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Grippe

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1

Einleitung

Grippe, auch Influenza oder Virusgrippe, durch Influenzaviren (Grippeviren) verursachte akute, zum Teil epidemisch auftretende Infektionskrankheit der Atemwege, bei der schwere Komplikationen wie eine Lungenentzündung auftreten können.

Die hoch ansteckende Grippe ist eine potentiell lebensbedrohende Krankheit, die nicht mit der meist harmlos verlaufenden, auch als grippaler Infekt bezeichneten Erkältung zu verwechseln ist. Influenzaviren gehören zur Familie Paramyxoviridae; sie werden durch Tröpfcheninfektion (etwa durch Husten) oder direkten Körperkontakt (z. B. Händeschütteln) übertragen und vermehren sich in den Schleimhäuten der oberen Luftwege. Die Latenzzeit (Inkubationszeit) beträgt einige Stunden bis wenige Tage; bereits während dieser noch symptomfreien Zeit kann ein Infizierter andere Menschen anstecken. Aufgrund der Schleimhautschädigung wird bakteriellen Krankheitserregern wie Haemophilus influenzae, Pneumokokken, Staphylokokken oder Streptokokken der Weg bereitet, die u. a. eine Lungen-, Herzmuskel-, Mittelohr- oder Gehirnentzündung bewirken können. Durch eine solche Sekundärinfektion erhöht sich das Sterblichkeitsrisiko erheblich. In Deutschland sterben nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Influenza des Robert-Koch-Instituts pro Winter durchschnittlich 7 000 bis 14 000 Menschen an Grippe, im Winter 2004/05 gab es hier sogar 15 000 bis 20 000 Grippetote.

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Symptome

Im Gegensatz zur Erkältung treten die Symptome der Grippe plötzlich auf. Infizierte fühlen sich abgeschlagen und ernsthaft krank. Zu den ersten Krankheitszeichen zählen hohes Fieber (bis 40 °C), trockener Husten und Frösteln oder Schüttelfrost. Hinzu kommen Heiserkeit, Halsschmerzen, Schnupfen sowie Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen, manchmal auch Brustschmerzen und (als Darmgrippe bezeichnete) Durchfälle. In unkomplizierten Fällen gehen die Symptome innerhalb einiger Tage zurück, und die Körpertemperatur normalisiert sich; die gesamte Rekonvaleszenz (Genesung) kann jedoch einen Monat in Anspruch nehmen. Besonders gefährlich ist eine Grippe für ältere Menschen sowie für Patienten, deren Lunge, Herz, Leber oder Nieren vorgeschädigt sind oder die an Diabetes mellitus oder einer Immunschwäche wie einer HIV-Infektion leiden.

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Virustypen und Immunisierung

Drei Typen von Grippeviren, die mit A, B und C bezeichnet werden, wurden jeweils in den Jahren 1933, 1940 und 1950 isoliert. Typ A kommt auch bei Säugetieren und Vögeln vor, B und C nur beim Menschen. Typ B tritt insbesondere bei Kindern und Jugendlichen auf und verursacht eher harmlose Einzelerkrankungen, Typ C ist als Grippeerreger kaum von Bedeutung. Vor allem Typ A löst mit seinen verschiedenen Subtypen häufig Epidemien aus, weil er ständig seine Virushülle ändert, insbesondere das als Antigen wirkende Hüllprotein Hämagglutinin und das für die Freisetzung neuer Viren erforderliche Enzym Neuraminidase. Aufgrund dieser häufigen Mutationen der Typ-A-Viren umgehen sie leicht eine durch Impfung (siehe Immunisierung) oder eine frühere Grippeinfektion erworbene Immunität (siehe Immunsystem). Die RNA (siehe Nucleinsäuren) verschiedener Typ-A-Viren wurde im Eis nordostsibirischer Seen nachgewiesen, wohin die Viren offenbar durch Wasservögel gelangt waren. Das Eis nordischer Seen könnte deshalb ein bedeutendes Virusreservoir sein, weil Grippeviren möglicherweise Jahre oder Jahrzehnte darin überdauern und nach dem Auftauen des Eises wiederum von Wasservögeln weiterverbreitet werden (Journal of Virology, 2006).

Ein Grippeimpfstoff zur vorbeugenden Immunisierung besteht aus inaktivierten Viren, die keine Grippe erzeugen können, aber Antigene aufweisen und deshalb im Organismus die Bildung verschiedener Antikörper veranlassen. Diese Antikörper stehen dann bei einer Infektion zur sofortigen Bekämpfung eventuell auftretender Viren bereit: Bei einer Infektion heften sich die Antikörper spezifisch an die jeweiligen Antigene der Viren und leiten dadurch deren Vernichtung ein. Ein Grippeimpfstoff muss polyvalent sein, d. h. gegen mehrere Erreger wirksam: Man kombiniert Impfstoffe gegen die jeweils aktuell aufgetretenen Subtypen des Typs A mit einem Impfstoff gegen Typ B (der keine Subtypen bildet). Die schnelle Impfstoffentwicklung setzt ein weltweites Beobachtungssystem voraus, um veränderte Viren zu entdecken und dann rechtzeitig den entsprechenden Impfstoff in ausreichender Menge herstellen zu können. Geimpft werden sollten vor allem über 60-Jährige sowie solche Personen, die aufgrund einer Vorerkrankung oder weil sie etwa in einem Krankenhaus arbeiten besonders gefährdet sind. Die Wirkung einer Schutzimpfung hält weniger als ein Jahr vor. Gegen die 2005 aus Asien nach Europa vorgedrungene Vogelgrippe wurde noch kein Impfstoff zugelassen.

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Therapie

Amantadin, ein oral (durch den Mund) verabreichtes Medikament, wird als Vorbeugungsmittel gegen Infektionen mit Grippeviren vom Typ A verwendet. Auch in der Behandlung der ersten Symptome einer Grippeerkrankung, die von diesem Virus verursacht wurde, erzielt das Mittel eine gewisse Wirkung. Amantadin wird bei hoch infektionsgefährdeten Patienten zusätzlich zur Immunisierung eingesetzt. Es hindert die Viren daran, in Zellen einzudringen und ihr Erbmaterial freizusetzen. Zwei weitere Medikamente, Zanamivir und Oseltamivir, die ebenso wie Amantadin bereits in den ersten beiden Krankheitstagen eingesetzt werden müssen, hemmen das Enzym Neuraminidase, auf das Grippeviren (aller Typen) bei ihrer Vermehrung angewiesen sind. Auch Oseltamivir wird zur Prophylaxe (Vorbeugung) verwendet, kann jedoch ebenso wie Amantadin eine Impfung nicht ersetzen. Grundsätzlich ist umstritten, ob antivirale Medikamente überhaupt vorbeugend gegen Grippe eingenommen werden sollten. So zeigte der Einsatz von Oseltamivir bei grippekranken Kleinkindern, dass manche Viren bereits nach viertägiger Behandlung Resistenzen gegen das Medikament entwickelt hatten (Lancet, 2004, 2006). Bei einer sekundären Infektion durch bakterielle Krankheitserreger werden u. a. Antibiotika eingesetzt.

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