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ArgentinienEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Außer in einem kleinen tropischen Gebiet im Nordosten und im subtropischen Gran Chaco im Norden herrschen in weiten Teilen Argentiniens gemäßigte Klimabedingungen vor. In der Umgebung von Buenos Aires beträgt die jährliche Durchschnittstemperatur 16,1 °C. Die Mittelwerte für Januar und Juli liegen bei 23,3 bzw. 10 °C. In San Miguel de Tucumán im nordwestlichen Argentinien beträgt die durchschnittliche Temperatur im Januar 26,1 °C und im Juli 13,3 °C. Beträchtlich höhere Temperaturen herrschen im Norden, nahe dem Wendekreis des Steinbocks, wo gelegentlich Extremtemperaturen von 45 °C gemessen werden. In den höheren Anden, Patagonien und Feuerland herrschen im Allgemeinen kalte Klimabedingungen vor. Im westlichen Abschnitt von Patagonien liegen die durchschnittlichen Wintertemperaturen bei 0 °C. In den meisten Küstengebieten übt jedoch der Ozean einen gemäßigten Einfluss auf die Temperaturen aus. Die Niederschläge in Argentinien sind durch große regionale Unterschiede gekennzeichnet. Mehr als 1 500 Millimeter Regen fallen jährlich im äußersten Norden, im Süden und Westen jedoch setzen sich allmählich halbtrockene Bedingungen durch. In der Umgebung von Buenos Aires beträgt die jährliche Niederschlagsmenge etwa 950 Millimeter, in der Gegend von San Miguel de Tucumán etwa 970 Millimeter.
Die einheimische Vegetation Argentiniens variiert stark mit den unterschiedlichen Klimazonen und topographischen Regionen des Landes. Die warmen und feuchten nördlichen Gebiete ermöglichen tropische Vegetation mit Palmen, Rosenholz, Guajakbäumen, Jacaranda und Quebrachobäumen (eine Quelle für Tannine). In der Pampa sind die mannigfaltigen Gräser die dominierende Vegetationsform. Abgesehen von den importierten dürreresistenten Baumarten wie Eukalyptus und Akazien sind in dieser Region und im größten Teil Patagoniens keine Bäume zu finden. Die wichtigsten Pflanzengruppen in Patagonien sind Gräser, Kräuter und Sträucher. Das Andenvorgebirge von Patagonien und Teile Feuerlands verfügen über Bestände an Nadelbäumen wie Tannen, Zypressen, Kiefern und Zedern. Kakteen und Dornsträucher kommen vorwiegend in den trockenen Andenregionen des nordwestlichen Argentinien vor. Im Norden ist die Tierwelt sehr mannigfaltig. Zu den Säugetieren dieser Regionen gehören verschiedene Arten von Affen, Jaguare, Pumas, Ozelots, Waschbären, Nasenbären, Tyras (siehe Marder), Ameisenbären, Tapire sowie Pekaris (Nabelschweine). Zur Vogelwelt zählen Flamingos, Kolibris und Papageien. In der Pampa leben Gürteltiere, Pampasfüchse, Pampaskatzen, Rothirsche, Nandus, Greifvögel, Neuweltgeier und Reiher. Einige der hier verbreiteten Arten finden sich auch in Patagonien. Die kalten Andenregionen sind die Heimat von Guanakos, Vikuñas und Kondoren. Nur 6,2 Prozent (2007) des Landes stehen unter Naturschutz. Die größten ökologischen Bedrohungen sind das Jagen und Abholzen im Norden, der intensive Tourismus im Süden und die Überweidung, die fast alle Regionen beeinträchtigt. Argentinien hat die World Heritage Convention und die Ramsar-Konvention über Feuchtgebiete unterzeichnet. Außerdem hat es im Rahmen eines Programms der UNESCO fünf Gebiete zu Biosphärenreservaten erklärt. Die amerikanische Organisation Nature Conservancy hat vor kurzem mit Unterstützung des US-amerikanischen Programms Debt-for-Nature Lebensräume in den patagonischen Anden unter Naturschutz gestellt.
Argentinien hat 40,7 Millionen Einwohner (2008). Die Bevölkerungsdichte beträgt etwa 15 Personen pro Quadratkilometer. Rund 90 Prozent der Bevölkerung sind Weiße, vor allem europäischer Abkunft. Zahlenmäßig fallen besonders Argentinier italienischer Herkunft (36 Prozent) und spanischer Herkunft (29 Prozent) ins Gewicht. Rund 500 000 Argentinier sind deutscher Abstammung. Im Gegensatz zu den meisten lateinamerikanischen Ländern leben in Argentinien wenige Mestizen (Mischlinge zwischen Weißen und Indianern), obwohl ihre Zahl in letzter Zeit zugenommen hat (etwa 5 Prozent der Bevölkerung). Die Zahl der Indianer beträgt rund 35 000. Europäer werden weiterhin offiziell zur Einwanderung ermutigt. Von 1850 bis 1940 ließen sich etwa 6,6 Millionen Europäer im Land nieder. Die Zahl spanischer und italienischer Einwanderer dominiert, doch auch große Anteile an Franzosen, Briten, Deutschen, Russen, Polen, Syrern und auch südamerikanischen Einwanderern sind zu verzeichnen. Seit 1960 nimmt die Einwanderung aus den Nachbarländern Chile, Bolivien und Paraguay zu, die zum Teil illegal erfolgt. Etwa ein Drittel der Bevölkerung lebt im Großraum Buenos Aires, der ungefähr vier- bis fünfmal so dicht besiedelt ist wie Großstädte in der Bundesrepublik Deutschland. Insgesamt leben rund 91 Prozent der Gesamtbevölkerung in städtischen Gebieten (2005).
Wichtige Städte sind u. a. die Hauptstadt Buenos Aires mit etwa 3,02 Millionen Einwohnern; die Universitätsstadt Córdoba (1,37 Millionen); die Binnenhafenstadt Rosario ( 908 000); La Plata (521 000), die Hauptstadt der Provinz Buenos Aires; Mar del Plata (520 000); San Miguel de Tucumán (527 000); Salta (462 000), berühmt für die koloniale Architektur; Mendoza (111 000), Mittelpunkt einer bedeutenden Landwirtschafts- und Weinanbauregion.
Die Amtssprache ist Spanisch. Das argentinische Spanisch hat einen außergewöhnlichen Akzent, der auf den Einfluss der zahlreichen italienischen Einwanderer zurückzuführen ist. Außerdem enthält das Argentinische Redewendungen und Ausdrücke, die in anderen spanischsprachigen Ländern nicht verwendet werden. Die indigene Bevölkerung spricht verschiedene Indianersprachen.
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