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ArgentinienEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Die Nutzung der Wasserkraft entwickelte sich in Argentinien mit hoher Geschwindigkeit. Bedeutende Wasserkraftprojekte wurden z. B. in den siebziger und achtziger Jahren im nördlichen Patagonien durchgeführt (Yaciretá-Staudamm, Staudämme am Río Paraná und Río Uruguay). 40,1 Prozent des Strombedarfs decken Wasserkraftwerke. Kernkraftwerke liefern 8,4 Prozent und Wärmekraftwerke 48,4 Prozent der benötigten Elektrizität (2003).
Auf der Suche nach dem südwestlichen Durchgang zu den Ostindischen Inseln entdeckte der spanische Seefahrer Juan Díaz de Solís im Februar 1516 die weite Flussmündung des Río de la Plata; im Namen Spaniens beanspruchte er die umgebende Region. Sebastiano Caboto, ein italienischer Seefahrer im Dienste Spaniens, erreichte die Flussmündung im Jahr 1526. Nachdem Caboto und seine Mannschaft den Paraná flussaufwärts weitergesegelt waren, errichtete er in der Nähe des heutigen Rosario ein Fort. Die Funde von Silber (spanisch la plata), die Caboto während seines vierjährigen Aufenthalts machte, gaben dem Flusssystem und der umgebenden Region den Namen.
Die Kolonisation der Region begann 1535 mit dem spanischen Soldaten Pedro de Mendoza. Als Militärgouverneur des gesamten Kontinents südlich des Río de la Plata gründete Mendoza im Februar 1536 Buenos Aires. Auseinandersetzungen mit den Indios zwangen ihn fünf Jahre später, die Siedlung aufzugeben. Im Jahr 1538 gründete Domingo Martínez de Irala, einer von Mendozas Offizieren, die Stadt Asunción (heute die Hauptstadt von Paraguay), die erste dauerhafte Siedlung in der Region La Plata. Ausgehend vom Hauptquartier in Asunción, erfolgte schrittweise die spanische Besiedlung des Gebietes zwischen den Flüssen Paraná und Paraguay. Die kleinen Rinderherden, die aus Spanien eingeführt wurden, hatten sich in der Zwischenzeit über die Pampa ausgebreitet und bereiteten damit die Grundlage für eine stabile Agrarwirtschaft. Santiago del Estero, die erste dauerhafte Siedlung auf argentinischem Boden, wurde 1553 von spanischen Siedlern aus Peru gegründet. Santa Fe entstand 1573, im Jahr 1580 begann die Neubesiedlung von Buenos Aires. 1620 war die gesamte Region La Plata verwaltungsmäßig dem Vizekönigreich von Peru unterstellt. Aufgrund der restriktiven Handelspolitik der spanischen Regierung erfolgte die Kolonisation der Region La Plata in den folgenden 100 Jahren nur langsam. Buenos Aires, ein blühendes Handelszentrum für Schmuggelware, wuchs beständig. In der Mitte des 18. Jahrhunderts lebten nahezu 20 000 Menschen in der Stadt. Im Jahr 1776 wurde das Territorium, das die heutigen Länder Argentinien, Chile, Bolivien, Paraguay und Uruguay umfasst, von Peru getrennt und als Vizekönigreich Río de la Plata vereinigt.
Im Juni 1806 wurde Buenos Aires ohne Zustimmung der britischen Regierung von einer britischen Flotte angegriffen. Die Angreifer besetzten die Stadt, wurden aber von den Bewohnern im folgenden August vertrieben. Ein Expeditionskorps, das anschließend von der britischen Regierung nach Buenos Aires entsandt wurde, musste 1807 kapitulieren. Diese Ereignisse hatten weit reichende Konsequenzen: Die spanischen Patrioten wurden bald in der Unabhängigkeitsbewegung aktiv, die im spanischen Südamerika begonnen hatte. Nach der Absetzung von König Ferdinand VII. von Spanien durch Napoleon im Jahr 1808 erreichte die revolutionäre Stimmung in La Plata ihren Höhepunkt. Die Bevölkerung von Buenos Aires verweigerte Joseph Bonaparte, dem Bruder Napoleons, der zu dieser Zeit Inhaber des spanischen Throns war, die Anerkennung. Am 25. Mai 1810 stürzte eine Junta den Vizekönig und errichtete im Namen von Ferdinand VII. einen provisorischen Regierungsrat. Die provisorische Regierung brach kurz darauf mit den Repräsentanten von Ferdinand und unternahm einen Feldzug zur Befreiung des Hinterlandes von La Plata. Obwohl 1812 und 1813 mehrere kleine Siege gegen die angreifenden königstreuen Armeen errungen werden konnten, war die Aktion insgesamt zum Scheitern verurteilt. Der befreite Teil des Vizekönigtums wurde 1813 in 14 Provinzen unterteilt. Im Jahr 1814 wurde der Armeeführer José de San Martín Befehlshaber der nördlichen Armee, welche anschließend entscheidende militärische Erfolge gegen die spanische Herrschaft in Chile und Peru verzeichnen konnte.
In den Jahren 1814 und 1815 entstand im befreiten Gebiet, das nominell noch immer der spanischen Krone unterstand, das Begehren nach völliger Unabhängigkeit. Vertreter der verschiedenen Provinzen versammelten sich im März 1816 in Tucumán. Am darauf folgenden 9. Juli erklärten die Delegierten die Unabhängigkeit von der spanischen Herrschaft und verkündeten die Vereinigten Provinzen von Südamerika (später Vereinigte Provinzen des Río de la Plata). Obwohl ein so genannter oberster Direktor zum Führer des neuen Staates ernannt wurde, war der Kongress nicht in der Lage, eine Einigung über die Regierungsform zu erzielen. Viele der Delegierten, besonders jene aus der Stadt und der Provinz von Buenos Aires (Unitarier), befürworteten die Errichtung einer konstitutionellen Monarchie. Diese Position, die später zugunsten eines stark zentralisierten republikanischen Systems modifiziert wurde, traf auf energischen Widerstand der Delegierten aus den anderen Provinzen, die ein föderales Regierungssystem befürworteten (Föderalisten). Die Spannung zwischen den beiden ideologischen Lagern wuchs zunehmend und entlud sich 1819 in einem Bürgerkrieg. Der Friede wurde 1820 wiederhergestellt, aber die Streitfrage der Errichtung einer Regierung blieb weiterhin ungeklärt. Im Verlauf des folgenden Jahrzehnts herrschte in den Vereinigten Provinzen ein Zustand der Anarchie, der in einem Krieg mit Brasilien (1825-1827) gipfelte, in dem Brasilien unterlag. 1829, nach der Wahl des Generals Juan Manuel de Rosas zum Gouverneur der Provinz Buenos Aires, beruhigte sich die innenpolitische Lage zusehends. Der Föderalist Rosas festigte die guten Beziehungen zu den anderen Provinzen, und erhielt dabei breite Unterstützung der Bevölkerung. Er dehnte rasch seine Macht über die Vereinigten Provinzen aus. Unter seiner diktatorischen Herrschaft wurden alle oppositionellen Gruppen unterdrückt.
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