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Windows Live® Suchergebnisse Alfred JarryEnzyklopädieartikel
Alfred Jarry (1873-1907), französischer Schriftsteller. Mit provokanten Theaterstücken wie Ubu roi (Uraufführung 1896; König Ubu) beeinflusste er die Dramatik der Moderne bis hin zum absurden Theater nachhaltig. Jarry wurde am 8. September 1873 in Laval geboren. Nach Anfängen im Stil des Symbolismus erregte er mit seinen grotesken provozierenden Dramen sowie seinem exzentrischen zügellosen Lebensstil große Aufmerksamkeit. Sein erstes Bühnenstück Ubu roi (König Ubu) verfasste er im Alter von 15 Jahren. Es wurde erstmals als Marionettenspiel gezeigt; 1896 inszenierte es Firmin Gémier als Theateraufführung; die Premiere geriet zum Skandal. Ubu roi, das mit dem provokant-poetischen Schrei „Merdre!” („Scheiße!”) einsetzt und sich von der Fabulierkunst Rabelais’ inspiriert zeigt, wirkte nachhaltig auf die Poetik des französischen Dadaismus und Surrealismus. In seiner derb-burlesken Farce greift Jarry auf drastische Weise die bürgerliche Scheinmoral an; er beschreibt anhand der grotesken Figuren König Ubus und seiner Frau, Mutter Ubu, und mit oftmals schwarzem Humor, Habgier, Dummheit und Machtstreben des Kleinbürgers. Mit der Tradition aristotelischer Dramatik wird radikal gebrochen; die brutal-radikale Verweigerung gegenüber einer als überkommen angesehenen Werteordnung („Mordet, zermanscht die Gehirne”) spiegelt sich im Aufbegehren gegen die Regeln der Bühne. König Ubu, zu dem Jarry die Fortsetzungen Ubu enchaîné (1900; Ubu in Ketten) und Ubu coco, (posthum 1944; Ubu Hahnrei) verfasste, gilt heute als erstes Beispiel des absurden Theaters. Ferner verfasste er Gedichte (Les minutes de sable Mémorial, 1894) und schrieb mehrere Romane. Erwähnenswert sind vor allem der surrealistische Roman La Surmâle (1902; Der Supermann) und der erst 1911 posthum erschienene Roman Gestes et opinions du docteur Faustroll, patahysicien (Heldentaten und Ansichten des Dr. Faustroll, Pataphysiker), in dem – wie schon im König Ubu – Fiktion und Realität ununterscheidbar ineinanderfließen. Weitere Werke Jarrys sind das Theaterstück César Antéchrist (1895) sowie die Romane Les jours et les nuits (1897; Tage und Nächte), L’amour absolu (1899; Die absolute Liebe), Messaline (1901, Messalina) und La papesse Jeanne (1908). Seine Dramentheorie legte der Autor 1897 in Questions de théâtre (Theaterfragen) nieder. Alfred Jarry starb am 1. November 1907 in Paris. 1926 gründete Antonin Artaud, dessen Theater der Grausamkeit Elemente der Jarry’schen Dramenkunst integriert, das Théâtre Alfred Jarry. Große Bewunderer des Franzosen waren außerdem Julio Cortázar, Eugène Ionesco und Boris Vian.
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