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Boston, Hauptstadt des Bundesstaates Massachusetts in den USA, an der Massachusetts Bay gelegen. Boston ist die größte Stadt sowie das wichtigste Wirtschafts-, Finanz- und Kulturzentrum der Neuenglandstaaten.
Die Wirtschaft Bostons erlebte im ausgehenden 20. Jahrhundert einen erheblichen Strukturwandel. Die Veränderungen gingen zu Lasten traditioneller Industriezweige wie Schiffbau, Maschinenbau, Textilindustrie und Nahrungsmittelproduktion (besonders Fischverarbeitung), die zuvor das Wirtschaftsleben der Stadt prägten. Mittlerweile dominieren im produzierenden Gewerbe neben dem Druckgewerbe und dem Verlagswesen moderne Branchen wie Biotechnologie und Hightechindustrie. Boston hat sich längst zu einem Dienstleistungszentrum entwickelt; die heute führenden Wirtschaftszweige sind Finanzdienstleistungen, Versicherungswesen sowie Forschung und Entwicklung (vor allem in den Bereichen Medizintechnik und Biotechnologie). Der Hafen von Boston, vormals der wichtigste der USA, liegt, gemessen am Warenumschlag, nur noch an 18. Stelle. Über ihn wird nach wie vor ein Großteil des Außenhandels von Massachusetts abgewickelt, doch stiegen Importe (vor allem Rohstoffe) und Exporte (besonders Erdölprodukte) nicht in dem Maß wie in anderen Häfen der USA. Ein großer Teil des öffentlichen Nahverkehrs in Boston wird über die U-Bahn abgewickelt, die erste Linie ging 1897 in Betrieb. Der Logan International Airport befindet sich auf einer rund fünf Kilometer östlich der Stadt gelegenen Halbinsel.
Die Altstadt von Boston gehört zu den ältesten Stadtzentren der Vereinigten Staaten. Hauptattraktionen dieser geschichtsreichen Stadt sind u. a. das Paul-Revere-Haus (1680), die Old North Church (1723), die Faneuil Hall (1742), das Old State House (1748), in dem 1776 die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten verlesen wurde, das Massachusetts State House (1795-1798), das als architektonisches Vorbild des Kapitols in Washington D.C. gilt, und die Trinity Church (1873-1877). Smith Court auf Beacon Hill beherbergt das African Meeting House (1806), die älteste Kirche der afroamerikanischen Bevölkerung in den USA und ein früheres Zentrum der Abolitionisten. Zu den das Stadtbild prägenden neueren Gebäuden gehören das John Hancock Center (1968-1975) mit dem 241 Meter hohen Hancock Tower, das New England Aquarium (1969), die John F. Kennedy Library (1977-1979) und das Boston Design Center (1988). Boston ist ein Zentrum des höheren Bildungswesens der USA, vor allem wenn man auch die Vorstädte hinzurechnet. Die beiden größten Universitäten innerhalb der Stadt sind die Boston University (1839) und die Northeastern University (1898). Im nahen Cambridge liegen die Harvard University (1636) und das Massachusetts Institute of Technology (1861). Das 1881 gegründete Boston Symphony Orchestra ist eines der weltweit führenden Orchester. Zu den meistbesuchten Museen gehören das Museum of Science und das Museum of Fine Arts.
Vor Ankunft der ersten europäischen Forschungsreisenden und Siedler war das Gebiet um Boston von einigen Stämmen der Algonkin bewohnt, die entlang der Küste und der Flusstäler im Landesinneren siedelten. Aus Europa eingeschleppte Krankheiten verringerten ihre Zahl jedoch bis zum 17. Jahrhundert ganz erheblich. Die ersten weißen Siedler, die sich hier dauerhaft niederließen, kamen 1630 an. Es waren Puritaner unter Führung von John Winthrop, der vom nahen Salem nach Boston gekommen war. Ihre primitive Siedlung auf einer kleinen Halbinsel (von der indianischen Bevölkerung Shawmut genannt) wurde im Herbst 1630 zur Stadt erklärt und nach Boston in Lincolnshire (England) benannt. Boston wurde bald Hauptstadt der Massachusetts-Bay-Kolonie und entwickelte sich bis 1750 zu einem bedeutenden Hafen und Handelsposten. Ab den sechziger Jahren des 18. Jahrhunderts nahmen die Spannungen mit England stetig zu. Anlass waren u. a. Steuererhöhungen wie etwa die Zuckerzölle, die das englische Parlament 1764 in Kraft setzte, sowie die Stempelakte von 1765. Offene Gewalt brach schließlich im Boston Massaker am 5. März 1770 aus, als fünf Kolonisten von britischen Soldaten getötet wurden. Die Boston Tea Party am 1. Dezember 1773 war eine Protestaktion gegen die britischen Zölle. Schließlich führte eine von Boston abmarschierende britische Strafexpedition zu den Gefechten von Lexington und Concord am 19. April 1775, die den Beginn des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges markierten. Die Schlacht von Bunker Hill folgte am 17. Juni 1775 in Boston; neun Monate später zogen die Briten aus Boston ab. 1776 wurde in Boston die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten verkündet. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde eine Reihe von Nachbargemeinden eingemeindet, Boston vergrößerte damit seine Fläche um ein Mehrfaches. Einwandererwellen, zunächst aus Irland während und nach der großen Hungersnot, später aus Kanada, Russland und Italien, strömten in die Stadt. Der nach dem 2. Weltkrieg einsetzende Strukturwandel stärkte Bostons wirtschaftliche Position enorm; die Stadt entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Wirtschaftsstandorte an der Ostküste Nordamerikas. Die Einwohnerzahl beträgt etwa 559 000.
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