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ArgentinienEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Unter der Führung von General Justo Urquiza, einem ehemaligen Gouverneur der Provinz Entre Ríos, wurde das diktatorische Regime von de Rosas 1852 durch eine von Uruguay und Brasilien unterstützte revolutionäre Gruppe gestürzt. Im Jahr 1853 wurde eine föderalistische Verfassung angenommen, erster Präsident der Republik Argentinien wurde Urquiza. Nachdem sich die Provinz Buenos Aires geweigert hatte, die neue Verfassung anzunehmen und 1854 ihre Unabhängigkeit erklärte hatte, mündeten die Feindseligkeiten zwischen den beiden Staaten 1859 in einen Krieg. Die Republik Argentinien erzielte im Oktober 1859 einen raschen Sieg, Buenos Aires schloss sich schließlich der Föderation an. Die Provinz war jedoch 1861 das Zentrum einer erneuten Rebellion gegen die Zentralregierung. Angeführt von General Bartolomé Mitre besiegten die Rebellen im September des gleichen Jahres die nationale Armee. Der Präsident der Republik trat am 5. November 1861 zurück. Im Mai des darauf folgenden Jahres wählte der Nationalkonvent Mitre zum Präsidenten und machte die Stadt Buenos Aires zur Hauptstadt. Buenos Aires wurde die reichste und bevölkerungsstärkste Provinz der Union und übernahm zeitweilig die Kontrolle über den Rest des Landes. Unruhen in Uruguay führten 1865 zu einer paraguayanischen Invasion auf argentinischem Territorium, was wiederum den Beginn des blutigen Krieges der Dreierallianz auslöste und 1870 mit dem Sieg von Argentinien, Brasilien und Uruguay endete. Im Lauf des folgenden Jahrzehnts war die Eroberung der Pampa bis zum Río Negro abgeschlossen. Dieser so genannte Wüstenkrieg (1879/80), geführt von General Julio A. Roca, machte ausgedehnte neue Gebiete als Weide- und Farmland zugänglich. 1880 wurde Roca zum Präsidenten gewählt. Nach seinem Sieg wurden Stadt und Provinz Buenos Aires politisch getrennt, die Stadt wurde zum Bundesdistrikt. Ein lang andauernder Grenzstreit mit Chile wurde 1881 beigelegt. Durch eine Übereinkunft beider Länder erhielt Argentinien die östliche Hälfte Feuerlands. Im Jahr 1895 wurde ein Grenzstreit mit Brasilien dem Schiedsgericht der Vereinigten Staaten unterbreitet, das Argentinien etwa 65 000 Quadratkilometer des betroffenen Gebiets zusicherte. Ein 1899 auftretender Konflikt zwischen Argentinien und Chile bezüglich des Grenzverlaufs von Patagonien wurde 1902 mit Großbritannien als Vermittler beigelegt. Von 1880 an setzte in Argentinien eine Phase wirtschaftlicher Hochkonjunktur ein, auch im sozialen Bereich waren große Fortschritte zu verzeichnen. Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts trat das Land als eine der führenden Nationen Südamerikas hervor und übernahm nach und nach eine wichtige Rolle in politischen Fragen der südlichen Hemisphäre. Während des 1. Weltkrieges blieb Argentinien neutral, spielte aber eine führende Rolle als Nahrungsmittellieferant für die Alliierten.
Die im Jahr 1929 einsetzende Weltwirtschaftskrise hatte ernste Auswirkungen auf Argentinien. Arbeitslosigkeit und Armut verursachten enorme soziale und politische Spannungen. Unter der Verwaltung von General Augustín Justo verbesserte sich die wirtschaftliche Situation zwar wesentlich, dennoch nahmen die politischen Unruhen zu und entluden sich 1933 und 1934 in einem Aufstand der Radikalen. In der Periode, die den Präsidentschaftswahlen von 1937 voranging, wurden faschistische Organisationen verstärkt aktiv. Im Mai 1936, nach der Gründung einer Volksfront, vereinigten sich die rechten Parteien zur so genannten Nationalen Front. Letztere befürwortete offen die Errichtung einer Diktatur und unterstützte erfolgreich die Kandidatur von Finanzminister Roberto M. Ortiz für das Amt des Präsidenten. Entgegen den Erwartungen und Forderungen seiner Anhänger unternahm Ortiz wirksame Schritte zur Festigung der Demokratie in Argentinien. Die korrupte Wahlmaschinerie des Landes wurde einer gründlichen Überprüfung unterzogen. Nach dem Ausbruch des 2. Weltkrieges verkündete Ortiz die Neutralität Argentiniens, kooperierte jedoch eng mit anderen Republiken des amerikanischen Kontinents hinsichtlich einer gemeinsamen Verteidigungsstrategie.
