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Ägypten

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Ägypten (Flagge und Hymne)Ägypten (Flagge und Hymne)
Artikelgliederung
7.5. 2

Zweite Zwischenzeit (1794-1550 v. Chr.)

Das verstärkte Einsickern fremdstämmiger Gruppen ins Nildelta fiel zeitlich zusammen mit dem erneuten Zusammenbruch der Reichseinheit. Thronwirren häuften sich, begleitet von einem Erstarken der Gaufürsten. Eine ganz eigene Dynamik gewann die Entwicklung mit der Machtergreifung der Hyksos, der 15. Dynastie (1648-1539 v. Chr.). Gestützt auf die inzwischen breite Schicht von Einwanderern unterstellten sie Unterägypten mit der Hauptstadt Avaris im östlichen Delta ihrer direkten Herrschaft und kontrollierten in Mittelägypten einen Kranz von Vasallenstaaten.

Die Hyksos-Herrscher assimilierten sich offenbar rasch. Als Ausdruck ihrer Einordnung in die ägyptische Tradition fügten sie in ihrem Thronnamen den Namen des Sonnengottes Re ihrem angestammten semitischen Namen hinzu. Sie waren auf Ausgleich mit den benachbarten Kleinkönigtümern Mittelägyptens bedacht, und ihre Herrschaft war keineswegs von solch grausamer Unterdrückung und Fremdherrschaft gekennzeichnet, wie dies spätere ägyptische Quellen in eindeutig tendenziöser Absicht vermitteln wollten.

Wie nach der Zweiten Zwischenzeit ging der Impuls zur Reichseinigung auch diesmal von Theben aus. Theben erkannte wohl anfangs die Oberhoheit der Hyksos an, gab aber gleichwohl niemals den Anspruch auf Herrschaft über Gesamtägypten auf. Die Herrscher der 17. Dynastie (1645-1550 v. Chr.) rüsteten heimlich gegen den Gegner im Norden auf. Sekenenre unternahm einen ersten Vorstoß gegen die mittelägyptischen Vasallen der Hyksos, fiel aber in der Schlacht (um 1570 v. Chr.). Sein Sohn Kamose (1556-1550 v. Chr.) gelangte bis Avaris, konnte die Stadt aber nicht einnehmen. Erst dessen Bruder Amosis I. (1550-1525 v. Chr.), Begründer der 18. Dynastie (1550-1292 v. Chr.) konnte Avaris erobern und die Hyksos vertreiben.

7.6

Neues Reich bis zur Eroberung durch Alexander den Großen (1550-332 v. Chr.)

Die wieder hergestellte Reichseinigung nach der Ersten Zwischenzeit wurde in der kollektiven Erinnerung der Ägypter mit Erlösung aus innerem Chaos und Erneuerung der Ma’at verknüpft. Die Vertreibung der Hyksos am Ende der Zweiten Zwischenzeit empfanden sie als Befreiung. Das Neue Reich entwickelte sich zum straffen Militärstaat mit imperialem Herrschaftsanspruch erstmals auch über das Niltal hinaus.

7.6. 1

Neues Reich (1550-1069 v. Chr.)

7.6.1. 1
Imperiale Expansion

Wie oft in der Weltgeschichte schlugen Befreiung von Fremdherrschaft und Wiedererlangung der inneren Einheit auch im beginnenden Neuen Reich in imperiale Expansion nach außen um. Amosis I. hatte nach der Eroberung von Avaris mit der Vertreibung der letzten Hyksos aus Südpalästina bereits eine neue Grenze gezogen. Hauptziel des ägyptischen Vordringens war die Levante, jene Region, aus der die Hyksos stammten. Unter Thutmosis I. (1504-1492 v. Chr.) erreichte ein ägyptisches Heer erstmals den Euphrat, wo Ägypten mit den Mitanni zusammenstieß, die die Führungsschicht in den syrischen Staaten stellten.

In einem zweiten Anlauf unter Thutmosis III. (1479-1425 v. Chr.), der anfangs gemeinsam mit seiner Stiefmutter Hatschepsut regierte (1479-1458 v. Chr.), intensivierte Ägypten, in Allianz mit den Assyrern, seine Kontrolle des syrisch-palästinischen Raums. Bei Megiddo in Palästina schlug er eine Koalition syrischer Fürsten (1458 v. Chr.) und installierte dann in Syrien systematisch eine direkte Herrschaft Ägyptens, mit Garnisonen, Flottenbasen und einer Provinzialverwaltung, die ein „Vorsteher der östlichen Fremdländer” leitete. Die lokalen Fürsten wurden zu niederen ägyptischen Verwaltungsbeamten degradiert, die der direkten Kontrolle der Krone unterstanden.

