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Bertolt BrechtEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Frühwerk (1919-1928); Anfänge des epischen Theaters (1928-1933); Exilzeit (1933-1947); Spätwerk (1948-1956); Rezeption
1948 kehrte Brecht zunächst nach Zürich (Treffen mit Max Frisch), ein Jahr später nach Deutschland zurück. Nachdem ihm die westdeutschen Behörden die Einreise verweigert hatten, ließ er sich in Ostberlin nieder und gründete zusammen mit Helene Weigel das Berliner Ensemble, das u. a. 1949 die Mutter Courage uraufführte und ab 1954 im Theater am Schiffbauerdamm residierte. Diese Bühne, in der vor allem Modellinszenierungen von Brecht-Stücken zur Aufführung kamen, wurde in der Folgezeit ein wichtiges Forum für Komponisten wie Hanns Eisler und Paul Dessau sowie für Regisseure wie Erich Engel. 1949 kam als theoretische Schrift das Kleine Organon für das Theater heraus. Obgleich Brecht 1951 mit dem DDR-Nationalpreis erster Klasse und 1954 mit dem Internationalen Stalin-Friedenspreis ausgezeichnet wurde und nach seinem Tod zum Nationaldichter der DDR avancierte, war er in Osteuropa eine umstrittene Persönlichkeit, da sein moralischer Pessimismus nicht mit dem sowjetischen Idealschema des sozialistischen Realismus konform ging: So konnte etwa die Premiere von Das Verhör des Lukullus (Hörspielfassung 1940) in der Berliner Staatsoper 1951 nur mit einer zensierten Textfassung vonstattengehen. 1953 wurde Brecht zum Vorsitzenden des PEN-Zentrums Ost und West gewählt. Seine Produktivität und Vielseitigkeit als Lyriker stellte er 1954 einmal mehr mit den Buckower Elegien unter Beweis. 1955 schrieb der Autor einen Brief mit Anweisungen zu seinem Begräbnis an die Deutsche Akademie der Künste. Brecht starb am 14. August 1956 in Berlin an einem Herzinfarkt. Des Weiteren schuf Brecht Bearbeitungen zu Dramen von Sophokles (Antigone, 1948), William Shakespeare (Coriolan, 1952/53, Uraufführung 1962) und Jakob Michael Reinhold Lenz (Die Soldaten, 1950). Zwischen 1938 und 1955 verfertigte Aufzeichnungen erschienen 1973 als zweibändiges Arbeitsjournal. Brecht verfasste auch Romane (Dreigroschenroman, 1939; Die Geschäfte des Herrn Julius Caesar, posthum 1957), Kurzprosa vorwiegend spruchhaft-didaktischer Natur (Kalendergeschichten, 1949, Geschichten vom Herrn Keuner, posthum 1958), sowie Hörspiele und Dialoge (Flüchtlingsgespräche, posthum 1961). Zu Brechts posthum erschienenen theoretischen Werken gehören die Schriften zur Literatur und Kunst (1966), Schriften zur Politik und Gesellschaft (1968) und Texte für Filme (1969).
Mit seinem Gesamtwerk, das sich kritisch mit Freiheit, sozialer Gerechtigkeit und Verantwortung des Einzelnen auseinandersetzt, erlangte Brecht den Status eines modernen Klassikers. So unterschiedliche Autoren wie Arthur Adamov, Wolf Biermann, Heinar Kipphardt, Julio Cortázar, Peter Hacks, Max Frisch und Heiner Müller wurden ebenso wie Regisseure, etwa Peter Brook, von ihm geprägt. In einem Nachruf nannte Lion Feuchtwanger Brecht den einzigen deutschen Sprachschöpfer des 20. Jahrhunderts. Neuerdings geht ein Teil der Brecht-Forschung davon aus, dass Brechts Mitarbeiterinnen Elisabeth Hauptmann und Ruth Berlau maßgeblich an der Ausarbeitung von Texten mitgearbeitet bzw. diese gar selbst verfasst haben. Diese Position vertrat vor allem der Literaturwissenschaftler John Fuegi in seiner Biographie Brecht & Co. (1997).
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