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Gebärdensprache

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Gebärdensprache, systematische, zeichenhafte Verwendung von Gestik und Mimik, die von Menschen, die keine gemeinsame Sprachgrundlage besitzen oder körperlich nicht in der Lage sind zu sprechen oder zu hören, anstelle von natürlicher Sprache benutzt wird. Systematische Gebärdensprachen entstanden in vielen Teilen der Welt, vor allem bei den verschiedenen Kulturgruppen im ostindischen Bundesstaat Assam und in Australien. Außerdem wurden Handzeichensysteme für Gehörlose entwickelt. Da diese Systeme in verschiedenen Teilen der Welt entwickelt wurden, gibt es keine weltweit einheitliche Gebärdensprache, sondern zum Beispiel deutsche (DGS), amerikanische (ASL) oder chinesische (CSL). Die Komplexität von Gebärdensprache ist durchaus vergleichbar mit gesprochener oder geschriebener Sprache; auch hier kommt es zur Herausbildung von Dialekten und Varianten. Zu einer Gebärdensprache gehören im Allgemeinen zwei verschiedene Zeichenarten: natürliche Zeichen, die Vorstellungen oder Objekte darstellen, und methodische oder systematische Zeichen, mit denen nicht die gesprochene, sondern die geschriebene Sprache wort- oder zeichenweise umgesetzt wird. Eine einfache Form ist das Fingeralphabet, bei der ein Buchstabe des Alphabets einem Zeichen zugeordnet ist. Der Vorteil dieses Systems ist seine einfache Erlernbarkeit, ein Nachteil ist die Langsamkeit der Darstellung. Für Gebärdensprache gibt es auch Transkriptionssysteme.

Durch volle Ausnutzung des so genannten Gebärdenraums können eine Vielzahl gebärdensprachlicher Zeichen sowie grammatischer Funktionen und Einheiten hervorgebracht werden. Temporale Bezüge werden durch Anordnung auf einer räumlich gedachten Zeitlinie ausgedrückt, verschiedene Personen durch unterschiedliche Teilbereiche innerhalb des Gebärdenraums. Fragen werden durch mimische Zeichen signalisiert. Das Mittel der Wiederholung wird zur Wiedergabe von Betonung, Grad und Aspekt angewendet. Pausen in der Abfolge der Gebärden markieren syntagmatische Grenzen. Die „Dynamik” kann durch Verkleinerung bzw. Vergrößerung des Gebärdenraums angezeigt werden. Einen ersten wichtigen Beitrag zur Erforschung der Gebärdensprache leistete der französische Pädagoge Abbé Charles Michel de l’Épée (1712-1789), der 1775 eine von ihm entwickelte Gebärdensprache an einer Pariser Gehörlosenschule einführte. L’Épées System wurde vielfach übernommen und in anderen Ländern verbreitet. Siehe Taubheit

Eine der bekanntesten Gebärdensprachen ist die von den Stämmen der nordamerikanischen Plains entwickelte und als Kommunikationsmittel zwischen Stämmen mit unterschiedlichen Sprachen eingesetzte Zeichensprache. Sie ist in vielerlei Hinsicht das dynamische Gegenstück zu dem auf Wildleder oder Birkenrinde gemalten statischen Bilderschriftsystem der Indianer. Die Handzeichen dieser Zeichensprache stellen in der Natur vorkommende Gegenstände, Vorstellungen, Gefühle und Sinneswahrnehmungen dar. Das Zeichen für einen Menschen weißer Hautfarbe sind zwei Finger, die über die Stirn gezogen werden, was einen Hut andeutet. Es gibt auch eigene Zeichen für jeden Stamm und für bestimmte Flüsse, Berge und andere Landschaftsmerkmale. Die Sinneswahrnehmung von Kälte wird durch eine zitternde Bewegung der vor den Körper gehaltenen Hände angezeigt. Das gleiche Zeichen bedeutet auch Winter und Jahr, da die Indianer die Abfolge der Jahre nach Wintern zählten. Die Gebärdensprache der Indianer ist so weit entwickelt, dass man sich allein mit Zeichen ausführlich unterhalten kann.

Mit Schimpansen wurden Versuche mit Gebärdensprache durchgeführt. Man wollte herausfinden, ob Tiere, die weniger hoch entwickelt sind als der Mensch, zu echter abstrakter Kommunikation im Sinne einer Sprache fähig sind. Die Tiere lernten die Bedeutung mehrerer hundert Ausdrucksgebärden und entwickelten auch selbst einige Zeichen. Umstritten ist, ob diese Ergebnisse ein Beweis für die Fähigkeit zu abstraktem Denken und verbaler Darstellung oder nur komplexe Beispiele für die Einübung mechanisierter Verhaltensweisen sind. Siehe Verhaltensforschung

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