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Windows Live® Suchergebnisse Georg LukácsEnzyklopädieartikel
Georg Lukács, eigentlich György Lukács, Pseudonym Blum, (1885-1971), ungarischer Philosoph, Literaturtheoretiker und Politiker. Georg Lukács wurde am 13. April 1885 in Budapest geboren. Er studierte in Budapest, Berlin und Heidelberg. Seine frühen Schriften sind deutlich vom neokantianischen Idealismus sowie von den Theorien Max Webers und Georg Simmels geprägt. Doch wird bereits hier auch der Einfluss von Georg Friedrich Wilhelm Hegel und (vor allem) Karl Marx deutlich, der 1918 dazu führte, dass Lukács, gerade der Kommunistischen Partei Ungarns beigetreten, die Position eines idealistischen Marxismus vertrat. 1919 wurde Lukács stellvertretender Volkskommissar für Unterrichtswesen unter Béla Kun. Nach dem Ende der ungarischen Räterepublik floh er nach Wien, wo er 1923 seine einflussreichste Arbeit, Geschichte und Klassenbewusstsein. Studien über marxistische Dialektik, vorlegte. Von den strengen Marxisten abgelehnt, trug die Schrift mit ihrer Theorie der Entfremdung in den zwanziger Jahren entscheidend zum Entstehen des Neomarxismus bei. Nach einem Aufenthalt in Berlin ging Lukács in die Sowjetunion. Zwischen 1930 und 1944 lebte Lukács in Moskau, wo er die literaturkritische Zeitschrift Literaturnyi kritik herausgab. Nachdem er den stalinistischen Säuberungen nur knapp entgangen war, verfasste er einige Schriften, in denen er den Realismus des 19. Jahrhunderts als Alternative zur Arbeiterliteratur begriff und seine Mimesis-Theorie einer Widerspiegelung der gesellschaftlichen „Totalität” durch das Kunstwerk propagierte. Indem er der literarischen Moderne seit der Jahrhundertwende Formalismus und einen den Faschismus begünstigenden Irrationalismus unterstellte, fiel er intellektuell deutlich hinter seine ausgezeichnete Studie zur Theorie des Romans (1916) mit ihrer Theorie der „transzendentalen Obdachlosigkeit” einer bürgerlichen Welt zurück. Zu seinen Schriften gehören etwa Der russische Realismus in der Weltliteratur (1949) und Deutsche Realisten des 19. Jahrhunderts (1951). 1944/1945 kehrte Lukács nach Ungarn zurück, wo er eine Professur für Ästhetik und Kulturphilosophie an der Universität Budapest annahm (bis 1958). Während dieser Zeit setzte er sich kritisch mit dem Stalinismus auseinander. Zwischen 1949 und 1956 war Lukács Mitglied des Budapester Parlaments. In dieser Zeit erschien seine Abrechnung mit Hegel und der Philosophie des deutschen Bürgertums (Die Zerstörung der Vernunft, 1954). Als geistiger Kopf beteiligte sich Lukács, damals Kultusminister in der Regierung Imre Nagy, auch am Budapester Aufstand von 1956. Anschließend wurde er verhaftet sowie seiner Lehrtätigkeit und seines Ministeramtes enthoben. Lukács starb am 4. Juni 1971 in Budapest.
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