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SüdafrikaEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Das Vermächtnis der Apartheid tritt in Südafrika überaus deutlich im Bereich der Erziehung zutage, obwohl die Regierung die Ausgaben für die Ausbildung der Schwarzen seit Mitte der achtziger Jahre wesentlich erhöht hat. Der Anteil der schwarzen Bevölkerung, der lesen und schreiben kann, liegt unter 50 Prozent, während er bei den Weißen 100 Prozent beträgt. Für weiße, farbige und asiatische Schüler herrscht Schulpflicht für eine Dauer von neun Jahren, für schwarze nur in Bezirken, in denen Schulpflicht als Standard festgelegt wurde. Der so genannte Standard-10-Abschluss umfasst eine Schulzeit von 12 Jahren und qualifiziert für das Hochschulstudium. Die wichtigsten Universitäten sind die Universität Kapstadt (gegründet 1829); die Universität von Natal (1910) in Durban und Pietermaritzburg; die Universität des Oranje-Freistaates (1855) in Bloemfontein; die Universität Pretoria (1908); die Rhodes University (1904) in Grahamstown; die Universität Stellenbosch (1918), die University of the Witwatersrand (1922) in Johannesburg; die Universität von Fort Hare (1916) in Alice; die Universität des Nordens (1959) bei Pietersburg; die Universität von Zululand (1960) bei Empangeni; die Medizinische Universität Südafrikas (1976) in Medunsa; die Universität der Transkei (1977) in Umtata und die Universität von BophuthaTswana (1979) in Mafikeng; die Universität des Westkaps (1960) in Bellville und die Universität von Durban-Westville (1961). Mit der Abschaffung der Apartheid begann, insbesondere in den Großstadtgebieten, eine wachsende Zahl von nichtweißen Schülern und Studenten diejenigen Bildungseinrichtungen zu nutzen, die einst den Weißen vorbehalten waren.
Fast alle Städte in Südafrika haben öffentliche Bibliotheken; die größte ist die Johannesburg Public Library. Weitere bedeutende Bibliotheken sind die African Library in Kapstadt; die State Library in Pretoria und die den Hochschulen angeschlossenen Bibliotheken. Wichtige Museen sind das National Museum in Bloemfontein, das archäologische, paläontologische und anthropologische Sammlungen umfasst; das Africana Museum in Johannesburg, das historische und völkerkundliche Sammlungen besitzt; sowie die Michaelis Collection, die South African National Gallery und das South African Cultural History Museum in Kapstadt.
Zu den markanten Kulturleistungen der indigenen Bevölkerung gehören die Felsmalereien der Buschmänner, die Jahrtausende zurückreichen und von denen bisher insgesamt mehr als 15 000 entdeckt wurden, auch in den Nachbarstaaten Angola, Simbabwe, Moçambique und Namibia. Die großflächigen, zweidimensionalen Abbildungen von Tieren, die mit Erdfarben gemalt wurden, gelten als Ausdruck von Jagdmagie und bilden die mythologische Vorstellungswelt der Sammler und Jäger ab, die bis vor etwa 2 000 Jahren das Territorium allein besiedelten. Spätere Werke spiegeln auch das Eindringen der Kolonialisten wider, z. B. in Abbildungen von Schiffen, weißen Soldaten und Tieren, die vorher in der Region nicht verbreitet waren. Parallel zu dieser Form entstanden auch gravierte und geritzte Abbildungen. Siehe auch afrikanische Kunst und Architektur Die bildende Kunst des weißen Bevölkerungsteils war lange Zeit einer traditionellen Ästhetik verpflichtet. Erst nach dem 2. Weltkrieg traten progressivere Künstler wie die Maler Jean Welz (1900-1975), May Hillhouse (1908-1989), Alexis Preller (1911-1975), Bettie Cilliers-Barnard und Walter Battis hervor. Gemäß der heterogenen Bevölkerungszusammensetzung gibt es Literatur in Englisch, Afrikaans und den drei verschrifteten Bantusprachen Zulu, Sotho und Xhosa. Als erster englischsprachiger Roman von Rang gilt The Story of an African Farm (1883) von Olive Schreiner. Die Rassenthematik stand für viele Autoren im Mittelpunkt ihres Schaffens. Zu den namhaftesten Autoren Südafrikas, die in Englisch schreiben, zählen u. a. Alan Stewart Paton, Nadine Gordimer, die 1991 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde, und der Dramatiker Athol Fugard. In Afrikaans schreiben Breyten Breytenbach und André Brink. Bedeutende schwarze Schriftsteller sind Sol Platje, Peter Abrahams und Es’kia Mphalele. Siehe auch afrikanische Literatur Musik und Tanz spielen in der Regel in religiös-spirituellem Kontext und in kommunikativer Funktion traditionell eine wichtige Rolle im Alltagsleben der afrikanischen Völker. Der Tänzer übernimmt auch die Rolle eines Geschichtenerzählers, ursprünglich kreisen die Themen um Jagd, Initiation und Fruchtbarkeit. Oft lässt sich an diesen Ausdrucksformen die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Ethnie ablesen. Siehe auch afrikanischer Tanz; afrikanische Musik
Post-, Telegraphen- und Telefondienste werden von der Regierung betrieben. Das Fernsehen, das seit 1976 besteht, wird bestimmt durch die South African Broadcasting Corporation (SABC), die drei Sender unterhält; zwei davon werden in allen elf Landessprachen ausgestrahlt, einer nur in Englisch. Daneben gibt es zwei private Sender. Der Hörfunk umfasst 16 öffentlich-rechtliche und mehr als 60 regionale Sender (2000). In Südafrika gibt es 18 Tageszeitungen, von denen die meisten in Englisch herausgegeben werden; hierzu gehören The Star, The Citizen und The Sowetan (alle in Englisch) in Johannesburg, The Argus und The Cape Times (beide in Englisch) sowie Die Burger (in Afrikaans) in Kapstadt.
Nach der neuen Verfassung, die am 4. Februar 1997 in Kraft trat, ist Südafrika eine parlamentarische Republik mit präsidialem Regierungssystem. Die neue Verfassung löste die im April 1994 in Kraft getretene Übergangsverfassung ab; sie betont vor allem die Grundrechte und schreibt die Gewaltenteilung mit einem Verfassungsgericht als oberster Instanz sowie das Mehrparteiensystem fest. Die Übergangsverfassung von 1994 wiederum löste das Apartheidsystem ab, das ab 1948 installiert worden war und auf strikter Rassentrennung und der weitgehenden politischen und sozialen Entrechtung der schwarzen Bevölkerungsmehrheit beruhte. Nationalfeiertag ist der 27. April (Freedom Day), der an die Durchführung der ersten freien Wahlen 1994 erinnert.
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