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Guatemala

Enzyklopädieartikel
Multimedia
Guatemala (Flagge und Hymne)Guatemala (Flagge und Hymne)
Artikelgliederung
6.8

Energie

Etwa 31 Prozent des Elektrizitätsbedarfs Guatemalas werden mit Hilfe von Wasserkraftwerken erzeugt (2003).

7

Geschichte

Guatemala war ein Zentrum der Maya-Zivilisation, wovon noch heute zahlreiche Ausgrabungsstätten und Funde aus der klassischen Maya-Periode (3.-10. Jahrhundert n. Chr.) zeugen. Die bedeutendste Mayastätte auf guatemaltekischem Boden ist Tikal im Petén im Norden des Landes; sie umfasst etwa 3 000 Bauwerke, darunter große Tempelpyramiden, Plätze und andere Monumentalbauten, und erstreckt sich über eine Fläche von ungefähr 15 Quadratkilometern. In dieser Stadt lebten zu ihrer Blütezeit etwa 50 000 Menschen. Sie wurde zu Beginn des 10. Jahrhunderts aus bisher unbekannten Gründen aufgegeben.

7.1

Kolonisierung und Unabhängigkeit

Das heutige Guatemala wurde 1523/24 von spanischen Truppen unter Pedro de Alvarado erobert. Unter der spanischen Herrschaft, die drei Jahrhunderte andauerte, war Guatemala ein eigenes Generalkapitanat und erstreckte sich über weite Teile Zentralamerikas, vom südlichen Mexiko bis nach Panamá. Am 15. September 1821 erklärte Guatemala seine Unabhängigkeit von Spanien und schloss sich dem ebenfalls erst seit kurzem unabhängigen Mexiko unter Agustín de Itúrbide (dem späteren Kaiser Augustin I.) an. Nach dem Sturz Agustíns 1823 lösten sich die Provinzen des früheren Generalkapitanats Guatemala (die heutigen Staaten Guatemala, Honduras, El Salvador, Nicaragua und Costa Rica) wieder von Mexiko und bildeten als Zentralamerikanische Föderation ein selbständiges Staatswesen mit dem heutigen Guatemala als dem politischen Zentrum. Die Föderation zerrieb sich jedoch schon bald an den andauernden Machtkämpfen zwischen Liberalen und Konservativen und wurde 1839 schließlich von Rafael Carrera mit Gewalt aufgelöst. Als einer der Nachfolgestaaten der Zentralamerikanischen Föderation etablierte sich die Republik Guatemala.

7.2

Diktatorische Regime

Seit seiner Selbständigkeit bis Mitte des 20. Jahrhunderts wurde Guatemala fast ausschließlich von autoritären Herrschern, so genannten Caudillos regiert; sie stützten ihre Macht vor allem auf die Armee, aber auch auf die katholische Kirche. Den Reigen der guatemaltekischen Caudillos eröffnete Carrera, der von 1844 bis 1848 sowie von 1851 bis zu seinem Tod im Jahr 1865 diktatorisch über das Land herrschte und seinen Einfluss auch über Honduras und El Salvador ausdehnen konnte.

1871 gelang den Liberalen durch eine Revolution die Übernahme der Macht; von 1873 bis 1885 stellten sie mit Justo Rufino Barrios den Präsidenten. Barrios führte umfangreiche Reformen durch: Er verstaatlichte Schulen und Kirchenbesitz und vertrieb die Jesuiten; zudem ließ er zugunsten der Großgrundbesitzer und ihrer weitläufigen Plantagen großräumig Land umverteilen und forcierte den Kaffeeanbau. Die vorwiegend indigene Landbevölkerung wurde auf den Plantagen arbeitsverpflichtet. Außenpolitisch setzte Barrios den hegemonialen Kurs seiner Vorgänger fort und versuchte, die Zentralamerikanische Föderation mit militärischen Mitteln wieder zu beleben. 1885 fiel er im Krieg gegen El Salvador. Unter seinem Nachfolger, dem General Manuel Barillas, entspannten sich die Beziehungen zu El Salvador und den anderen zentralamerikanischen Ländern wieder. 1892 wurde José María Reína Barrios, der Neffe Justo Rufino Barrios’, Präsident. Ihm gelang der Anschluss Guatemalas an den kurzlebigen zentralamerikanischen Bund. 1898 fiel er einem Attentat zum Opfer.

