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Wanderungen von Tieren

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Wandernde KaribuherdeWandernde Karibuherde
Artikelgliederung
1

Einleitung

Wanderungen von Tieren, die oft individuenreichen, zumeist saisonalen Wanderungen von Tieren aus ihren Fortpflanzungsgebieten in andere Regionen.

Die Zeiten der Wanderungen liegen in der Regel vor und nach der Fortpflanzungssaison. Auslöser sind jahreszeitliche Veränderungen der Umweltbedingungen sowie physiologische bzw. anatomische Veränderungen während der Fortpflanzungszeit. Die Wanderungen von Tiergruppen, die von einer Übervölkerung ihres Lebensraumes bedroht sind, und das Verhalten vieler Arten, die nach dem Larvenstadium eine Metamorphose durchmachen und sich dann einen neuen Lebensraum suchen, bezeichnet man nicht als Tierwanderungen im engeren Sinn. Die massenhaften Wanderungen der Lemminge und Wanderheuschrecken fallen also eigentlich nicht unter diesen Begriff.

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Wanderwege

Das bekannteste Beispiel für Tierwanderungen sind die alljährlichen Zugbewegungen vieler Vogelarten, die in gemäßigten oder polaren Regionen zu Hause sind und im Herbst in wärmere Gegenden wandern. Im Frühjahr kehren sie in ihre heimatlichen Brutgebiete zurück. Besonders eindrucksvoll ist der Zug der Küstenseeschwalbe: Sie brütet in der Arktis und verbringt den Südsommer nach einer bis zu 26 000 Kilometer langen Wanderung in der Antarktis. Zugvögel sind vorwiegend so genannte Breitfrontzieher, die im Gegensatz zu Schmalfrontziehern keinen eng begrenzten Zugwegen folgen. Der Vogelzug ist möglicherweise während der Eiszeiten entstanden, als die Tiere den vorrückenden Eismassen auswichen und in wärmeren Zeiten wieder nach Norden vordrangen.

Auch manche Säugetiere unternehmen jahreszeitliche Wanderungen, insbesondere Arten, die ganz oder teilweise im Wasser leben. Die Sattelrobbe z. B. legt den langen Weg von Grönland nach Spitzbergen und zur Insel Jan Mayen zurück und bringt dort ihre Jungen zur Welt. Die Nördlichen Seebären, die in vielen Gewässern des Nordpolargebiets zu Hause sind, sammeln sich zur Paarungszeit immer in einem Brutgebiet bei den amerikanischen Pribilof Islands (siehe Kommandeurinseln).

Viele Fledermäuse, die in nördlichen Gegenden beheimatet sind, wandern in Richtung wärmerer Winterquartiere. In Nordamerika ziehen Fledermäuse, die hohle Baumstämme besiedeln, bis zu den Bermuda-Inseln nach Süden, um dort den Winter zu verbringen. Auch innerhalb Europas unternehmen Fledermäuse wie der Abendsegler weite Wanderungen. Afrikanische Säugetiere wandern in Abhängigkeit von den Regen- und Trockenzeiten. Die großen Herden der Antilopen, Zebras und Elefanten lösen sich in der Regenzeit auf und bilden sich in der Trockenzeit erneut an den wenigen Wasserstellen, nachdem die Tiere häufig Strecken von 1 500 Kilometern und mehr gewandert sind.

Viele Fischarten ziehen in den Wintermonaten vom offenen Meer in die wärmeren Küstengewässer oder aus dem Norden in mildere südliche Regionen. Lachse schwimmen vom Meer aus zum Laichen die Flüsse stromaufwärts, und die meisten Aale wandern aus demselben Grund in umgekehrter Richtung von den Flüssen ins Meer (siehe anadrome und katadrome Fische). Manche wirbellosen Meeresbewohner, z. B. Seeigel und Seesterne, wandern im Frühjahr und Frühsommer aus tieferen Gewässern in Küstennähe, um dort zu laichen.

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Theorien über die Orientierung

Über die Ursachen der Tierwanderungen und die physiologischen Mechanismen, mit denen Tiere unterwegs die Richtung finden, gibt es viele Theorien. Der jahreszeitliche Ortswechsel der Vögel und der meisten anderen wandernden Tiere wird durch das Zusammenwirken äußerer und innerer Reize bewirkt, die gemeinsam einen physiologischen Auslöser darstellen. Unterwegs können viele Faktoren dazu beitragen, dass das Tier seinen Weg findet. Fische werden vermutlich von winzigen Duftspuren, die aus ihrem heimatlichen Fluss stammen, durch das Meer geleitet.

Vögel orientieren sich auf ihren Wanderungen offenbar u. a. an Sonne und Sternen bzw. am Sternenband der Milchstraße. Sie nehmen offensichtlich auch das Magnetfeld der Erde und die Auswirkungen seiner Rotation um die Erdachse wahr. Diese beiden Kräfte, die an jedem Punkt der Erde in anderer Kombination anzutreffen sind (das Magnetfeld ändert sich z. B. je nach dem vorherrschenden Gestein), können einen Vogel vermutlich unmittelbar zu seinem Zielort dirigieren (siehe magnetischer Sinn). In der Innenhaut des Oberschnabels von Tauben wurden Mechanorezeptoren (Sinneszellen) für die Wahrnehmung von Druckunterschieden gefunden; zudem entdeckte man an diesen Rezeptoren Teilchen aus Eisen-III-Oxid (Magnetitpartikel). Man vermutet, dass die Eisenpartikel auf Intensitätsunterschiede im Magnetfeld reagieren und diese Reaktion von den Mechanorezeptoren erfasst wird. Ein als Cryptochrom bezeichnetes Sehpigment, das als Photorezeptor in der Netzhaut von Rotkehlchen und Gartengrasmücken gefunden wurde, kann möglicherweise Magnetfeldlinien sichtbar machen (Nature, 2004).

Anderen Beobachtungen zufolge orientieren sich Vögel auf ihrem Flug an landschaftlichen Leitlinien wie Gebirgen oder Flüssen. Möglicherweise nutzen sie mehrere Richtungsinformationen gleichzeitig. Keine dieser Theorien erklärt jedoch eindeutig, warum Tiere auch auf ihrer ersten Wanderung unfehlbar den richtigen Weg finden.

Siehe auch Verhaltensforschung; biologische Uhren

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