Windows Live® Suchergebnisse
Windows Live® Suchergebnisse Wiktor TschernomyrdinEnzyklopädieartikel
Wiktor Tschernomyrdin, auch Černomyrdin, (*1938), russischer Politiker, Ministerpräsident von Russland (1992-1998). Wiktor Stepanowitsch Tschernomyrdin wurde am 9. April 1938 in Tschornij Otrog geboren. Seit 1961 Mitglied der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU), studierte er am Polytechnischen Institut in Samara und arbeitete nach seinem Dienst in der Roten Armee sieben Jahre lang als Ingenieur in einer Ölraffinerie. 1973 wurde er stellvertretender Chefingenieur, dann Direktor des Gaskombinats Orenburg. Ab 1982 amtierte Tschernomyrdin als stellvertretender Minister und von 1985 bis 1989 als Minister für die sowjetische Gasindustrie. Von 1986 bis 1990 war er außerdem Mitglied des Zentralkomitees der KPdSU. Im Mai 1992 wurde er stellvertretender Ministerpräsident und im Dezember 1992 schließlich Ministerpräsident von Russland. Tschernomyrdin wurde gegen den Willen von Präsident Boris Jelzin, seinem langjährigen Freund und Kollegen, zum Ministerpräsidenten gewählt. Letzterer hatte eine weitere Kandidatur des amtierenden Ministerpräsidenten Yegor Gaidar befürwortet. Als neuer Ministerpräsident kritisierte Tschernomyrdin die Privatisierungsmaßnahmen als zu schnell umgesetzt und verglich sie mit der Zwangskollektivierung der Landwirtschaft in den späten zwanziger und frühen dreißiger Jahren unter Jossif Stalin (1924-1953). Trotz seiner Kritik an seinem Vorgägner führte Tschernomyrdin Gaidars Reformprogramm ohne große Änderungen fort. Er hielt auch eine Rückkehr Gaidars für möglich und versprach, Gegner der Wirtschaftsreformen aus der Regierung zu entfernen. Tschernomyrdins Politik stieß an beiden Enden des politischen Spektrums in Russland auf Kritik: 1993 kritisierte Ruslan Chasbulatow, dass Tschernomyrdin Gaidars Politik der raschen Wirtschaftsreformen weiterführte; der frühere Wirtschaftsminister Andrej Netschajew (1992-1993) beklagte u. a., dass er ausschließlich Funktionäre aus dem alten sowjetischen Apparat einstellen würde. Im Mai 1995 gründete Tschernomyrdin die Partei „Unser Haus Russland”. Im März 1998 löste Präsident Jelzin die Regierung Tschernomyrdin auf, im April 1998 wurde der ehemalige Energieminister Sergeij Kirijenko als sein Nachfolger bestätigt. Im Juni 1998 wurde Tschernomyrdin Aufsichtsratsvorsitzender von Gasprom, dem größten Erdgasproduzenten der Welt. Nach der Entlassung der Regierung Kirijenko im August 1998 präsentierte Boris Jelzin erneut Tschernomyrdin als seinen Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten; die Duma lehnte ihn jedoch ab, entschied sich stattdessen für Jewgenij Primakow. Im April 1999, während des Kosovokrieges, wurde Tschernomyrdin von Jelzin zum Sonderbeauftragten für Jugoslawien ernannt, als der er neben dem Vermittler der EU, dem finnischen Präsidenten Martti Ahtisaari, wesentlichen Anteil am Zustandekommen des Friedensplanes der G-8-Staaten für den Kosovo hatte. Bei den Duma-Wahlen im Dezember 1999 erreichte Tschernomyrdins Wahlbündnis „Unser Haus Russland” lediglich etwa 1 Prozent der Stimmen – gegenüber 10 Prozent bei den Wahlen von 1995. Tschernomyrdin selbst zog mit einem Direktmandat in die Duma ein; in seinem Wahlkreis, der nordsibirischen Jamal-Region, liegen die größten Erdgasvorkommen Russlands, Gasprom ist hier der bedeutendste Arbeitgeber. Im Mai 2001 wurde Tschernomyrdin von Staatspräsident Wladimir Putin zum russischen Botschafter in der Ukraine ernannt; in dieser Funktion soll er sich vor allem um den Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Ländern bemühen.
© 1993-2008 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. |
© 2008 Microsoft
![]() ![]() |