![]() |
Windows Live® Suchergebnisse
Windows Live® Suchergebnisse Seite 13 von 16
ÄgyptenEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Der energischste Versuch zur neuerlichen Reichseinigung ging von der Peripherie, von Nubien, aus. Die Herrscher von Kusch expandierten nach Oberägypten und wurden in Theben als 25. Dynastie (746-655 v. Chr.), die so genannten Kuschiten, anerkannt. Das Nildelta, nun mit dem Zentrum Saïs, unterwarfen die Kuschiten einer nominellen Oberherrschaft unter Belassung weitreichender Autonomie. Gegen das expandierende Neuassyrische Reich unterstützte Ägypten die syrischen Kleinstaaten und Jerusalem, freilich ohne dauerhaften Erfolg: Die Assyrer drangen ins Nildelta ein, besetzten Memphis (671 v. Chr.) und schließlich Theben (664 v. Chr.). Im Widerstand gegen die Assyrer vereinigte die neue, die 26. Dynastie von Saïs (664-525 v. Chr.) Ober- und Unterägypten zum letzten Mal in einem wirklich souveränen Staat. Psammetich I. (664-610 v. Chr.) sicherte Ägypten durch eine Kette von Festungen. Sein Nachfolger Necho II. (610-595 v. Chr.) konnte sogar kurzzeitig die ägyptische Oberherrschaft über die Levante restaurieren. Auf seine Initiative ging auch ein Kanal zurück, der erstmals den Nil mit dem Roten Meer verband. Der letzte König der Saïten-Dynastie, Psammetich III., hatte der nun einsetzenden persischen Expansion nur noch wenig entgegenzusetzen. Nach der Niederlage Ägyptens gegen Persien 525 v. Chr. unterstellte der persische Großkönig Kambyses II. Ägypten als Satrapie (siehe Satrap) seiner direkten Herrschaft. Dennoch behaupteten sich in Religion, Kultur, Verwaltung und Gesellschaft ägyptische Traditionen, behielt das Land sein typisches Gepräge. Entsprechend groß war der Wille zur Selbstbehauptung: Nach mehreren fehlgeschlagenen Aufständen setzte sich der Libyer Amyrtaios um 402 v. Chr. für kurze Zeit in ganz Ägypten durch. Die wieder gewonnene Unabhängigkeit wurde jedoch in inneren Wirren mit mehreren konkurrierenden Dynastien verspielt, bis die Perser Ägypten erneut annektierten (343/342 v. Chr.).
Die kampflose Besetzung Ägyptens durch Alexander den Großen 332 v. Chr. gab das Vorspiel zur 300-jährigen Herrschaft griechisch-makedonischer Könige über Ägypten. Die neuen Herren brachten ihre Identität, Sprache und Kultur, ihre Religion und Herrschaftsauffassung und nicht zuletzt ihre griechisch-makedonischen Soldaten und Funktionsträger mit. Unter der Oberfläche lebten aber starke einheimische Traditionen fort, koexistierten und vermischten sich teilweise mit der griechischen Kultur. Besten Ausdruck gab der neuen fruchtbaren Vielfalt das 331 v. Chr. von Alexander gegründete Alexandria, wo Griechen, Ägypter und Juden zwar in separaten Stadtvierteln, aber friedlich zusammenlebten.
Alexander stellte sich bewusst in die Tradition der Pharaonen, übernahm von ihnen die Gottessohnschaft und ließ sich vom Oberpriester in Siwa als Sohn des Amun-Re begrüßen. Das Dogma von der Göttlichkeit des Königs war fortan fester Bestandteil hellenistischer Herrscherideologie. Der spezifische Charakter der hellenistischen Monarchie in Ägypten manifestierte sich in großzügigen Bauprogrammen für die Heiligtümer, die ganz in der ägyptischen Tradition standen. Anspruch und Charisma der Könige offenbarten sich in Beinamen wie Sotér („der Retter”), Euergétes („der Wohltäter”) und Epiphanés („der Prächtige”). Sie führten groß angelegte Feldzüge, trieben eine Hofhaltung mit immensem Aufwand und suchten ihr Prestige durch Schenkungen, monumentale Architektur und prunkende Prozessionen zu mehren. Nach Alexanders Tod 323 v. Chr. blieb die Einheit des Alexander-Reiches zunächst formal bestehen. Unter der Oberfläche gewannen aber rasch partikularistische Tendenzen an Boden, teilten Militärs aus Alexanders Umgebung, die Diadochen, dessen Erbmasse unter sich auf. Eine wichtige Vorentscheidung war die Verteilung der Satrapien. Noch in Babylon, dem Sterbeort