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  • Biographie: Bertolt Brecht, 1898-1956

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Bertolt Brecht

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Bertolt BrechtBertolt Brecht
Artikelgliederung
1

Einleitung

Bertolt Brecht, eigentlich Eugen Berthold Friedrich Brecht, (1898-1956), Schriftsteller und Regisseur. Er gilt als einer der bedeutendsten Dramatiker der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts. Sein experimentelles Theater übte großen Einfluss auf die Entwicklung des modernen Dramas aus.

Brecht wurde am 10. Februar 1898 als Sohn des Direktors einer Papierfabrik in Augsburg geboren und besuchte die Volksschule bzw. das Städtische Realgymnasium, von dem er wegen eines pazifistischen Schulaufsatzes 1916 fast verwiesen worden wäre. Zwei Jahre zuvor waren unter dem Pseudonym Berthold Eugen erste Gedichte und Kurzprosatexte in den Augsburger Neuesten Nachrichten erschienen. Nach 1917 studierte Brecht, unterbrochen von einem Kriegsdienst im Seuchenlazarett (Legende vom toten Soldaten, 1917), Medizin an der Universität München. Zu dieser Zeit schloss er Freundschaft mit Johannes R. Becher und Lion Feuchtwanger; mit Letzterem bearbeitete er 1923 Christopher Marlowes Leben Eduards des Zweiten.

2

Frühwerk (1919-1928)

In den Jahren 1919 und 1920 schrieb Brecht Theaterkritiken für die Zeitung Volkswillen, das Organ der USPD, und verfasste seine ersten Stücke, darunter die vom bewunderten Karl Valentin beeinflussten Einakter Der Bettler. Er treibt den Teufel aus, Lux in tenebris und Die Hochzeit. Die 1922 in München uraufgeführte – und noch deutlich dem literarischen Expressionismus verpflichtete – Komödie Trommeln in der Nacht (1919), die das durch Gewinnsucht und Ungerechtigkeit bestimmte Leben nach dem 1. Weltkrieg zum Thema macht, brachte dem jungen Autor den Kleist-Preis ein; bereits ein Jahr später kam sie in Berlin unter der Regie von Jürgen Fehling mit Alexander Granach und Heinrich George zum zweiten Mal auf die Bühne. Anders als etwa das mythisierende Stück Baal (1918) über ein anarchisch-subjektivistisches Dichtergenie lassen Trommeln in der Nacht mit ihrer gesellschaftskritischen Thematik erstmals ansatzweise den Einfluss des politischen Theaters im Sinn Erwin Piscators erkennen und definieren mit der Formel „Glotzt nicht so romantisch” die Arbeit des Schriftstellers als eine des Engagements. 1923, dem Jahr der Erstaufführung von Im Dickicht der Städte, erhielt Brecht einen Dramaturgenvertrag an den Münchner Kammerspielen. Beim Hitlerputsch stand er mit Feuchtwanger gemeinsam auf der Verhaftungsliste. 1924 übersiedelte er nach Berlin, wo er unter der Leitung von Max Reinhardt für zwei Jahre gemeinsam mit Carl Zuckmayer Dramaturg am dortigen Deutschen Theater wurde (Mann ist Mann, 1924/25). In diese Zeit fallen auch erste Kontakte mit der Schauspielerin Helene Weigel, dem Boxer Paul Samson-Körner (Der Kinnhaken, 1926) und dem Künstler George Grosz. Auch wurde Brecht Beiträger für Zeitschriften wie die Vossische Zeitung (1925-1928), Das Tage-Buch (1925-1929) und den Berliner Börsen-Courier (1925-1931). Hier erschienen zahlreiche seiner Kurzgeschichten.

