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Ägypten

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Ägypten (Flagge und Hymne)Ägypten (Flagge und Hymne)
Artikelgliederung
7.4. 1

Frühdynastische Zeit (um 3300 bis 2707 v. Chr.)

Die Verwaltungsaufgaben, die mit der Zentralisierung an Umfang zunahmen, erforderten ein System zur Speicherung von Informationen. Wie ungefähr zeitgleich in Mesopotamien waren soziale Differenzierung und Urbanisierung auch die Geburtsstunde der Schrift (vor 3000 v. Chr.). Schrift diente rasch auch als Medium, um Herrschernamen, später historische Ereignisse zu überliefern. So sind aus den drei der Reichseinigung vorausgehenden Jahrhunderten Inschriften erhalten, die uns meist nur lokal bezeugte Königsnamen überliefern. Diese werden als die so genannte 0. Dynastie zusammengefasst, als deren letzter Herrscher Narmer gilt. Narmer konnte sich bereits in ganz Ägypten, von Hierakonpolis bis ins Nildelta durchsetzen. Dass dieser Prozess nicht unbedingt friedlich verlief, bezeugt die „Schminkpalette” des Narmer, deren Reliefs u. a. Siege Narmers über die Bewohner des Deltas festhalten.

Am Anfang der ägyptischen Königsliste steht der Name Menes. Dem mutmaßlichen Sohn des Narmer wird die Herstellung der Reichseinheit zwischen Ober- und Unterägypten zugeschrieben, die ihn zum ersten gesamtägyptischen Pharao machte. Doch reicht der Prozess der Zentralisierung der Herrschaftsgewalt bis in die Spätzeit der Nakadakultur zurück, als sich – abzulesen an den Nekropolen der Eliten – aus lokalen Zentren allmählich großflächige Territorien formten. Die von Oberägypten ausgehende Reichseinigung war so nur noch eine Frage der Zeit.

Die soziale Komplexität der Reichseinigungszeit spiegelt sich in den Königsfriedhöfen von Abydos, in der die Könige der 1. Dynastie (ca. 3032-2853) bestattet sind. Um das zentrale Königsgrab gruppierten sich erstmals Nebengräber, die der Bestattung von Palastangehörigen dienten. Neue Haupt- und Residenzstadt wurde Memphis an der Schnittstelle zwischen Ober- und Unterägypten, das auch symbolisch die Kluft zwischen den Reichsteilen überbrückte. Die Zeit der 1. und der 2. Dynastie, eine Phase des Übergangs, heißt nach dem Gau Thinis (um Abydos), aus dem die Königsfamilie stammte, „Thinitenzeit”.

7.4. 2

Altes Reich (2707-2216)

Der Übergang von der Frühdynastischen Zeit zum Alten Reich vollzog sich politisch bruchlos. Umso auffälliger ist der Wandel der materiellen Kultur, vom Ziegel zum Stein: Monumentale Steinarchitektur ersetzte die bis dahin verwendeten weniger dauerhaften Baumaterialien; die realistische Steinplastik wurde vorherrschende Ausdrucksform in der bildenden Kunst.

7.4.2. 1
Staat und Gesellschaft

In Staat und Gesellschaft brachen sich die Tendenzen Bahn, die ihren Anfang bereits in der Thinitenzeit genommen hatten: Bürokratisierung und Verschriftlichung. Hatte in der Thinitenzeit der König noch praktisch alle Befugnisse selbst wahrgenommen und durch „Königsreisen” überall Präsenz gezeigt, so entsandte die königliche Residenz in Memphis nun Beamte auf das flache Land, zuständig vor allem für die Eintreibung von Abgaben.

Der Rationalisierung von Abgabenerhebung und Verwaltung diente die Einteilung des Landes in Gaue, die vom König eingesetzten Provinzgouverneuren (Gauvorstehern) unterstanden. Im System der redistributiven Wirtschaft hingen sie vollständig von der Zentrale in Memphis ab – brach sie zusammen, so drohten schwere Versorgungskrisen.

Die fortschreitende Differenzierung der königlichen Verwaltung erforderte von den Spezialisten neue Qualifikationen, die eine geregelte Ausbildung der Beamten unabdingbar machte. Grundlegend für das System der Abgabenerhebung, Magazinierung und Versorgung war die Schrift. Beamte („Schreiber”) wurden deshalb in eigens eingerichteten Schreiberschulen auf ihre Aufgaben vorbereitet. Die Schriftkultur erfasste immer weitere gesellschaftliche Bereiche, im Zuge von Verwaltungsakten um Abgabenerhebung und Versorgung auch die Menschen auf dem flachen Land.

