millionen Jahre dauernden Phase des Alt- und Mittelpaläolithikums haben sich die grundsätzlichen Lebensverhältnisse der Hominiden kaum verändert. Der Lebensunterhalt wurde hauptsächlich durch die Jagd und das Sammeln gesichert. Mit Lanzen, Holzspeeren und Wurfhölzern wurden große Tiere gejagt, und auch Tierfallen und Treibjagden waren bekannt. Lagerplätze richtete man vor allem in den kälteren europäischen Regionen in Höhlen und unter Felsdächern (Abris) ein.

2.3

Jungpaläolithikum (35 000 vor heute bis 8500 v. Chr.)

Die Phase der extrem langsamen Entwicklung und lang andauernden Traditionen in der Menschheitsgeschichte nahm in der jüngeren Altsteinzeit ein Ende. Während sich über Jahrmillionen hinweg die technischen Fähigkeiten und kulturellen Äußerungen kaum und wenn, dann kontinuierlich und ohne Sprünge verändert hatten, traten vor etwa 45 000 bis 40 000 Jahren unvermittelt Innovationen auf technischem wie intellektuellem Gebiet auf, deren Quantität und Qualität für einen grundlegenden Kulturwandel sprechen. In ganz Europa (mit Ausnahme Skandinaviens) erschienen plötzlich zahlreiche Kulturelemente, die zuvor völlig unbekannt oder nur sehr selten waren: Schmuckgegenstände und Kunstobjekte in technischer Vollendung, darunter plastische Figuren, Höhlenmalerei und Musikinstrumente, aufwendige Kleidungsstücke, Bestattungen mit Grabbeigaben, neue Gerätetypen aus Stein und nun auch vermehrt aus Knochen, Horn und Elfenbein, Speerschleuder und Pfeil und Bogen, zeltartige Behausungen, herdförmige Feuerstellen und Lagerplätze mit verschiedenen Tätigkeitsbereichen.

Die Nachweise dieser kulturellen Neuerungen fallen zeitlich mit den ältesten Funden von Skeletten des Homo sapiens in Europa zusammen (Cro-Magnon-Mensch, 40 000 bis 35 000 Jahre alt). Man bringt deshalb die neue Kultur in Zusammenhang mit der Einwanderung von Gruppen des modernen Menschen, die ab circa 100 000 vor heute über den Nahen Osten nach Asien und Europa zogen. Hier lebten noch für etwa 10 000 Jahre Neandertaler und Homo sapiens gleichzeitig nebeneinander, bevor die Neandertaler, die sich offensichtlich von Osten nach Westen zurückzogen, vor 30 000 Jahren ausstarben.

Kennzeichnend für die beschleunigte technische Entwicklung im Jungpaläolithikum ist die regionale Aufsplittung von Kulturen und Technokomplexen. In Nordafrika entstand mit dem Atérien (40000-18000 v. Chr.) eine spezielle Industrie, die mit den südafrikanischen und auch mit den europäischen Technokomplexen nichts zu tun hatte. Während in Frankreich und Spanien das Châtelperronien (33000-25000 v. Chr.) zu Ende ging, breitete sich von Südosteuropa her das Aurignacien (40000-31000 v. Chr.) des Homo sapiens mit seinen typischen schmalen Feuersteinklingen in Europa und Asien aus. Aus dieser Kultur entwickelte sich in den Steppengebieten Europas das Gravettien (25000-18000 v. Chr.), das eine ausdrucksstarke Kunst (siehe Venusstatuetten) hervorgebracht hat. Siehe auch paläolithische Kunst

Das Solutréen (19000-16000 v. Chr.) blieb regional begrenzt auf Frankreich und Spanien und wurde vom Magdalénien (18000-11000 v. Chr.), das sich weiträumig in Südwest- und Mitteleuropa ausbreitete, abgelöst. Die nur in Norddeutschland und Dänemark heimische Hamburger Kultur (13000-10000 v. Chr.) hingegen fand in der Federmesser-Gruppe und mehreren lokalen Kulturen (Lyngby-Kultur, Bromme-Kultur, Ahrensburger Kultur) eigenständige Nachfolger, die sich neben den südlich benachbarten Magdalénien-Gruppen entwickelten. Das Magdalénien selbst gilt als die künstlerisch höchste Entwicklungsstufe der Altsteinzeit. Diese Rentierjägerkultur expandierte von Westen aus über ganz Mitteleuropa mit Ausnahme des Nordens und nahm dabei die jeweiligen lokalen Traditionen auf. Als am Ende der Eiszeit vor 10 000 Jahren das Ren aus Mittel- und Westeuropa verschwand, endete auch das Magdalénien.

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