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Artikelgliederung
Ritter (mittelhochdeutsch: Reiter), soziale Gruppe der feudalen Gesellschaft und zentrales Element mittelalterlicher Kriegsführung. Ritter kämpften grundsätzlich zu Pferd und benutzten dazu spezielle Schlachtrösser; die Kavallerie dominierte die mittelalterlichen Ritterheere. Schutz für den Ritter boten anfangs Kettenhemden, die im Laufe der Zeit durch immer schwerere Rüstungen ersetzt wurden, sowie ein Schild. Als Waffen wurden Schwert, Lanze und Dolch, aber auch Streitaxt, Morgenstern etc. verwendet. Der Umgang mit Waffen wurde geübt und in Turnieren erprobt. Als soziale Gruppe waren die Ritter adeliger Abstammung, später kamen jedoch Ministerialen hinzu. Im Rahmen des Lehenssystems bestand ein wechselseitiges Treueverhältnis zwischen Lehensgeber und Lehensnehmer. Wichtigste Pflicht der Ritter war der Kriegsdienst. Im Heerschild wurden die Ritter zusammengefasst und zugleich differenziert; im späten Mittelalter bezeichnete der Begriff dann nur noch den niederen Adel. Die Aufnahme in den Ritterstand war ritualisiert (Ritterschlag); der Ritterstand bildete eine relativ einheitliche Lebensweise aus (Rittertum), zu der u. a. das Leben in der schützenden Burg gehörte. Faktisch gehörte zu dieser Lebensweise die permanente Ausübung von Gewalt. Es gibt Berichte, wonach etliche Ritter eine regelrechte Lust an der Grausamkeit entwickelten und zum Schrecken ganzer Landstriche wurden. Richtete sich die Gewalt gegen einen Ebenbürtigen, so bezeichnete man diesen Konflikt als Fehde.
Gewalttätigkeit, Stärke und Tapferkeit waren unter Rittern anerkannte Werte. Als populäre Vorbilder dienten u .a. König Artus, Alexander der Große, Hannibal und El Cid. Daneben wurde immer stärker eine Idealisierung der eigenen Lebensweise spürbar, für die insbesondere Minnesänger, Troubadoure und Dichter höfischer Epen wie Wolfram von Eschenbach oder Hartmann von Aue verantwortlich zeichneten. Höhepunkt dieser verfeinerten ritterlichen Kultur waren das 11. und 12. Jahrhundert. Das Statusdenken der Ritter schloss eine Verachtung waffenloser Schichten ein, insbesondere von Kaufleuten, Stadtbewohnern und Bauern. Die katholische Kirche unternahm immer wieder Anstrengungen, die Ritter zu pazifizieren und die teilweise verheerenden Fehden einzuschränken (Gottesfriede). Auf der anderen Seite war sie bemüht, die ritterliche Gewalttätigkeit zu kanalisieren und ihrem Kreuzzugsgedanken dienstbar zu machen. In diesem Zusammenhang wurde Grausamkeit anerkannt und belohnt, so etwa, als bei der Eroberung Jerusalems 1099 ein aufsehenerregendes Massaker an Juden und Muslimen angerichtet wurde. Die Ritter waren der soziale Träger der europäischen Expansion in den Nahen Osten während der Kreuzzüge. Militärisch waren die klassischen Ritterheere zunächst erfolgreich, erlitten dann jedoch empfindliche Niederlagen (Saladin) und wurden schließlich von den ägyptischen Mamelucken besiegt. Im Kampf gegen die so genannten Heiden entstanden auch Ritterorden wie die Templer, die Johanniter und der Deutsche Orden. Wie in der Heimat richteten die Ritter auch im Nahen Osten ein streng feudales System ein, dessen Nutznießer sie waren. Die sozioökonomische Herrschaft der Ritter basierte auf der Verfügung über Land und Leute sowie der Ausübung von Ämtern und nutzbringenden Hoheitsrechten (Feudalismus). Dieses Herrschaftsverhältnis musste zwar immer wieder mit Gewalt gegen aufrührerische Bauern gesichert werden, doch prinzipiell war es anerkannt, zumal es von der Kirche als gottgewollt dargestellt wurde.
Die zunehmende Konzentration von Ländereien beim Hochadel bzw. die Ausbildung von Landesherrschaften entzog dem einfachen Ritter nach und nach die ökonomische Grundlage. Fortschritte in der Waffentechnik (Armbrust, Langbogen, Feuerwaffen) ermöglichten eine andere, auf Distanzwaffen gestützte Taktik und läuteten den militärischen Niedergang der Ritterheere ein. 1302 in der Sporenschlacht von Kortrijk und 1346 in der Schlacht bei Crécy erlitten französische Ritter schwere Niederlagen: Sie waren zu unbeweglich geworden. In der Folge gewannen die Infanterie, später die Artillerie immer mehr an Bedeutung für das Kriegsgeschehen. Ein weiterer Faktor, der die Bedeutung des Rittertums schmälerte, war das Aufkommen von Söldnerarmeen. Söldner waren zwar kostspielig, beanspruchten aber kein Land, das vererbt und dem Zugriff des Landesherrn entzogen wurde. Mit dem Aufkommen der Städte wurde das Bürgertum zur besitzenden Schicht, insbesondere die Fernkaufleute. Während die Reichsritterschaft durch ein Bündnis mit dem Kaiser ihre Stellung konsolidieren konnte, wurden andere Ritter deklassiert und fristeten schließlich als Raubritter ein ärmliches, verachtetes Dasein. Mit dem realen Niedergang des Rittertums setzte zugleich eine Ritterromantik ein, die sich in Ritterromanen niederschlug und sich bis in zeitgenössische Hollywoodfilme fortsetzte.
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