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    Anselm, heiliger um 1033/34 bis 1109, Theologe, Philosoph und Geistlicher, dessen Beweis der Existenz Gottes immer noch umstritten ist.

  • Anselm von Canterbury – Wikipedia

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Heiliger Anselm

Enzyklopädieartikel

Heiliger Anselm (um 1033/34 bis 1109), Theologe, Philosoph und Geistlicher, dessen Beweis der Existenz Gottes immer noch umstritten ist.

Anselm wurde als Sohn einer wohlhabenden Familie in Aosta (Norditalien) geboren und trat 1060 dem von dem englischen Prälaten Lanfranc geführten Benediktinerorden in Bec (Normandie) bei. Später, nachdem Lanfranc nach England berufen und zum Erzbischof von Canterbury ernannt wurde, wurde Anselm zum Abt von Bec gewählt. Während dieser Jahre wuchs sein Ansehen aufgrund seiner Studien und seiner Frömmigkeit und die Mönche forderten ihn auf, die Meditationen aufzuschreiben, die seinem Unterricht zugrunde lagen. Daraufhin verfasste er das Monologium (1077, Selbstgespräch), worin er – über den Einfluss des heiligen Augustinus von Hippo reflektierend – von Gott als dem höchsten aller Wesen spricht und die Attribute Gottes untersucht. Ermutigt von diesem Erfolg fährt er fort in seinen Bemühungen, seinen Glauben verständlich zu machen und vollendet 1078 das Proslogion (Gespräche), den zweiten Teil dessen, was im 18. Jahrhundert als ontologischer Gottesbeweis bekannt werden sollte.

Anselm vertrat die Auffassung, dass auch diejenigen, welche die Existenz Gottes anzweifeln, ein gewisses Verständnis von dem, was sie anzweifeln, haben müssen. Das ist das Verständnis von Gott als einem Wesen, das von nichts denkbar Größerem überragt werden kann. Vorausgesetzt, dass eine Existenz außerhalb des Geistes größer ist als innerhalb desselben, wäre es ein Widerspruch, an der Existenz Gottes zu zweifeln, da der Zweifler davon ausgehen würde, dass es etwas größeres gibt als ein Wesen, das von nichts denkbar Größerem überragt werden kann. Folglich ergibt sich per Definition, dass Gott notwendigerweise existiert.

Der Hauptpunkt in der Kritik an Anselms Beweisführung ist die Überlegung, dass man durch die bloße Definierung von etwas nicht auf dessen Existenz außerhalb des Geistes schließen kann. Anselms Argumentation wurde sowohl von einem seiner Zeitgenossen, dem Mönch Gaunilo von Marmoutier, angefochten, wie auch von den späteren Philosophen Thomas von Aquin und Immanuel Kant. Immerhin haben René Descartes, Baruch Spinoza, Gottfried Leibniz und einige zeitgenössische Philosophen ähnliche Argumente vorgebracht.

Im Jahr 1093 wurde Anselm zum Nachfolger von Lanfranc als Erzbischof von Canterbury berufen. Als Erzbischof geriet Anselm in Konflikt mit König Wilhelm II., Nachfolger von Wilhelm dem Eroberer, und zwar wegen der Befreiung der Kirche von der Obrigkeit des Königs. Sowohl in wie auch außerhalb Englands und während des Exils in Italien führte Anselm ein Leben voller Konflikte mit den weltlichen Machthabern. Jedoch setzte er seine theologischen Überlegungen trotz dieser Machtkämpfe weiter fort und schrieb Cur Deus Homo (deutsch: Warum Gott Mensch wurde), eine Studie über die Inkarnation und Kreuzigung Christi, als Weg der Sühne für die Sünden der Welt.

Im Jahr 1100, als Heinrich I. die Nachfolge des englischen Thrones antrat, kehrte Anselm nach Canterbury zurück. Kontroversen mit dem König im Investiturstreit endeten für Anselm mit einer erneuten Verbannung, aus der er erst 1106 zurückkehrte. Am 21. April 1109 starb Anselm in Canterbury. 1163 wurde er heiliggesprochen und 1720 zum Kirchenlehrer erklärt. Sein Feiertag ist der 21. April.

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