Von 1898 bis 1920 beherrschte Manuel Estrada Cabrera diktatorisch das Land. Er lehnte sich außenpolitisch eng an die USA an und zog finanzstarke US-amerikanische Unternehmen, insbesondere die United Fruit Company, ins Land. 1906 organisierte der frühere Präsident Barillas einen Aufstand gegen das Cabrera-Regime; der Aufstand weitete sich bald in einen Krieg aus, in den fast ganz Zentralamerika verwickelt war. Durch die Vermittlung des US-Präsidenten Theodore Roosevelt und des mexikanischen Präsidenten Porfirio Díaz konnte der Konflikt jedoch beigelegt werden.

In den zwanziger Jahren kam es unter den Präsidenten Carlos Herrera, José María Orellana und Lázaro Chacón infolge der Weltwirtschaftskrise und grassierender Korruption zu politischen Unruhen, die 1930 schließlich in einer Revolution gipfelten. Im Februar 1931 wurde General Jorge Ubico Castañeda zum neuen Präsidenten gewählt. Unter seiner Regierung erlebte Guatemala aufgrund forcierten Kaffee- und Baumwollexports einen neuen wirtschaftlichen Aufschwung. Auf der anderen Seite mehrten sich die sozialen Unruhen, die Ubico mit Gewalt zu unterdrücken suchte. Im Juni 1944 wurde Ubico zum Rücktritt gezwungen.

7.3

Demokratische Reformen

Im Dezember 1944 wurde Juan José Arévalo zum neuen Präsidenten gewählt. Er leitete verschiedene demokratische Reformen ein, die in der Verabschiedung einer neuen Verfassung mündeten. Im September 1945 bekräftigte Guatemala mit Hinweis auf einen Vertrag von 1859 seinen Anspruch auf Britisch-Honduras (heute Belize), eine Forderung, die seit der Gründung der Republik offenstand. Als Großbritannien 1948 zum Schutz seiner Kolonie Marineeinheiten in den Hafen der Stadt Belize entsandte, verschärfte sich der Konflikt; er konnte erst 1981 durch ein Abkommen zwischen Großbritannien, Belize und Guatemala beigelegt werden, jedoch nur vorübergehend.

Obwohl mehr als 20 Versuche unternommen wurden, Arévalo zu stürzen, konnte er seine Amtszeit vollenden. Ihm folgte sein Verteidigungsminister Jacobo Arbenz Guzmán (1951-1954). Er führte die linksorientierte Innenpolitik seines Vorgängers im Wesentlichen weiter: 1952 hob er die Mindestlöhne an, 1953 führte er eine Agrarreform durch, enteignete in- und ausländische Großgrundbesitzer, u. a. in großem Umfang die United Fruit Company, und verteilte das Land an Kleinbauern um. Die Gesamtfläche des umverteilten Landes belief sich auf über 280 000 Hektar.

Anfang 1954 begannen in den USA im Zuge des McCarthyism und vor dem Hintergrund der Enteignung US-amerikanischen Besitzes in Guatemala Stimmen gegen die Regierung Arbenz laut zu werden. Im März 1954 erreichten die USA auf der X. Interamerikanischen Konferenz die Verabschiedung einer antikommunistischen Resolution, die indirekt die Regierung Guatemalas verurteilte. Dem schloss sich die katholische Kirche an: In einem Hirtenbrief rief der Erzbischof von Guatemala zum Aufstand gegen den Kommunismus auf. Die Regierung inhaftierte daraufhin einige Oppositionsführer und verhängte am 8. Juni den Ausnahmezustand.

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