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Schilddrüse

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SchilddrüseSchilddrüse
Artikelgliederung
1

Einleitung

Schilddrüse, Drüse des endokrinen Systems, die beim Menschen und bei fast allen Wirbeltieren den Grundumsatz steuert.

2

Bau und Funktion

Die Schilddrüse ist nach ihrer Lage benannt: Sie liegt im unteren Halsbereich unmittelbar vor bzw. neben dem Schildknorpel des Kehlkopfes. Beim Menschen ist sie ein bräunlich rotes, schmetterlingsförmiges Organ und besteht aus zwei Lappen (Lobi), die über eine Brücke (Isthmus) miteinander verbunden sind. Im Bindegewebe der Drüse eingebettet sind zu Follikeln angeordnete Epithelzellen. Sie erzeugen das tyrosinhaltige Protein Thyreoglobulin, das sich in der Mitte der Follikel in Form eines Kolloids sammelt und dort gespeichert wird. Durch Hydrolyse der Molekülseitenketten und Anlagerung von Iod werden bei Bedarf zwei Hormone synthetisiert: Thyroxin (auch Tetraiodthyronin) und Triiodthyronin. Letzteres ist deutlich wirksamer und stellt nach der Ausschüttung im Blut die aktivierte Form des Thyroxins dar. Ein weiteres Hormon, Calcitonin, wird in den so genannten C-Zellen nahe den Follikeln im Bindegewebe gebildet.

Die Hormone der Schilddrüse regulieren den Stoffwechsel in vielfältiger Weise: Thyroxin und Triiodthyronin lösen die Synthese wichtiger Enzyme des Zellstoffwechsels aus und regen die Zellatmung an. Dadurch wird die Sauerstoffaufnahme der Mitochondrien erhöht und Körperwärme freigesetzt. Werden die Hormone über einen längeren Zeitraum hinweg ausgeschüttet, senken sie den Cholesterinspiegel im Blut und greifen in den Zuckerstoffwechsel ein. So bewirken sie einen Abbau von Reservefett und Glykogen (Speicherstärke) in der Leber und die Neubildung von Glucose. Die Hormone beeinflussen auch andere Drüsen des endokrinen Systems. Sie sind z. B. an der Steuerung der Gehirnentwicklung und der Reifung der Geschlechtsorgane beteiligt; bei Amphibienlarven lösen sie die Metamorphose zum ausgewachsenen Tier aus. Calcitonin reguliert im Zusammenspiel mit den aus der Nebenschilddrüse stammenden Hormonen Parathormon und Calcitriol den Calcium- und Phosphatgehalt des Blutes und die Freisetzung oder Einlagerung von Calciumphosphat in den Knochen.

Die Produktion von Thyreoglobulin – und damit auch die Synthese der davon abgeleiteten Hormone – wird kontrolliert durch das thyreoideastimulierende Hormon (TSH), das in der Hirnanhangsdrüse gebildet wird. Dieses wiederum steht unter Kontrolle des TSH-Releasing-Hormons (TRH) aus dem Hypothalamus. Für die Bildung von Thyroxin und Triiodthyronin benötigt der Organismus relativ viel Iod, das mit der Nahrung und dem Trinkwasser aufgenommen wird. Daher wird Iod, das normalerweise nur in Spuren im Blut und im Zytoplasma von Zellen vorliegt, in der Schilddrüse um den Faktor 500 angereichert. Iodmangel in der Nahrung, typisch für Deutschland und viele andere Regionen, wirkt sich demzufolge besonders stark auf die Hormonproduktion in der Schilddrüse aus.

Siehe auch Ernährung des Menschen

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Erkrankungen der Schilddrüse

Aufgrund des großen Einflusses der Schilddrüse auf den Organismus haben Defekte dieses Organs Auswirkungen auf verschiedene Körperfunktionen. Eine Überaktivität der Schilddrüse (Hyperthyreose), bekannt als Basedow-Krankheit, führt zu gesteigerter Aktivität, erhöhtem Blutdruck und Puls sowie zu Schweißausbrüchen. Bei manchen Betroffenen treten die Augen aus den Höhlen hervor und die Lider sind dauerhaft weit aufgerissen. Man kann die Überfunktion der Schilddrüse mit Propylthiouracil behandeln, das dem Thyroxin entgegenwirkt. Oder man gibt radioaktives Iod in die Blutbahn, das sich in der Schilddrüse konzentriert und dann Schilddrüsengewebe zum Teil zerstört. Hyperthyreose kann aber auch durch eine zerfallende Schilddrüse verursacht sein. In diesem Fall werden große Mengen Thyroxin freigesetzt, die sonst in der Drüse verbleiben. Bei der als Hashimoto-Thyreoiditis bekannten Krankheit wird Schilddrüsengewebe infolge einer Fehlreaktion des Immunsystems zerstört (siehe Autoimmunkrankheit).

Eine Unterfunktion der Schilddrüse äußert sich in allgemeiner Lethargie (gebremste Reaktionen, Müdigkeit und Antriebslosigkeit) sowie einem verlangsamten Stoffwechsel, oft auch in einem Myxödem der Haut. Ursache ist entweder eine Fehlfunktion der Schilddrüse oder ein Defekt der Hirnanhangsdrüse. Iodmangel in der Nahrung führt ebenfalls zur Unterfunktion der Schilddrüse, kann aber eine Überfunktion hervorrufen, wenn sich die Schilddrüse infolge des Iodmangels vergrößert (siehe Kropf). Um das zu vermeiden, setzt man dem Speisesalz Iod zu. Dennoch leiden etwa 30 Prozent aller Menschen in Deutschland unter einer veränderter Schilddrüse aufgrund von Iodmangel. Solche Veränderungen können auch genetisch bedingt sein (erbliche Veranlagung).

Kretinismus ist eine angeborene Unterfunktion der Schilddrüse, die etwa jeden 6 000. Neugeborenen betrifft. Bleibt die Krankheit unerkannt, so folgt in fast allen Fällen eine geistige Minderentwicklung oder Behinderung des Kindes sowie Zwergwuchs, auch reifen die Geschlechtsorgane nicht aus. Da eine möglichst frühe Diagnose der Erbkrankheit das verhindern kann, werden heute Neugeborene auf ihre Schilddrüsenfunktion hin getestet. Zur Vorbeugung des Kretinismus muss das fehlende Thyroxin von Geburt an eingenommen werden.

In Labortests kann die Schilddrüsenaktivität exakt gemessen werden, etwa durch Messung von Thyroxin und Triiodthyronin im Blut. Bei Personen mit einem fühlbaren Knoten oder Klumpen an der Schilddrüse kann die Messung mit radioaktiv markiertem Iod durchgeführt werden, um einen Tumor zu erkennen. In den meisten Fällen wachsen Tumoren der Schilddrüse langsam und sind nicht gefährlich. Die Schilddrüse ist besonders anfällig für schädliche Strahlung: In den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts traten gehäuft Fälle von Schilddrüsenkrebs bei Patienten auf, die in ihrer Kindheit oder Jugend höheren Dosen von Röntgenstrahlung zur Behandlung von Akne, Pilzinfektionen oder Tonsillitis (Mandelentzündung) ausgesetzt waren.

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