Alexanders, fiel Ägypten an dessen Vertrauten Ptolemäus. Ptolemäus baute seine Position in Ägypten zielstrebig aus und machte sich früh zum Verfechter einer Reichsteilung. Diese erfolgte endgültig nach mehreren Kriegen zwischen den Diadochen, als sich Antigonos, Ptolemäus, Seleukos, Lysimachos und Kassandros der Reihe nach in ihren Herrschaftsgebieten zu Königen erklärten (305 v. Chr.). Die von Ptolemäus begründete Dynastie der Ptolemäer behaupteten ihre Herrschaft bis zur Annexion Ägyptens als römische Provinz (30 v. Chr.). Das ptolemäische Ägypten gehörte zu den Großmächten der hellenistischen Welt und konnte zuweilen seine Macht bis nach Syrien, Kleinasien, Zypern, Libyen und Phönikien ausdehnen. Ptolemäus III. (246-221 v. Chr.), der sich in den Besitz von fast ganz Syrien brachte und Ägypten damit die Hegemonie über den gesamten östlichen Mittelmeerraum verschaffte, führte das Ptolemäerreich auf den Höhepunkt seiner äußeren Macht, die es in nachfolgenden Kriegen gegen das Seleukidenreich schrittweise wieder einbüßte. Nach der Eroberung Ägyptens durch den Seleukiden Antiochos IV. im 6. Syrischen Krieg (170-168 v. Chr.) bewahrten die Römer Ägypten vor dem Verlust seiner Unabhängigkeit, indem sie Antiochos IV. zum Abzug zwangen („Diktat von Eleusis” 168 v. Chr.). Während Ägypten damit praktisch zu einem Klientelstaat Roms absank, stieg dieses zu einer festen Größe in der Politik des östlichen Mittelmeerraums auf. Größere politische Bedeutung erlangte Ägypten erst wieder als Schauplatz des letzten Akts im Römischen Bürgerkrieg zwischen Octavian und Marcus Antonius, der sich gemeinsam mit Kleopatra VII. (51-30 v. Chr.), der letzten Herrscherin aus ptolemäischem Haus, nach Alexandria geflüchtet hatte, wo beide Selbstmord begingen. Die Annexion Ägyptens als römische Provinz (30 v. Chr.) war zugleich das Ende der hellenistischen Monarchie.
Auch das ptolemäische Ägypten verfügte über ein hochkomplexes Verwaltungssystem, über das wir dank erhaltener Papyri gut informiert sind. Wie im vorhellenistischen Ägypten war der Verwaltungsstab ganz auf den König zugeschnitten. Der König und sein „Haus” waren, wie zuvor der Pharao mit seiner Residenz, Mittelpunkt von Staat und Ökonomie. Die „Regierung” hatte weithin informellen Charakter: Der König war von einer Schar von „Freunden” (griechisch phíloi) umgeben, die zur Elite zählten kraft ihrer persönlichen Beziehung zum König. Der Kreis der phíloi rekrutierte sich anfangs fast ausschließlich aus Makedoniern und Griechen, später in wachsendem Maß auch aus Ägyptern. Er bildete eine in sich abgeschlossene Hofgesellschaft, die intern wieder in mehrere Rangstufen zerfiel. Ganz Ägypten teilte sich in 40 Gaue (griechisch nomoí), denen jeweils ein Nomarch vorstand, dem ein „Hausverwalter” (griechisch oikonómos) für wirtschaftliche Fragen zur Seite stand. Die Ämterhierarchie setzte sich bis auf die unterste Ebene von Dorfgemeinschaften fort. Alle waren dem dioiketés, dem Verwalter des Königs in Alexandria, unterstellt. Die Mittelmeerhafenstadt Alexandria stieg unter den Ptolemäern zu einer der bedeutendsten Städte der Mittelmeerwelt auf. Als Zentrum von Literatur und Gelehrsamkeit, mit seiner großen Alexandrinischen Bibliothek und dem Museion, stellte es selbst Athen in den Schatten. In Scharen zog die Hauptstadt Künstler und Intellektuelle an wie Demetrios von Phaleron, Kallimachos, Apollonios von Rhodos und Eratosthenes. Die Stadt hatte zu der Zeit etwa 300 000 Einwohner (die Sklaven nicht mitgerechnet). Indes lastete auf der ägyptischstämmigen Bevölkerung, vor allem auf der ländlichen, ein erheblicher Steuerdruck. Meist besser gestellt waren die griechischen und makedonischen Einwanderer, die oft ihr Auskommen in der Verwaltung oder als private Steuerpächter fanden. Die meisten Griechen waren privilegierte Grundbesitzer (Kleruchen), die ihr Land durch einheimische Arbeitskräfte oder Pächter bearbeiten ließen.
