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Windows Live® Suchergebnisse HaartrachtEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Antike Haarmode; Außereuropäische Haartrachten; Europäische Haarmoden; Die Zeit des Kopfputzes; Haarmode des 20. Jahrhunderts
Haartracht, Anordnen oder Formen der Haare durch eine Frisur oder Haarschmuck aus praktischen oder ästhetischen Gründen, aufgrund kultischer Gepflogenheiten oder zur Betonung der gesellschaftlichen Stellung. Zu den vielfältigen Veränderungsmöglichkeiten der Haartracht gehören das Schneiden, Zupfen, Locken, Flechten, Bleichen, Färben, Pudern, Ölen der Haare oder der Einsatz von falschen Haaren (Perücke oder Haarteil) oder anderem Haarschmuck. Haare gelten in der Vorstellung vieler Kulturen als kraftgeladen, mit Lebenskraft erfüllt, so wie sich dies an der alttestamentarischen Legende von Simson und Delila zeigen lässt. Kahlköpfigkeit kann unterschiedliche kulturelle Bedeutungen haben, ein Zeichen der Trauer sein, Weltentsagung demonstrieren, wie in der Bibel als Bestrafung für Ehebrecherinnen dienen oder Ähnliches mehr. Siehe auch Skalpieren
Im antiken Persien und Mesopotamien ließen sich die Mitglieder des Adels Haare und Bärte locken, färben und flechten und schmückten sie zuweilen sogar mit Goldstaub oder Silberornamenten. Ägyptische Männer, die bartlos waren, und auch Frauen ließen sich als Zeichen der Unterwerfung unter die Macht der Gottheiten kahl scheren. Gelegentlich trugen sie schwarze Perücken und gaben parfümiertes Öl auf den Kopf. Da Juden in der Bibel das Schneiden der Haare oder der Bärte untersagt wird, sind bei orthodoxen Juden noch heute lange Haare und Bärte üblich. In der griechischen Antike waren bei jungen Männern unter 18 Jahren lange Haare verbreitet, erwachsene Männer dagegen trugen das Haar kurz und gelockt. Die Haare der Frauen wurden gescheitelt und hinten zum Knoten gebunden. Zuweilen wurden sie gefärbt, mit Farbpulver eingepudert oder mit bunten eingeflochtenen Bändern verziert. Das Lockendrehen der Haare war in Athen so beliebt, dass sich bereits damals ein eigenes Friseurhandwerk entwickelte. Eine beliebte Frauenfrisur in der Antike war der Krobylos, bei dem das Haar mit einer Binde hochgesteckt wurde, über die es dann wieder herabfiel. In Rom blieben die Männer nach griechischen Vorbild bartlos und trugen das Haar kurz geschnitten. Römische Frauen in der Zeit der Republik bevorzugten einfache Frisuren, in der Kaiserzeit dagegen kamen aufwendig gelockte und geflochtene Haartrachten auf, in die häufig blondes Haar germanischer Kriegsgefangener eingearbeitet wurde. Die germanischen und keltischen Stämme Nordeuropas trugen Bärte und langes Haar, das manchmal über der Schläfe zu einem Knoten zusammengebunden wurde (Suebenknoten). Die Frauen fassten ihr Haar häufig in einem am Hinterkopf getragenen Netz zusammen. Kurze Haare galten als Zeichen von Sklaverei oder Demütigung, eine Ansicht die bis in die mittelalterliche Rechtssymbolik hinein wirkte. Die Gescherten galten als Leibeigene.
Die Männer der indischen Sikhs schneiden sich das Haar nicht, sondern fixieren es in Form eines festen Dutts unter einem Turban. Indische Frauen dagegen flechten es traditionell zu langen Zöpfen, die sie mit Mittelscheitel tragen. Im alten China und Japan rasierten sich die Männer den Vorderkopf und banden die restlichen Haare hinten zu einem Zopf zusammen. Chinesische Frauen kämmten sich die Haare zu einem tief sitzenden Dutt, japanische Frauen trugen sie bis ins 17. Jahrhundert lang und offen, später meist hochgekämmt und sorgfältig frisiert; sie wurden mit Pomade behandelt und mit Bändern, Haarnadeln und anderen Dekorationsobjekten verziert. Komplizierte Flechtmuster mit eingearbeiteten Perlen schmücken auch heute noch die Haare der Frauen in verschiedenen Regionen Afrikas – eine Mode, die seit den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts auch in der westlichen Welt immer mehr Anhängerinnen findet.
Im 8. Jahrhundert wurde die Tonsur (lateinisch tonsura: das Scheren), eine kreisrunde Rasur mit kranzartigem Haarsaum, von den christlichen Orden als Akt der Aufnahme in den Stand der Kleriker übernommen, die bei katholischen Priestern teilweise noch bis 1972 verbreitet war. Die Tonsur wird als Zeichen der Demut und Dienstbarkeit gegenüber Gott gewertet. Im 9. Jahrhundert trugen männliche Adelige ihr Haar im Nacken kurzgeschnitten, das Haar der Frauen hingegen blieb lang und wurde meist geflochten; verheiratete Adelsdamen verbargen es unter einem Schleier. Im späteren Mittelalter und während der Renaissance bevorzugten die Männer einen kurzen Haarschnitt. Unverheiratete Frauen ließen ihr Haar offen herabhängen, verheiratete banden es hoch und verbargen es unter einer Haube. Die Haartracht markierte also den Übergang von einem Lebensabschnitt zum anderen. Modebewusste Frauen des 13. und 14. Jahrhunderts drehten geflochtene Zöpfe über den Ohren zusammen oder verknoteten sie am Hinterkopf. Oft wurden sie zusätzlich mit goldenen Netzen oder Leinenstoffen verziert und mit einem Schleier bedeckt. An den Königshöfen des 15. Jahrhunderts in Frankreich und den Niederlanden zupften sich die Frauen die Haare über der Stirn aus, um das Gesicht optisch zu strecken, und kämmten den Rest der Haare unter große Risen, die um Hals und Kinn von einer Schläfe zur anderen drapiert wurden. Italienerinnen betonten ihre geflochtenen, gelockten und gedrehten Haartrachten mit Schmuckbändern oder Kappen. Im elisabethanischen England kräuselten und puderten die adeligen Damen ihr Stirnhaar über Reifen oder kleinen Kissen und steckten es am Hinterkopf zusammen. Im frühen 17. Jahrhundert war bei Männern langes, oft in gekräuselten Locken herabhängendes oder aufgetürmtes Haar beliebt, das parfümiert wurde. Frauen trugen ein Zierband quer über der Stirn mit seitlich herabhängenden Haarsträhnen oder langen Locken, in die häufig falsches Haar zusammen mit Bändern oder Perlen eingearbeitet war. Das Deckhaar wurde turmartig aufgesteckt. Im späten 17. Jahrhundert begannen sich bei Männern groß gelockte Perücken über kurz geschnittenem Haar durchzusetzen. Die Perückenmode wurde von Ludwig XIII. von Frankreich eingeführt, der damit seine Glatze zu kaschieren versuchte, und später von Ludwig XIV. übernommen, dessen Turmperücke von seiner geringen Körpergröße ablenken sollte. Gegen Ende des Jahrhunderts wurden diese Herrenperücken auch bei den Damen beliebt, die zusätzlich Drahtkonstruktionen, Verzierungen, Spitzen und Schleifen einarbeiten ließen.
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