3

Anfänge des epischen Theaters (1928-1933)

1928 heiratete Brecht Helene Weigel. Im gleichen Jahr begann mit der Dreigroschenoper Brechts Zusammenarbeit mit dem Komponisten Kurt Weill (Berliner Requiem, 1929). In der Inszenierung von Brecht und Erich Engel wurde sie am 31. August des Jahres im Theater am Schiffbauerdamm uraufgeführt. Dieses auf der Grundlage der Beggar’s Opera (1728) von John Gay entstandene und nach dem Vorbild François Villon erweiterte Musikstück war eine beißende Satire auf den Kapitalismus und bürgerliche Konventionen, in der Brechts literarische Suche nach einer Form-Inhalt-Dialektik erstmals zum Tragen kam: Nach Ansicht des Autors nämlich befasste sich die Oper ohne die hehre Theatralik und das hohle Pathos der Gattung mit bürgerlichen Normvorstellungen „nicht nur als Inhalt, indem sie diese darstellt, sondern auch durch die Art, wie sie sie darstellt. Sie ist eine Art Referat über das, was der Zuschauer im Theater vom Leben zu sehen wünscht”. Die Dreigroschenoper wurde zu einem großen Theatererfolg. Die Hauptrollen spielten u. a. Harald Paulsen, Rosa Valetti, Erich Ponto und Lotte Lenya.

Schon 1924 hatte Brecht begonnen, sich intensiv mit dem Marxismus zu beschäftigen, dessen Theoreme nun prägend für seine weitere Arbeit wurden. Dies fand nicht nur in der Dreigroschenoper seinen Niederschlag („Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral”), sondern vor allem auch in der Arbeit beim Theater am Schiffbauerdamm, wo der Autor mit Schauspielern wie Peter Lorre, Carola Neher, Ernst Busch, Helene Weigel und Oskar Homolka zusammenarbeitete. Von 1928 bis zur Machtergreifung Adolf Hitlers 1933 schrieb Brecht mehrere musikalische Dramen, darunter etwa Das Badener Lehrstück vom Einverständnis (1929, mit der Musik Paul Hindemiths). Die Literaturoper Aufstieg und Fall der Stadt Mahogonny (Uraufführung 1930), eine Parodie auf die Exzesse des genusssüchtigen Kapitalismus in einer „imaginären Stätte der Vergnügungen”, die sich in einer rauschhaften Apokalypse selbst verzehrt, rief einen der größten Theaterskandale der Weimarer Republik hervor. Die Musik schrieb wiederum Kurt Weill. Während dieser Zeit erschienen auch der Lyrikband Bertolt Brechts Hauspostille (1927) sowie das Drehbuch zu dem „Dreigroschenfilm” Die Beule (1930).

Während der Arbeit am Deutschen Theater in Berlin bildete Brecht Schauspieler aus und begann, im Kontext von Dreigroschenoper und Aufstieg und Fall der Stadt Mahogonny die Theorie des epischen Theaters als Form „des technischen Zeitalters” auszuarbeiten. In bewusster Abgrenzung zur Theorie und Praxis des traditionellen, an der Poetik des Aristoteles ausgerichteten Dramas entwickelte er eine demonstrierend-erzählerische Form, bei der er distanzierende Mittel wie Beiseitesprechen, kommentierende Lieder („Songs”), Spruchbänder und Masken benutzte, um die Einfühlung des Zuschauers in die Handlung und die Identifikation mit dem Schauspieler, der im Gegensatz zum illusionistischen Theater seine Rolle nur „zeigen” sollte, zu verhindern. Der so genannte Verfremdungseffekt (V-Effekt) der Brecht’schen Dramaturgie diente dazu, einen kritischen Lern- und Bewusstseinsprozess beim Publikum anzuregen, das, so der Autor „ohne Grund nicht denke”. Die so genannten Lehrstücke, darunter Die Maßnahme (1930), Die Ausnahme und die Regel (1930), Der Jasager und der Neinsager (1930) sowie Die Mutter (1932), sind der radikalste Ausdruck des am Marxismus geschulten Denkens Brechts, wobei der offene Schluss der meisten Stücke und der gebrochene Charakter zahlreicher Figuren Interpretationen zwar nahe legen, aber nicht zwingend lenken. Walter Benjamin, der dem Autor seit 1929 verbunden war, schrieb 1939 den erläuternden Essay Was ist episches Theater?, in dem er u. a. Brechts „proletarische” Theaterkonzeption von einer bildungsbürgerlichen im Sinn Friedrich Schillers (Die Bühne als moralische Anstalt) abzugrenzen suchte: „Brecht verliert die Massen nicht aus dem Auge. In dem Bestreben, sein Publikum fachmännisch, jedoch ganz und gar nicht auf dem Wege über die bloße Bildung am Theater zu interessieren, setzt sich ein politischer Wille durch.”