Ägypten wurde zu einem wirtschaftlichen Stützpfeiler des Römischen Reiches, und zwar nicht nur aufgrund der Getreideproduktion, sondern auch aufgrund der Produktion von Glas- und Metallwaren. Daneben wurden über die Häfen des Roten Meeres Gewürze, Parfüm, Edelsteine und seltene Metalle eingeführt. Die Leitung der Provinz lag in den Händen eines Präfekten aus dem Ritterstand, der allein dem Kaiser verantwortlich war. Beim Präfekten liefen vor allem die Fäden der Steuerverwaltung zusammen: Abgaben wurden in Naturalien erhoben, Überschüsse direkt nach Rom verschifft. Unterhalb der Führungsebene existierte die ptolemäische Verwaltung praktisch unverändert fort. Bestehen blieb auch die Einteilung in Gaue, die in drei Großregionen (Deltaraum, Mittel- und Oberägypten) zusammengefasst wurden. In den Gauzentren lag die Verwaltung in den Händen der Griechisch sprechenden Bevölkerung, die – nach der spezifisch griechischen Bildungseinrichtung – „die vom Gymnasium” genannt wurden. Griechische Sprache und Kultur waren die wichtigsten Qualifikationen für den Verwaltungsdienst; er war damit auch gräzisierten Ägyptern ohne weiteres zugänglich. Ein weiteres Erbe des pharaonischen und ptolemäischen Ägypten war die direkte Verwaltung der Städte durch die Provinzialbehörden. Während Städte im übrigen Imperium städtische Freiheit genossen, blieb diese den ägyptischen Städten lange versagt. Besonders die griechische Bevölkerung Alexandrias erhob immer heftiger die Forderung nach Autonomie. Erst Septimius Severus gab dem Druck nach und gewährte den ägyptischen Städten Stadträte (200). Wenige Jahre später wurden in Ägypten wie dem gesamten Reich alle Freien römische Bürger (Constitutio Antoniniana, 211). Ein beständiger Unruheherd war Alexandria, eine der größten Städte der römischen Kaiserzeit, auch als ethnisch-kultureller Schmelztiegel. Symptomatisch war der Pogrom, den die griechischstämmigen Bürger mit Unterstützung des Präfekten Flaccus gegen die Alexandriner Juden anzettelten (38 n. Chr.). Weitere Konflikte zwischen Juden und Griechen prägten das Klima der Stadt und wuchsen sich mehrfach zu bürgerkriegsartigen Unruhen aus, z. B. in den Jahren 60 und 212 bis 215. Die Situation wurde durch die Ankunft zelotischer Flüchtlinge nach dem Jüdischen Krieg (66-70) noch prekärer. Seit dem 3. Jahrhundert häuften sich die Unruhen in Ägypten. Starker Preisauftrieb, Steuererhöhungen und grassierende Korruption lasteten vor allem auf der ländlichen Bevölkerung schwer. Dennoch blieb Ägypten auch in der Zeit der Soldatenkaiser (235-284) ein bedeutendes kulturelles Zentrum, jetzt vor allem der Philosophie (Alexandrinische Philosophenschule) und des frühen Christentums (Alexandrinische Theologenschule). Die Christianisierung Ägyptens schritt im 3. Jahrhundert rasch voran. Mit ihr riss die Tradition altägyptischer Religion ab: Der letzte erhaltene Hieroglyphentext stammt aus dem Jahr 296. Die Briefe des Bischofs Dionysius von Alexandria legen ein eindringliches Zeugnis von den Christenverfolgungen unter Kaiser Decius (249-251) ab, die auch Ägypten erfassten. In die Zeit der Christenverfolgung fielen die Anfänge der ägyptischen Einsiedlerbewegung, aus der das christliche Mönchtum erwuchs. Als nach dem Sieg der Perser unter Schapur I. über Kaiser Valerian (259) Roms Macht im Osten wankte, geriet Ägypten in den Sog des kurzzeitig expandierenden Machtzentrums Palmyra (269-270), wurde aber durch Kaiser Aurelian für Rom zurückerobert. Mit der endgültigen Teilung des Römischen Reiches im Jahr 395 fiel Ägypten an Ostrom bzw. das Byzantinische Reich. Ursache für einen politisch-ideologischen Dauerkonflikt mit Konstantinopel wurde die Abspaltung der ägyptisch-monophysitischen (koptischen) Kirche von der orthodoxen Reichskirche nach dem Konzil von Chalkedon (451), mit eigenem Patriarchat in Alexandria. Die monophysitische Bevölkerung Ägyptens (wie Syriens) entfremdete sich zusehends von Ostrom. Die Ägypter, Konstantinopel in inniger Feindschaft verbunden, begrüßten daher durchweg die Eroberung erst durch Persien (619-629), dann durch die Araber (639-642).
© 1993-2008 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. |
© 2008 Microsoft
![]() ![]() |