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Indien

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Indien (Flagge und Hymne)Indien (Flagge und Hymne)
Artikelgliederung
4.1

Bildung und Schulwesen

Das alte Indien verfügte bereits über ein hoch entwickeltes Bildungssystem. Die Universitäten zogen zahlreiche Studenten aus anderen Teilen Asiens an, insbesondere aus China. Diese wollten sich in einigen der ältesten Universitäten der Welt mit den buddhistischen Lehren vertraut machen. Die berühmte Universität Nalanda wurde im 6. Jahrhundert v. Chr. gegründet. Indien weitete seinen Einfluss auf dem Bildungssektor auch dadurch aus, dass Absolventen als Dozenten in andere asiatische Länder geschickt wurden. Ab dem 13. Jahrhundert verfiel das indische Bildungssystem jedoch zunächst unter der Herrschaft der Muslime sowie später unter der der Briten, und der Einsatz neuerer Lehrmethoden wurde eingeschränkt.

Im 20. Jahrhundert erhielten Gopal Krishna Gokhale, einer der ersten nationalistischen Führer, Mohandas (Mahatma) Gandhi und Rabindranath Tagore internationale Preise für ihre Beiträge zur Entwicklung des indischen Bildungssystems.

1911 erarbeitete Gokhale eine Gesetzesvorlage, die Schulpflicht und die Möglichkeit zu kostenlosem Grundschulbesuch vorsah. Davon beeinflusst, initiierte Mahatma Gandhi Alphabetisierungskampagnen und kommunale Wohlfahrtsprogramme. 1901 gründete Tagore, einer der größten Dichter der modernen indischen Literatur, im etwa 160 Kilometer von Kalkutta entfernten Santiniketan eine Schule, die sich an die alten indischen Tapovana (Walderemitagen) anlehnte. Ziel war es, die jeweils besten Elemente der westlichen und der indischen Kultur miteinander zu verknüpfen; 1921 wurde die Schule in die Visva-Bharati University umgewandelt und zieht seitdem Studenten aus aller Welt an.

Seit dem Beginn der indischen Unabhängigkeit von Großbritannien 1947 wird versucht, ein modernes, umfassendes Schulsystem zu entwickeln. Die in den Berichten der allindischen Kommission von 1953 und 1964 vertretenen Reformansätze haben diese Entwicklung vorangetrieben. Die Ausbildung indischer Jugendlicher ist angesichts der komplexen sozialen und religiösen Verhältnisse jedoch nicht ganz einfach. Gelder, die zum Ausbau des Bildungswesens gedacht waren, mussten zur Bekämpfung von Armut, Lebensmittelknappheit und Überbevölkerung verwendet werden. Die Reste des Kastensystems, unzureichende Ausbildungsplätze und religiöse Differenzen stellten weitere Probleme auf dem Weg zu einer umfassenden Bildungsreform dar. Dennoch wurden grundlegende strukturelle Änderungen geplant und zum Großteil auch durchgesetzt; die Zahl der Schulen und Schüler ist seit der Unabhängigkeit jedenfalls gewaltig angestiegen.

Das Schulsystem der 28 Bundesstaaten steht unter direkter Kontrolle der einzelstaatlichen Regierungen; das Bildungsministerium des Bundes koordiniert, regelt die Bildungsangelegenheiten in den sieben zentral verwalteten Unionsterritorien, stellt finanzielle Unterstützung für die Hochschulen zur Verfügung und übernimmt verschiedene andere Aufgaben. Der Grundschulbesuch ist kostenfrei; es besteht keine Schulpflicht. In den siebziger Jahren bildete sich folgendes Modell heraus: acht Jahre Grund- und Mittelschule, drei Jahre weiterführende bzw. berufsbezogene Schule (der Schulabschluss beinhaltet auch einen beruflichen Abschluss), an die sich dann eine dreijährige Universitätsausbildung anschließen kann. Damals wie heute kommt aber nur eine Minderheit über die Grundschule hinaus.

Zu Beginn der achtziger Jahre wurde ein leicht abgeändertes Modell eingeführt, das eine zehnjährige Schulzeit (Grundstufe, Mittelstufe und Oberstufe) vorsah, an die sich eine zweijährige höhere Ausbildung und eine dreijährige Universitätsausbildung anschloss. Daneben gibt es ein landesweites Alphabetisierungsprogramm für Erwachsene. Der Alphabetisierungsgrad beträgt etwa 56,6 Prozent (2005). Die Analphabetenrate schwankt von Bundesstaat zu Bundesstaat beträchtlich. Im südindischen Kerala etwa gibt es praktisch keinen Analphabetismus mehr, was vermutlich auf die guten Bildungschancen für Frauen und ihren relativ hohen gesellschaftlichen Status zurückzuführen ist.

