Auswahl der Encarta-Redaktion
Gute Bücher zum Thema "Insekten fressende Pflanzen", ausgewählt von den Encarta-Redakteuren. Verwandte Elemente
Suche in Encarta
In Encarta suchen nach Insekten fressende Pflanzen |
Windows Live® Suchergebnisse
Windows Live® Suchergebnisse Insekten fressende PflanzenEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Insekten fressende Pflanzen, auch insectivore, carnivore oder Fleisch fressende Pflanzen (lateinisch insectivorus: Insekten fressend; carnivorus: Fleisch fressend), auf nährstoffarmen Böden oder in nährstoffarmen Gewässern wachsende Pflanzen, die ihren Stickstoffbedarf durch das Fangen und Verdauen von Insekten und anderen Kleintieren decken. Auf sauren Moor-, Sumpf- oder Sandböden besteht für Pflanzen ein akuter Mangel hinsichtlich der Stickstoffversorgung, da in diesen Bodensubstraten kaum Bakterien Stickstoff bindender Gattungen vorkommen (siehe Stickstofffixierung). Das Fangen von proteinhaltigen und damit stickstoffreichen Kleintieren – vor allem Insekten – stellt für die hier wachsenden Pflanzen einen Ausweg dar. Auch in nährstoffarmen Gewässern besteht Stickstoffmangel, den manche Wasserpflanzen durch das Fangen von Kleintieren ausgleichen. Insectivore Pflanzen haben drei Fangstrategien entwickelt: (1) Klebfallen: Tiere durch Klebstoff festhalten; (2) Klappfallen: Tiere mit einem Fallenmechanismus aktiv einfangen; (3) Gleitfallen: Tiere in wassergefüllte Trichter oder Kannen stürzen lassen. Man kennt heute etwa zehn Pflanzenfamilien mit insgesamt rund 450 Arten, deren Vertreter Insekten fangen.
Die bekannteste Familie Insekten fressender Pflanzen sind die weltweit mit etwa 80 Arten verbreiteten Sonnentaugewächse, die Kleb- und Klappfallen entwickelt haben. Der für diese Familie namengebende Sonnentau wendet die Klebstoffstrategie an. Tentakelfortsätze seiner rundlichen Blätter scheiden klebrige Tropfen mit Verdauungsenzymen ab. Bleibt ein Insekt an einer Stelle hängen, dann bewegen sich die anderen Tentakel auf das Tier zu und schließen es völlig ein. Durch die zusätzliche Sekretion von Verdauungssäften wird das tierische Protein aufgespalten, so dass die freigesetzten Aminosäuren absorbiert werden können. Die nordamerikanische Venusfliegenfalle kann durch das Zusammenklappen der beiden gezähnten Hälften ihrer Blätter Wirbellose wie Insekten, aber auch kleine Frösche, aktiv einschließen. Ausgelöst wird der Klappmechanismus, wenn das Tier mindestens zwei von drei innen auf jeder Blatthälfte befindlichen Sensorborsten berührt. Die in Mittel- und Südeuropa vorkommende Wasserfalle dagegen ist eine fädige Wasserpflanze, deren Blätter mit einem Deckel versehene Blasen ausbilden. Wenn kleine Wassertiere wie Wasserflöhe oder Mückenlarven die Sensorborsten am Blatt berühren, öffnet sich der Deckel blitzschnell. Durch Unterdruck in den Blasen wird das Tier eingesaugt.
Die Klebstoffstrategie wird (allerdings ohne aktives Bewegen von Tentakeln) auch von den Dreifaltigblattgewächsen in Westafrika, den Regenbogenpflanzen in Australien und den Taublattgewächsen in Portugal verfolgt. Die Kannenpflanzen auf Borneo hingegen, die Sumpfkruggewächse im Südwesten Australiens, die Trompetenpflanzen in Florida und einige Vertreter der Ananasgewächse in Venezuela besitzen aus umgewandelten Blättern gebildete Kannen oder Trichter. Der obere Rand dieser Blattgefäße ist sehr glatt, so dass herumkrabbelnde Insekten abrutschen und in das Verdauungssäfte enthaltende Wasser am Kannengrund stürzen. Die weltweit verbreiteten Wasserschlauchgewächse, die in allen feuchten, zeitweise überfluteten Biotopen vorkommen können, bilden wie die Wasserfalle Saugblasen, die kleine Wassertiere verschlucken. Die einer südafrikanischen Pflanzenfamilie angehörende Taupflanze ist ein etwa ein Meter hoher Strauch mit schmalen, länglichen Blättern, die mit glänzenden Klebtropfen bedeckt sind. An diesen bleiben Insekten kleben, werden aber nicht verdaut, da die Pflanze keine Verdauungsenzyme produziert. Es hat sich vielmehr eine Symbiose entwickelt zwischen dieser Pflanze und einer Blattwanze, welche die gefangenen Insekten frisst und ihren Kot auf die Blätter absetzt; aus dem Kot nimmt die Pflanze dann die Stickstoffverbindungen auf.
Sonnentaugewächse bilden die Familie Droseraceae. Sonnentau bildet die Gattung Drosera, die Venusfliegenfalle heißt wissenschaftlich Dionaea muscipuladie. Dreifaltigblattgewächse bilden die Familie Dioncophyllaceae, Regenbogenpflanzen die Familie Byblidaceae, Taublattgewächse die Familie Drosophyllaceae, Kannenpflanzen die Familie Nepenthaceae, Sumpfkruggewächse die Familie Cephalotaceae und Trompetenpflanzen die Familie Sarraceniaceae. Die insectivore Gattung der Ananasgewächse heißt Brocchinia. Wasserschlauchgewächse bilden die Familie Lentibulariaceae. Die Taupflanze heißt Roridula gorgonias, sie gehört zur Familie Roridulaceae.
© 1993-2008 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. |
© 2008 Microsoft
![]() ![]() |