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Exilzeit (1933-1947)

Als Gegner Hitlers ging Brecht am Tag nach dem Reichstagsbrand im Februar 1933 über Prag und Wien in die Emigration. Zuvor war eine Aufführung der Maßnahme polizeilich gestört und der Veranstalter wegen Hochverrats angeklagt worden. Die Heilige Johanna der Schlachthöfe über den erfolglosen Kampf einer modernen Jeanne D’Arc gegen einen Chicagoer Fleischmogul konnte erst gar nicht mehr aufgeführt werden. Zunächst lebte Brecht in der Schweiz und traf sich mit Heinrich und Thomas Mann sowie mit Feuchtwanger, Ernst Toller und Arnold Zweig in Sanary-sur-Mer. Im Dezember 1933 ließ er sich in Dänemark nieder, wo er mit Unterbrechungen bis 1939 lebte. Nach einer Reise in die Sowjetunion 1935 wurde er offiziell von den Nationalsozialisten ausgebürgert. Über Schweden, Finnland und die Sowjetunion gelangte Brecht 1941 schließlich nach Kalifornien, wo er, in der Nähe von Hollywood lebend, u. a. mit Aldous Huxley, Herbert Marcuse, Theodor W. Adorno, Wystan Hugh Auden und Alfred Döblin zusammentraf. Eine Freundschaft verband ihn zudem mit Charlie Chaplin. In Kalifornien blieb Brecht bis 1947.

In den Jahren des Exils arbeitete er bei verschiedenen Emigrantenzeitschriften mit, darunter Die Sammlung (Amsterdam) und Die neue Weltbühne (Prag); auch entstand ein großer Teil seiner wichtigsten Werke, gleichzeitig zentrale Texte der Exilliteratur, darunter Leben des Galilei (1. Fassung 1938-1939; 3. Fassung gedruckt 1955, Uraufführung in Berlin 1957), das Antikriegsstück Mutter Courage und ihre Kinder (1938/39, Uraufführung 1941), die Svendborger Gedichte (1939), die einige der sprachvirtuosen Balladen des Autors enthalten (so die über den Elternmörder Apfelböck), das so genannte „Volksstück” Herr Puntila und sein Knecht Matti (1940; Uraufführung 1948; Anmerkungen zum Volksstück, 1940), sowie die Parabelstücke Der gute Mensch von Sezuan (Uraufführung 1943) und Der Kaukasische Kreidekreis (1944/45, Uraufführung 1948). Das Leben des Galilei, das zwei Weltmodelle – das der Kirche und das des Galileo Galilei – aufeinanderprallen lässt, kam 1947 mit Charles Laughton in der Titelrolle in Beverly Hills zur Uraufführung.

Mutter Courage schildert an Hand der Geschichte des Dreißigjährigen Krieges die vernichtenden Konsequenzen der politischen Machtstrukturen und Herrschaftsverhältnisse für das Leben der „kleinen Leute”. Mit Hitler setzte sich Brecht u. a. in Furcht und Elend des Dritten Reiches (1935/1938) und in Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Uí (1941) auseinander. In Letzterem werden clowneske Slapstick-Elemente tragend, die an Chaplins Der große Diktator von 1940 gemahnen und Hitler „der Lächerlichkeit preisgeben” sollten.

Weitere Dramen der Exilzeit sind Die Gewehre der Frau Carrar (Uraufführung 1937), Die Gesichter der Simone Machard (1940-1943, Uraufführung 1957, mit Lion Feuchtwanger) und Schweyk im Zweiten Weltkrieg (1941-1944, Uraufführung 1957).

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