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GeorgienEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Georgien setzt sich aus neun Regionen zusammen, die eigene Gouverneure und Verwaltungen unterhalten und sich administrativ in Distrikte und Kommunen untergliedern: Gurien, Kachetien, Kwemo-Kartli, Imeretien, Mingrelien-Semo-Swanetien, Mtskheta-Mtianeti, Ratscha-Letschchumi, Samtzche-Dschawacheti und Schida-Kartli. Einen Sonderstatus hat die Hauptstadt Tiflis, die über eine eigene Regierung und einen Stadtrat verfügt. Ebenso wie die Städte Batumi, Kutaissi, Poti, Rustawi und Suchumi genießt sie regionale Unabhängigkeit. Daneben existieren noch die beiden autonomen Republiken Abchasien mit der Hauptstadt Suchumi im Nordwesten und Adscharien mit der Hauptstadt Batumi im Südwesten. Abchasien strebt ebenso wie das nördlich gelegene autonome Gebiet Südossetien die Sezession von Georgien und staatliche Souveränität an.
Georgien war, bezogen auf das Pro-Kopf-Einkommen, einst die reichste Republik der Sowjetunion. Jedoch haben verschiedene Konflikte, wie z. B. die kriegerischen Auseinandersetzungen um Abchasien oder Südossetien, die Entwicklung der Wirtschaft stark mitgenommen. Mit dem Niedergang der Industrie wurde die Landwirtschaft zum wichtigen ökonomischen Faktor; rund 43 Prozent des Landes sind agrarwirtschaftlich nutzbar. Zusammen mit der Forstwirtschaft ist ihr Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) mit knapp 40 Prozent etwas größer als der der Industrie (etwa 20 Prozent) – der Dienstleistungssektor steuert rund 40 Prozent bei. Insgesamt beträgt das Bruttoinlandsprodukt 7,7 Milliarden US-Dollar (2006; Dienstleistungen 62,1 Prozent, Industrie 24,9 Prozent, Landwirtschaft 13 Prozent); daraus ergibt sich ein BIP pro Einwohner von 1 746,90 US-Dollar. Die Kultivierung des sumpfigen Küstenlandes um die Mündung des Rioni brachte viel fruchtbare Landfläche, auf der Tee und Zitrusfrüchte angebaut werden. Weitere Produkte der Agrarwirtschaft sind neben Weizen, Mais, Gemüse und Obst vor allem Weintrauben. Darüber hinaus gehören auch Sonnenblumen, Tabak, Baumwolle sowie Seide zu den Erzeugnissen der Landwirtschaft. Bei der Viehzucht spielt vor allem die Haltung von Rindern und Schafen eine Rolle. Trotz ergiebiger Mineralvorkommen (Mangan, Eisenerz, Molybdän, Gold) und Energieträgern (Kohle, Erdöl) hat die Industrie noch lange nicht ihre einstige Bedeutung wieder erreicht. Produkte aus der Eisen- und Stahlerzeugung, Erdöl sowie Erzeugnisse der Erdöl verarbeitenden Industrie sind (neben Wein) wichtige Exportgüter. Vielversprechend ist die rund 900 Kilometer lange, im April 1999 in Betrieb genommene Erdölpipeline. Sie verbindet die aserbaidschanische Hauptstadt Baku, mit ihren Fördereinrichtungen im und am Kaspischen Meer, mit dem Verladeterminal von Supsa (nahe Poti) am Schwarzen Meer. Mit ihr sind Erdöllieferungen nach Westeuropa möglich. Die Heilbäder und Badeorte an der Schwarzmeerküste sind beliebte Reiseziele. Allerdings machten der Konflikt um Abchasien und die noch immer unsichere Situation in dieser Region den Fremdenverkehr praktisch unmöglich. 1995 wurde der Lari (abgekürzt: GEL) als georgische Staatswährung eingesetzt. Ein Lari entspricht 100 Tetri.