7.4.2. 2
Beziehungen nach außen

Eine Außenpolitik im eigentlichen Sinn kannte das Alte Reich nicht. Da sich die Herrschaft des Pharao nicht auf ein konkret umrissenes Territorium bezog, gab es für die Ägypter praktisch keine Außenwelt. Überall galt es, dem Prinzip Ma’at zur Durchsetzung zu verhelfen. So waren Tonfigürchen, deren rituelles Zerbrechen eine magische Vernichtung von Feinden bezweckte, gewissermaßen außenpolitische Mittel des Alten Reiches.

Militärische Unternehmungen richteten sich vornehmlich auf die Sicherstellung der Rohstoffzufuhr aus Nubien. Durch Beute- und Plünderungszüge suchte man den kostspieligen Zwischenhandel zu umgehen und direkten Zugriff auf die Rohstoffquellen zu erlangen. Anders waren die überseeischen Handelskontakte mit der Levante, vor allem dem Hafen Byblos nördlich des heutigen Beirut, organisiert: Die Ägypter bezogen von dort das als Bauholz und für die Grabeinrichtung unentbehrliche Zedernholz von den Bergen des Libanon. Als „Gegenleistung” opferten die Ägypter Figuren aus Alabaster und andere Artefakte im Tempel der „Herrin” von Byblos. Ähnlich hat man sich den ägyptischen Handel mit dem Land Punt am Horn von Afrika vorzustellen.

Nur geringe Gefahr drohte Ägypten von den Nomadenstämmen der angrenzenden Wüsten. Feldzüge gegen die „Sandbewohner” dienten vor allem der Sicherung von Karawanenstraßen sowie der Erbeutung von Vieh und Gefangenen.

7.4.2. 3
Pyramidenbau

Hervorstechendes, bis heute sichtbares Merkmal des Alten Reiches ist die Monumentalisierung der Grabarchitektur, Stein geworden in den Pyramiden. Bereits die erste Steinpyramide, die unter Leitung des Wesirs Imhotep errichtete „Stufenpyramide” des Djoser (2690-2670 v. Chr.) in Sakkara, verrät das Programm, das den steinernen Zeugen pharaonischer Macht zu Grunde lag: Der Übergang vom Ziegel zum Stein als Baumaterial symbolisiert die angestrebte Ewigkeitsgeltung der Grabanlage. Der tote Pharao wurde so in die Sphäre des Göttlichen entrückt. Die Blüte der Steinplastik im Alten Reich seit Snofru (2639-2604 v. Chr.) fügt sich in denselben symbolischen Zusammenhang. Die Pyramide wies mit ihrer Form unmittelbar auf den Himmel, stand also für den gedachten Himmelsaufstieg des toten Pharao.

Nachfolger Djosers in der 3. Dynastie begannen Pyramidenbauten, führten sie aber nicht zu Ende. Ihre Vollendung erreichte die Symbolik der Pyramide in der 4. Dynastie (2639-2504 v. Chr.), deren erster Herrscher, Snofru, gleich zwei Pyramiden errichten ließ, die „Knickpyramide” und die „Rote Pyramide” in Dahschur, südlich von Sakkara; beide weisen bereits die Charakteristika der späteren Pyramiden (stufenförmiger Kern mit Verblendung aus geglättetem Kalkstein) auf. Snofrus Sohn und Nachfolger Cheops (2604-2581 v. Chr.) sowie dessen Nachfolger Chephren (2572-2546 v. Chr.) und Mykerinos (2539-2511 v. Chr.) ließen sich die Großen Pyramiden von Gise bauen, die dem Konzept der Pyramide idealtypische Gestalt gaben.

Bereits die gegenüber ihren Vorgängern viel kleinere Pyramide des Mykerinos signalisiert einen allmählichen Bedeutungsverlust des Pyramidenbaus und seiner Symbolik. Die 5. Dynastie (2504-2347 v. Chr.) rückte für längere Zeit den Totentempel statt der Pyramide in den Mittelpunkt und stellte mit eigens errichteten Sonnentempeln die Bedeutung des Sonnengottes heraus. Erst am Ende der 5. Dynastie, unter Asosi (2405-2367 v. Chr.) und Unas (2367-2347 v. Chr.) erlebte der Pyramidenbau eine Renaissance, die sich auch auf die 6. Dynastie (2347-2216 v. Chr.) erstreckte.

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