Aus gesundheitlichen Gründen überließ Präsident Ortiz im Juli 1940 das Amt des Staatsoberhaupts dem Vizepräsidenten Ramón S. Castillo. Als Konservativer brach Castillo mit der Außen- und Innenpolitik seiner Vorgänger. Auf der Panamerikanischen Verteidigungskonferenz, die im Januar 1942 in Rio de Janeiro abgehalten wurde, waren Argentinien und Chile die einzigen südamerikanischen Nationen, die sich weigerten, die Beziehungen zu den Achsenmächten zu lösen. Castillo, der nach der Abdankung von Ortiz im Juni 1942 offiziell die Präsidentschaft antrat, wurde ein Jahr später vom Militär unter dem Kommando von General Arturo Rawson gestürzt. Nachdem Rawson zum Rücktritt vom Präsidentenamt gezwungen worden war, übernahm General Pedro Ramírez, einer der Anführer des Putsches, das Präsidentenamt übergangsweise. Kurz darauf verbot Ramírez alle politischen Parteien, unterdrückte oppositionelle Zeitungen und erstickte die Überreste der Demokratie in Argentinien. Im Januar 1944 trat eine vollständige Umkehr der Außenpolitik ein, indem die Regierung die Beziehungen mit Japan und Deutschland abbrach. Am 24. Februar 1944 zwang eine Militärjunta Ramírez aus dem Amt. Zentrale Figur dieser Junta war Oberst Juan Domingo Perón, ein Mitglied der Regierung von Ramírez. Trotz der Sympathiebekundungen des Volkes für die Alliierten unterdrückte die Regierung weiterhin die demokratischen Aktivitäten und gewährte deutschen Geheimagenten Zuflucht. Im Juli klagte die US-Regierung Argentinien wegen seiner Unterstützung der Achsenmächte an. Am 27. März 1945 schließlich, als der Sieg der Alliierten in Europa feststand, erklärte Argentinien Deutschland und Japan den Krieg. Im folgenden Monat unterzeichnete die Regierung den Pakt von Chapultepec, einen Beistandspakt unter den amerikanischen Nationen. Im Juni wurde Argentinien Gründungsmitglied der Vereinten Nationen. Kurz danach wurden für Anfang 1946 Wahlen angekündigt.
Mit dem Auftauchen einer neuen Gruppierung, den Peronisten, setzte in Argentinien eine neue Phase in der Politik ein. Ursprünglich als Arbeiterpartei organisiert, sicherten die Peronisten den ärmsten Gruppen der Bauern- und Arbeiterklasse, den Descamisados (den Hemdlosen), eine arbeiterfreundliche Sozialpolitik zu. Die am 24. Februar 1946 abgehaltenen Wahlen zeigten einen klaren Sieg Juan Peróns über seinen politischen Gegner, den Kandidaten einer progressiven Koalition. Im Oktober 1945 heiratete Perón die ehemalige Schauspielerin Eva Duarte, die sich bis zu ihrem Tod 1952 um die Belange der Arbeiterschaft und die sozialen Dienste kümmerte. Im Oktober 1946 verkündete Präsident Perón einen Fünfjahresplan, der die Expansion der Wirtschaft vorantreiben sollte. Im Jahr 1947 deportierte er zahlreiche deutsche Geheimagenten und enteignete etwa 60 deutsche Firmen. Nach diesen Maßnahmen verbesserten sich die Beziehungen zwischen Argentinien und den Vereinigten Staaten von Amerika zunehmend.
Im März 1949 verkündete Perón eine neue Verfassung, die dem Präsidenten der Republik gestattete, eine weitere Legislaturperiode im Amt zu bleiben. Unter Anwendung des neuen Gesetzes nominierte die Peronistische Partei im Juli 1949 Perón wieder als Präsidentschaftskandidaten für 1952. Die Kritik an der Regierung seitens der Oppositionsparteien und der Presse wurde zusehends größer. Mit der Mehrheit der Peronisten im Kongress wurde daraufhin im September desselben Jahres ein Gesetz verabschiedet, das die Inhaftierung jener Personen vorsah, die sich kritisch gegenüber der politischen Führung zeigten. Viele Regimegegner wurden in den folgenden Monaten inhaftiert. Der Kongress leitete weitere Vergeltungsmaßnahmen ein, im Besonderen die Beschneidung der Pressefreiheit. Die führende unabhängige Tageszeitung La Prensa wurde im März 1951 unter starken Druck gesetzt. Im folgenden Monat stimmte der Kongress einem Gesetz zur Enteignung des Blattes zu. Vor den Nationalwahlen im November 1951 (ursprünglich festgesetzt auf Februar 1952) wurden strenge Restriktionen gegen die antiperonistischen Parteien verhängt. Präsident Perón wurde von einer großen Mehrheit wieder gewählt, die Kandidaten der Peronisten gewannen 135 von 149 Sitzen im Abgeordnetenhaus.
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