Der aufsehenerregende Fund eines 1,8 Millionen alten Schädels auf einem Vulkanplateau unterhalb der Ruinen von Dmanisi südwestlich von Tiflis im Jahr 2001 bewies, dass der Frühmensch Homo erectus (siehe Evolution des Menschen) bereits erheblich früher aus seiner Heimat Afrika auszog und über Asien nach Europa einwanderte als bis dahin angenommen. Dieses Fossil und weitere Zeugnisse steinzeitlicher Behausungen vor allem aus dem Acheuléen, die von den Küsten des Kaspischen und Schwarzen Meeres bis hinauf ins kaukasische Hochland verstreut sind, belegen, dass das heutige Georgien zu den ältesten Siedlungsgebieten der Menschheit in Eurasien zählt. Durchgehend lässt sich die Besiedlung der Region 4 000 Jahre weit zurückverfolgen. Eine erste kulturelle Hochblüte erlebte sie zu Zeiten der Königreiche Diaochi und Kolcha, die etwa vom 13. bzw. 11. bis ins 8. Jahrhundert v. Chr. existierten. Mit zu dieser Blüte beigetragen haben dürfte der Reichtum an Metallen wie Gold, Silber, Kupfer und Eisen. Sie machten den Kaukasus zum Erzgebirge und zur Waffenschmiede der Bronzezeit, was auch in griechischen Mythen wie von Jason und den Argonauten auf der Suche nach dem Goldenen Vlies Widerhall findet. Archäologische Funde am Siedlungshügel Didi Gora in der Ebene des Alasani in der östlichen Provinz Kachetien deuten auf intensive Kontakte zur Ägäis und zu Westanatolien in der damaligen Zeit hin.
Ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. kolonisierten ionische Griechen den westlichen (Kolchis) und den östlichen (Iberien) Teil der Region. Etwa 200 Jahre zuvor waren die ethnischen und kulturellen Grundlagen der heutigen Georgier gelegt worden. Obwohl sich ihre Abstammung aufgrund vielfältiger Völkervermischungen im Lauf der Jahrtausende nur schwer nachvollziehen lässt, betrachten sich die Georgier selbst als Abkömmlinge eines höherwertigen Volkes der Kaukasier, genauer gesagt als Kartwelier, ein zur Herrschaft über andere Kaukasusvölker berufenes Herrenvolk. Davon kündet auch der Name Sakartvelo („Land der Kartwelier”), die offizielle Staatsbezeichnung für Georgien, das im Übrigen weniger – wie propagiert – auf den heiligen Georg als auf georgos, das griechische Wort für Bauer, zurückgehen dürfte. Etwa im 4. Jahrhundert n. Chr. wurde Georgien christianisiert. Bis zum 7. Jahrhundert rangen das Persische Reich und Byzanz um die Vormacht in der Region, die inzwischen in mehrere Fürstentümer zerfallen war. Umgeben von heidnischen Nachbarn und im Kampf gegen muslimische Araber und Seldschuken spielte das einigende Band des christlichen Glaubens eine wichtige Rolle bei der Herausbildung einer Nation, die mit der Gründung eines vereinigten georgischen Königreiches spätestens unter David IV. („dem Erbauer”) im 12. Jahrhundert abgeschlossen war. Im 14. Jahrhundert wurde dieses Königreich von den Mongolen zerstört; später kam der Osten an Persien und der Westen an das Osmanische Reich. Mitte des 18. Jahrhunderts entstand ein neues georgisches Königreich, das jedoch 1783 unter russisches Protektorat kam und 1801 von Russland annektiert wurde. Im Mai 1918 nutzten georgische Separatisten die Schwäche Russlands infolge des 1. Weltkrieges und der Oktoberrevolution, um mit Rückendeckung des Deutschen Kaiserreiches eine kurzlebige unabhängige Demokratische Republik Georgien auszurufen. 1921 von der Roten Armee besetzt und in eine Sowjetrepublik umgewandelt, wurde Georgien 1922 mit Aserbaidschan und Armenien in der Transkaukasischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik (TSFSR) zusammengefasst und nach deren Auflösung 1936 als Grusinische (Georgische) Sozialistische Sowjetrepublik eine eigene Republik der UdSSR.
Zu Sowjetzeiten rigoros unterdrückt, regten sich im Zuge der Perestroika Michail Gorbatschows Ende der achtziger Jahre sofort Unabhängigkeitsbestrebungen unter den Völkern Georgiens, und schwelende Nationalitätenkonflikte flammten wieder auf. Georgien war eine der ersten Republiken, die aus dem Verband der UdSSR ausscherte, indem es sich bereits im April 1991 zum souveränen Staat erklärte. Um ihre kulturelle Identität wiederherzustellen, wollten sich die vom iranischen Reitervolk der Alanen abstammenden Osseten des autonomen Gebietes Südossetien von Georgien lösen, um sich mit der benachbarten Nordossetischen Autonomen Republik zu vereinigen. Die überwiegend sunnitischen Abchasen, deren Wurzeln auf dem Balkan liegen und deren Land Anfang der zwanziger Jahre als autonomer Teil in die Grusinische Sowjetrepublik eingegliedert worden war, taten es ihnen gleich.
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