Die Rahmenbedingungen für die ägyptische Herrschaft in Syrien änderten sich mit dem Niedergang der Mitanni, die unter den Druck des expandierenden Hethiterreiches gerieten und die Verständigung mit Ägypten suchten. Thutmosis IV. (1397-1388 v. Chr.) knüpfte eine dynastische Verbindung zwischen Ägypten und Mitanni und nutzte die Gelegenheit für weitere Expansion.

Nicht weniger energisch trieben die Herrscher der 18. Dynastie die Expansion im Süden, in Nubien, voran. Unter Thutmosis I. eroberte Ägypten die nubische Hauptstadt Kerma und unterwarf Nubien bis nördlich des 5. Katarakts (unterhalb des heutigen Atbara) und unterstellte es, bei innerer Autonomie, einem Vizekönig. Monumentale Tempelanlagen für den Königskult, für Amun, Ptah und Horus unterstrichen den ägyptischen Anspruch auf Nubien, dessen hohe Tribute, vor allem in Gold, einen wesentlichen Beitrag zur Finanzierung des königlichen Haushalts leisteten.

In eine Krise geriet die ägyptische Hegemonialpolitik während der Amarna-Periode, als innere Konflikte vorübergehend das militärische Potenzial banden und die Expansionskraft lähmten. Die zahlreichen, auf Akkadisch abgefassten Tontafeln der Amarna-Korrespondenz enthüllen, wie die Herrschaft Ägyptens über die Levante seit Amenophis III. (1388-1351 v. Chr.), verstärkt seit Amenophis IV./Echnaton (1351-1334 v. Chr.), ins Wanken geriet: Lokale Machthaber, u. a. aus Byblos, wandten sich mit Bitten um militärische Unterstützung an den Pharao, fanden aber kein Gehör. Syrien-Palästina verwandelte sich für fast 50 Jahre in einen Unruheherd mit Bauernaufständen, Nomadeneinfällen und Adelsrevolten.

Um so kraftvoller nahmen die Nachfolger Echnatons seit Haremhab (1319-1292 v. Chr.) die Expansionspolitik wieder auf. Nicht zufällig blickten Haremhab, ebenso wie sein Nachfolger Ramses I. (1292-1290 v. Chr.) und die meisten anderen Pharaonen der 19. Dynastie (1292-1186 v. Chr.) bei ihrem Herrschaftsantritt auf eine militärische Karriere zurück: Ägypten verwandelte sich in einen Armeestaat. Inzwischen war in Vorderasien das Hethiterreich an die Stelle der Mitanni getreten und rivalisierte mit Ägypten um Positionen in der Levante. Bei Kadesch am Orontes stießen die beiden Großmächte 1275 v. Chr. frontal zusammen. Pharao Ramses II. (1279-1213 v. Chr.) erreichte mit knapper Not ein Remis, rühmte sich aber in seiner Bildpropaganda z. B. in Abu Simbel eines glänzenden Sieges. Nach weiteren erfolglosen Feldzügen gegen das Hethiterreich schloss Ramses schließlich um 1258 v. Chr. mit dem Hethiterkönig Hattusili I. einen Friedensvertrag, den ersten (überlieferten) schriftlichen Friedensvertrag der Geschichte. Darin wurde der Orontes als Grenze der jeweiligen Interessensphären festgelegt.

Die ägyptische Expansion war damit an ihr Ende gelangt. In der Levante, zwischen Ägypten und Hethiterreich, spannte sich ein Flickenteppich kleiner Staaten, die unter der Oberherrschaft der Hethiter (im Norden) und Ägyptens (im Süden) standen. Von hier gingen die Erschütterungen aus, die um 1200 v. Chr. das gesamte System zum Einsturz brachten. Wie bereits in der Amarnazeit entglitt den lokalen Herrschern die Macht, Revolten und Bürgerkrieg breiteten sich aus. Während das Hethiterreich schon kurz nach 1200 v. Chr. zusammenbrach, konnte sich Ägypten unter Ramses III. (1183-1152 v. Chr.) zwar gegen Invasionen im Zuge des so genannten Seevölkersturms (siehe ägäische Wanderung) behaupten, war jedoch mit den Hethitern und den Besitzungen in der Levante seiner strategischen Partner beraubt. Etwa gleichzeitig versiegten die Einkünfte aus den Tributen in Palästina und Nubien. Später entzog sich auch Oberägypten der Kontrolle durch die Ramessiden. Ramses XI. (1099-1069 v. Chr.) musste die Errichtung einer Militärdiktatur in Theben durch den General und Priester Herihor hinnehmen.

