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Psychiatrie

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Artikelgliederung
1

Einleitung

Psychiatrie, Teilgebiet der Medizin, das sich mit psychischen Störungen befasst. Psychiater diagnostizieren und behandeln nicht nur derartige Erkrankungen, sie führen auch Forschungen zum besseren Verständnis und zur Vorbeugung dieser Schäden durch.

Psychiater sind Fachärzte, die sich nach abgeschlossenem Medizinstudium im Fachbereich Psychiatrie weiterqualifiziert haben. Viele Psychiater bilden sich weiter fort in Psychoanalyse, Kinderpsychiatrie oder anderen Spezialbereichen ihres Fachgebiets. Sie behandeln Patienten in privater Praxis, in allgemeinen Krankenhäusern oder in speziellen Kliniken für seelisch Kranke. Einige Psychiater widmen einen Teil oder ihre gesamte Zeit der Forschung oder erstellen Behandlungsprogramme für Geisteskranke. Im Gegensatz dazu sind Psychologen, die häufig eng mit Psychiatern zusammenarbeiten und häufig die gleichen Patientengruppen behandeln, nicht als Mediziner ausgebildet. Folglich diagnostizieren sie weder körperliche Erkrankungen, noch verordnen sie Medikamente.

Der Bereich der Psychiatrie ist ein ungewöhnlich breites medizinisches Fachgebiet. Seelische Störungen und Geisteskrankheiten können sich auf fast alle Aspekte im Leben des Patienten auswirken, darunter auf Körperfunktionen, Verhalten, Gefühle, Gedanken, Wahrnehmung, zwischenmenschliche Beziehungen, Sexualität, Arbeit und Freizeit. Solche Störungen werden durch ein Zusammenspiel von biologischen, seelischen und gesellschaftlichen Faktoren verursacht, in das bisher kaum Einblick besteht. Aufgabe der Psychiatrie ist es, diese unterschiedlichen Faktoren und Manifestationen (Äußerungen) der Geisteskrankheit zu erklären.

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Geschichtliche Entwicklung

In der westlichen Welt spezialisierten sich Ärzte im 19. Jahrhundert allmählich auf die Behandlung von Geisteskranken. Sie wurden als Nervenärzte bezeichnet und waren zu jener Zeit in großen „Irrenanstalten” tätig. Sie praktizierten dort eine so genannte moralische Behandlung. Damit verfolgten sie einen menschlichen Ansatz, der auf die Beruhigung geistig-seelischer Verwirrung und die Wiederherstellung der Vernunft abzielte. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts kam man von dieser Behandlungsweise ab und damit auch von der stillschweigenden Anerkenntnis, dass seelische Störungen und Geisteskrankheiten sowohl von psychischen als auch von sozialen Einflüssen hervorgerufen werden. Eine gewisse Zeit konzentrierte sich die Psychiatrie ausschließlich auf biologische Faktoren. Medikamente und andere somatische (körperliche) Behandlungen waren üblich. Der deutsche Psychiater Emil Kraepelin bestimmte seelische Störungen und Geisteskrankheiten und ordnete sie zu einem System, das zur Grundlage moderner Diagnostik wurde. Eine weitere wichtige Persönlichkeit auf diesem Gebiet war der Schweizer Psychiater Eugen Bleuler, der den Begriff Schizophrenie prägte und deren Eigenschaften beschrieb.

Die Entdeckung unbewusster Ursachen für ein bestimmtes Verhalten bereicherte die Theorien der Psychiatrie und war in der Folge richtungweisend für die psychiatrische Praxis. Diese Erkenntnisse wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts von den Schriften Sigmund Freuds zum Thema der Psychoanalyse geprägt. Damit wandte sich die Aufmerksamkeit Vorgängen innerhalb der Psyche (der Seele) des Einzelnen zu. Die Psychoanalyse wurde zur bevorzugten Behandlungsmethode für seelische Störungen und Geisteskrankheiten. In den vierziger und fünfziger Jahren kam es nochmals zu einer neuen Gewichtung: Diesmal wurde sozialen und körperlichen Einflüssen mehr Bedeutung beigemessen. Viele Psychiater hatten die biologischen Faktoren der Geisteskrankheiten fast völlig außer Acht gelassen, andere jedoch untersuchten diese und wandten körperliche Behandlungsmethoden wie die Elektroschocktherapie und Psychochirurgie an.

Dramatische Veränderungen in der Therapie seelisch und geistig kranker Patienten begannen Mitte der fünfziger Jahre mit Einführung der ersten wirksamen Arzneimittel zur Behandlung psychotischer Symptome. Neben der medikamentösen Behandlung wurden in Nervenheilanstalten auch neue, fortschrittlichere und menschlichere Verfahren und Behandlungsstrategien eingeführt. In den sechziger und siebziger Jahren behandelte man immer mehr Patienten auch außerhalb geschlossener Anstalten. Die Unterstützung der psychiatrischen Forschung führte zu bedeutenden neuen Erkenntnissen, insbesondere zu Einblicken in die genetischen (erblichen) und biochemischen Ursachen seelischer und geistiger Erkrankungen und in die Funktionsweise des Gehirns. Dadurch verlagerte sich in den achtziger Jahren das Interesse wiederum hin zu den biologischen und eher weg von den psychosozialen Einflüssen auf die geistig-seelische Gesundheit und deren Störungen.

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Diagnose

Psychiater wenden eine Reihe verschiedener Verfahren zur Bestimmung seelischer oder geistiger Störungen an. An erster Stelle steht die psychiatrische Befragung. Dabei wird die psychiatrische Krankheitsgeschichte oder Anamnese des Patienten aufgenommen und sein gegenwärtiger Geisteszustand ermittelt. Die psychiatrische Anamnese liefert ein Bild der Persönlichkeit und der Eigenschaften des Patienten, seiner Beziehungen zu anderen sowie früherer und derzeitiger Erfahrungen mit psychiatrischen Problemen. All das schildert der Patient mit seinen eigenen Worten (manchmal ergänzt durch Aussagen anderer Familienmitglieder). Diese Bestandsaufnahme lässt sich mit der körperlichen Eingangsuntersuchung in der Allgemeinmedizin vergleichen. Es lassen sich daraus Aspekte der geistigen Funktionsfähigkeit des Patienten entnehmen und einordnen.

Einige diagnostische Methoden stützen sich auf Untersuchungen durch andere Fachärzte und Spezialisten. Psychologen führen Intelligenz- und Persönlichkeitstests durch, sowie Tests, mit deren Hilfe Schädigungen am Gehirn oder anderen Bereichen des Zentralnervensystems festgestellt werden. Auch Neurologen untersuchen psychiatrische Patienten auf Schädigungen und Erkrankungen des Nervensystems. Manchmal untersuchen andere Fachärzte Patienten, die über körperliche Symptome klagen. Der Psychiater stellt anhand all dieser Informationen und auf der Grundlage psychiatrischer Kriterien seine Diagnose.

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Behandlung

Die psychiatrische Behandlung lässt sich in zwei Klassen einteilen: organische und nichtorganische Methoden. Organische Behandlungsformen, beispielsweise mit Medikamenten, wirken unmittelbar auf den Körper ein. Nichtorganische Behandlungsmethoden verbessern den Zustand des Patienten auf psychologischem Wege, z. B. durch Psychotherapie oder Veränderung des sozialen Umfelds.

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