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IndienEnzyklopädieartikel
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Obwohl Indien bereits im Juni 1945 Gründungsmitglied der Vereinten Nationen geworden war, dauerte es noch einige Jahre bis die Unabhängigkeit tatsächlich erreicht war. Als die Verhandlungen zwischen Briten, Hindus und Muslimen in der zweiten Hälfte des Jahres 1945 noch immer keine konkreten Ergebnisse gezeitigt hatten, kam es zu einer neuen Welle antibritischer Ausschreitungen und Demonstrationen. Im Frühjahr 1946 unternahm die britische Regierung einen erneuten Verhandlungsversuch. Die Muslim-Liga nahm zwar ihre Forderung nach einer Teilung Indiens entlang der konfessionellen Grenzen zurück, doch über die Zusammensetzung einer Übergangsregierung konnte keine Einigung erzielt werden. Erst nachdem im September 1946 ein Interimskabinett unter der Führung Nehrus und unter Beteiligung aller wichtigen politischen Parteien gebildet worden war, erklärte sich die Muslim-Liga zur Mitarbeit bereit. Dennoch kam es in verschiedenen Teilen Indiens zu bürgerkriegsähnlichen Kämpfen zwischen Hindus und Muslimen. Im Februar 1947 erklärte der britische Premierminister Clement Attlee, dass die britische Regierung die Herrschaft über Indien spätestens am 30. Juni 1948 abgeben würde. Dieser Schritt sollte unabhängig davon erfolgen, ob die indischen Parteien sich bis dahin auf eine Verfassung geeinigt haben würden oder nicht. Nach Beratungen mit indischen Politikern empfahl Vizekönig Louis Mountbatten der britischen Regierung, Indien unverzüglich zu teilen, um einen Bürgerkrieg abzuwenden. Der Plan fand die Zustimmung der Muslim-Liga und des INC und wurde von beiden Kammern des britischen Parlaments im Juli 1947 einstimmig gebilligt.
Seit der Unabhängigkeit bis Anfang der neunziger Jahre wurden die Geschicke des Landes wesentlich von der „Familiendynastie” der Nehrus bestimmt. Jawaharlal Nehru, dessen Vater Motilal Nehru Mitbegründer und einer der führenden Köpfe des INC gewesen war, blieb nach dem Tod Mahatma Gandhis 1948 bis zu seinem eigenen Tod 1964 die beherrschende politische Figur Indiens. Ihm folgte zwei Jahre später seine – mit Mahatma Gandhi nicht verwandte – Tochter Indira Gandhi als Partei- und Regierungschefin (1966-1977, 1980-1984) nach, die wiederum von ihrem Sohn Rajiv Gandhi (1984-1989) beerbt wurde.
Mit Inkrafttreten des Independence of India Act am 15. August 1947 wurden die Indische Union und Pakistan als Dominien im Rahmen des British Commonwealth of Nations in die Unabhängigkeit entlassen. (Zur weiteren Geschichte Pakistans siehe Pakistan: Geschichte). Die verfassunggebende Versammlung übertrug einem Kabinett unter Premierminister Nehru die Regierungsverantwortung für den Zentralstaat. Mountbatten wurde Generalgouverneur des Dominions. Die Grenzen zwischen den neuen Staaten Indien und Pakistan hingen von der Verbreitung der Religionen ab: Vorwiegend von Hindus bewohnte Gebiete wurden Indien zugesprochen, diejenigen mit einer muslimischen Mehrheit kamen zu Pakistan. Da die Mehrheit der Inder Hindus waren, wurden die meisten britischen Provinzen Teil der Indischen Union. Auch die meisten der autonomen Fürstentümer schlossen sich der Union an, nachdem ihnen eine Reihe Privilegien zugesichert worden waren (die Privilegien wurden erst 1970 aufgehoben).
Das Ende der britischen Herrschaft in Indien wurde enthusiastisch gefeiert. Gleichzeitig spitzten sich die Feindseligkeiten zwischen Hindus und Muslimen sowie zwischen Muslimen und Sikhs insbesondere in den Regionen weiter zu, in denen die Religionen etwa gleich stark vertreten waren. Zur Regelung von Grenzstreitigkeiten in diesen Regionen war schon vor der Teilung eine Grenzkommission unter der Leitung eines neutralen (britischen) Vorsitzenden gebildet worden. Bei der Teilung Bengalens stießen die Empfehlungen dieser Kommission auf wenig Widerstand. Im Punjab hatte die Grenzziehung allerdings zur Folge, dass fast zwei Millionen Sikhs, die traditionell antimuslimisch eingestellt waren, unter die Herrschaft Pakistans fielen. Solche Entscheidungen der Grenzkommission provozierten erbitterte Auseinandersetzungen. Es begann ein durch Vertreibungen forcierter Massenexodus von Muslimen aus dem Gebiet der Indischen Union nach Pakistan und von Sikhs und Hindus aus Pakistan in das Gebiet der Indischen Union. Die Bevölkerungsverschiebungen betrafen rund acht Millionen Menschen, die mit ihnen verbundenen Unruhen forderten etwa eine halbe Million Menschenleben.
Der Konflikt um Kaschmir, einem überwiegend muslimischen Fürstentum, entwickelte sich zu einem Problem, das die indisch-pakistanischen Beziehungen bis in die Gegenwart belastet und mehrmals zu kriegerischen Auseinandersetzungen führte (siehe Kaschmirkonflikte). Am 24. Oktober 1947 riefen aufständische Muslime, die von Pakistan aus unterstützt wurden, eine „provisorische Regierung Kaschmirs” aus. Drei Tage später gab der Hindu-Maharadscha von Kaschmir, Hari Singh, den vorläufigen Beitritt des Fürstentums zur Indischen Union bekannt. Diese akzeptierte den Beitritt und sicherte einen Volksentscheid zu, sobald die kriegerischen Auseinandersetzungen beendet seien. Zugleich entsandte die indische Regierung ihre Truppen in den östlichen Teil Kaschmirs, Pakistan die seinen in den westlichen. Trotz wiederholter Vermittlungsversuche des UN-Sicherheitsrates dauerten die Kämpfe das ganze Jahr 1948 an. Im Januar 1949 hatten die Friedensbemühungen dann Erfolg, Indien und Pakistan akzeptierten im Grundsatz ein Plebiszit unter Kontrolle der UN. Der UN-Plan sah u. a. den Rückzug der Kampftruppen aus Kaschmir vor sowie die Rückkehr von Flüchtlingen, die sich an der Abstimmung beteiligen wollten. Im Juli 1949 einigten sich Indien und Pakistan auf eine Grenzlinie zwischen ihren jeweiligen Besatzungszonen in Kaschmir und die Abhaltung einer Volksabstimmung über die endgültige Zukunft Kaschmirs. Einen Kompromiss über die Vorbedingungen für die Durchführung des Plebiszits, darunter die Demilitarisierung des Gebiets, fanden sie hingegen nicht. Zwischenzeitlich hatten sowohl Indien als auch Pakistan den Verlust ihrer bedeutendsten politischen Führungspersönlichkeiten zu beklagen. Gandhi war am 30. Januar 1948 von einem Hindu-Fanatiker getötet worden; Jinnah, der Gründer Pakistans, starb am 11. September 1948.
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