7.6.1. 2
Amarna-Periode

Innerhalb des Neuen Reiches sticht der nach der Residenz Echnatons Amarna-Periode benannte Zeitabschnitt ab. Amenophis III. (1388-1351 v. Chr.) verlegte an seinem Sed-Fest, dem Fest zum 30-jährigen Thronjubiläum (1358 v. Chr.), den Regierungssitz weit nach Süden, auf das Theben gegenüber liegende Westufer des Nils (Theben-West). Der Umzug der Hauptstadt eröffnete zugleich eine theologische Revolution, die unter Amenophis’ III. Sohn und Nachfolger, Amenophis IV. (1351-1334 v. Chr.), ihren Höhepunkt erreichte: In radikaler Abkehr von der traditionellen Theologie vollzog Gott Aton, der die Sonnenscheibe personifizierte und sich mit dem König vereinigte, seinen Lauf am Himmel ohne die Begleitung anderer Götter.

Das besondere Hervortreten Atons mit bereits henotheistischer (einen aus einer Vielzahl von Göttern bevorzugenden) Tendenz schmälerte den bisherigen Rang Amuns als Reichsgott und lieferte den Zündstoff für Konflikte mit den thebanischen Eliten, vor allem der Amun-Priesterschaft von Karnak. Zudem stützte sich der König allein auf den aus Memphis mitgebrachten Hofstaat: die königliche Familie und die Hofbeamten.

Aber erst Amenophis IV. vollzog konsequent den Bruch mit der Tradition: Er verlegte erneut die Residenz, diesmal nach Amarna (in der Antike: Achetaton) in Mittelägypten, und leitete den Übergang zu einem echten Monotheismus ein. Er nahm den Namen Echnaton („dem Aton gefällig”) an, tilgte aus allen Inschriften den Namen Amuns, verbot dessen Kult – nicht aber die Tempelorganisation – in Karnak und führte einen dynastischen Kult ein. Als möglicher Grund für die „erste Religionsstiftung in der Geschichte” (Jan Assmann) durch Echnaton wird angenommen, dass er auf diese Weise die Gefahr ausräumen wollte, die von der mächtigen Amun-Priesterschaft für das Königtum ausging. Die neue Religion reflektierte darüber hinaus ein neues Weltbild, das Ägypten nicht mehr als isolierten Mittelpunkt der Welt, sondern eingebettet in ein weiträumiges Staatensystem begriff.

So rasch und radikal wie ihr Aufstieg erfolgte der Fall der Amarna-Theologie Echnatons. Bereits in seinen späteren Regierungsjahren nahm der Pharao, möglicherweise wegen außenpolitischer Probleme, einige seiner Reformen zurück. Nach seinem Tod schlug das Pendel dann zurück: Amun wurde rehabilitiert, die Hauptstadt Amarna aufgegeben, die alten Eliten aus Priesterschaft und Militär kehrten in ihre angestammten Machtpositionen zurück.

7.6. 2

Dritte Zwischenzeit (1069-746 v. Chr.)

Mit dem Ende des Neuen Reiches brach die Strukturgrenze zwischen Ober- und Unterägypten wieder durch. Die erneute Trennung zwischen den Reichsteilen trug der Unmöglichkeit Rechnung, ganz Ägypten weiterhin von einer Residenz aus zu regieren, weil die Infrastruktur des Landes in der turbulenten Schlussphase des Neuen Reiches zerfallen war.

Zentrum Oberägyptens blieb Theben, wo sich Herihor (ca. 1069-1062 v. Chr.) von der 20. Dynastie losgesagt und – zugleich König, Hohepriester, Wesir und General – alle Herrschaftsfunktionen auf sich konzentriert hatte. In Tanis, dem Zentrum des Nildeltas, gelangte mit Smendes (1069-1043 v. Chr.) ebenfalls eine neue Dynastie, die 21., an die Macht. Beiden Zentren, Theben wie Tanis, war gemeinsam, dass sie ihrerseits in eine Fülle kleiner Fürstentümer zerfielen. Beide koexistierten mit durchweg friedlichen Beziehungen. Die dezentrale Struktur setzte sich unter der (22.) libyschen Dynastie (945-736 v. Chr.) fort. Sie leitete sich von ägyptisierten libyschen Söldnern her, die in der Ramessidenzeit in ägyptische Dienste getreten waren.

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