In Indien gibt es etwa 150 Universitäten, zehn nationale Bildungsinstitutionen und 34 Lehreinrichtungen mit Universitätsstatus. Daneben stehen 7 000 technische und naturwissenschaftliche Hochschulen sowie Kunstakademien zur Verfügung. An allen Hochschulen und Universitäten sind etwa neun Millionen Studierende eingeschrieben, rund die Hälfte von ihnen an Universitäten. Zu den größten Bildungseinrichtungen gehören Universitäten in Agra (gegründet 1927), Bihar (1952), Mumbai (1857), Kalkutta (1857), Delhi (1922), Gauhati (1948), Madras (1857), Mysore (1916) und Pune (1949) sowie die Universitäten Rajasthan (1947 in Jaipur), Gujarat (1950 in Ahmadabad) und Kerala (1937 in Trivandrum). Zu den renommiertesten Lehr- und Forschungseinrichtungen gehören das Indian Institute of Science in Bangalore und das Tata Institute of Fundamental Research in Mumbai.

4.2

Kultureinrichtungen

In Indien gibt es mehr als 60 000 Bibliotheken, darunter mehr als 1 000 Fachbibliotheken, die verschiedenen Regierungsbehörden angeschlossen sind. Die Nationalbibliothek in Kalkutta gehört zu den drei Bibliotheken, die Pflichtexemplare von sämtlichen in Indien veröffentlichten Büchern und Zeitschriften beherbergen. Unter den mehreren Hundert öffentlichen Bibliotheken ist die Bibliothek in Delhi die bedeutendste.

Es gibt mehr als 350 Museen in Indien, darunter auch solche mit bedeutenden historischen und archäologischen Sammlungen. Dazu gehören das Government Museum und die National Art Gallery in Madras; das National Museum in Neu-Delhi; das Sarnath Museum in Varanasi und das Indische Museum in Kalkutta. In Baroda, Madras, Kozhikode und Neu-Delhi befinden sich zudem Museen mit hervorragenden Sammlungen mittelalterlicher und moderner Kunst.

4.3

Kunst und Musik

Vor allem die frühe indische Kunst und Architektur spiegelt die wechselseitigen Einflüsse von Hinduismus, Buddhismus und Jainismus wider. Dies zeigt sich etwa in der Kunst von Madhura, Gupta und Gandhara, Letztere mit ihrer Mischung hellenistischer und indischer Elemente, in den Fresken von Ajanta, den Felsreliefs bei Mahabalipuram und den Nataraja bei Chidambaram. Die vermutlich älteste noch erhaltene theoretische Abhandlung über Drama, Musik und Tanz, die so genannte Natya Shastra von Bharata (etwa 300 v. Chr.), bildete die Grundlage einer hoch entwickelten Tradition in den darstellenden Künsten (siehe indischer Tanz; indisches Theater).

Am Ende der Regierungszeit von Harshavardhana im 7. Jahrhundert kam es in Nordindien zu einem gewissen Verfall der klassischen indischen Kunst und Kultur. Es begannen sich neue soziopolitische Formen zu entwickeln, während im Süden zur Zeit des Pallava- und später des Chola-Reichs Kunst und Architektur eine Blüte erlebten. In dieser Zeit des Wandels fand in Nordindien im 11. und 12. Jahrhundert eine tief greifende Erschütterung der kulturellen Entwicklung statt, ausgelöst durch mehrere Eroberungswellen aus Zentralasien, die mit dem Islam einen völlig anderen Glauben mit sich brachten. Einige der ältesten Bildungszentren, wie die buddhistische Universität in Nalanda, wurden im 11. Jahrhundert von den Türken vollkommen zerstört.

Mitte des 16. Jahrhunderts gründete Babur, ein Nachfahre des Mongolen Timur-i Läng, die Mogul-Dynastie und eroberte ganz Nordindien. Der Islam mit seiner Kosmogonie und seiner Ablehnung jeder Form der Idolatrie unterschied sich grundlegend vom Hinduismus und anderen östlichen Religionen. In der Folgezeit wurden zahlreiche Tempel und Heiligtümer, wie etwa der Jagannatha-Tempel in Puri, geplündert. Einige spätere mongolische Herrscher interessierten sich jedoch für das Sanskrit und dessen zentrale Schriften, wie die mathematische Abhandlung von Bhaskara, der Lilavati, die ins Persische übersetzt wurde und während der Mogul-Zeit äußerst populär war.

Unter den großen Mogul-Herrschern wie Akbar erlebte das Land eine neue Blüte der Kunst; mit frischen Impulsen aus Persien entwickelte sich in Nordindien ein eigener nationaler Stil. Während der Mogul-Zeit entstanden einige der eindrucksvollsten Bauwerke in Indien, darunter der weltberühmte Taj Mahal in Agra. Hervorragende Werke entstanden aber auch auf dem Gebiet der Buchillustration und der Miniaturmalerei. Daneben entwickelte sich im Norden die hindustanische Musik. Im Süden entstand ein eigener Musikstil, die so genannte karnatische Musik. Beide Richtungen haben herausragende Komponisten und Musiker wie Tansen, Tyagaraja und – in moderner Zeit – Allauddin Khan, Ravi Shankar oder M. S. Subbulakshmi hervorgebracht. Daneben bestand eine ausgeprägte regionale Volkskultur in den darstellenden Künsten.

Während des britischen Kolonialismus wurde die kulturelle Kreativität zwar gebremst, doch entdeckten Forscher wie William Carey und Max Müller die antike und mittelalterliche indische Kultur; mit ihren Übersetzungen und Kommentaren boten sie westlichen Lesern Zugang zu den zentralen Werken. Einige Kunstformen wie der klassische indische Tanz fielen dagegen aufgrund mangelnder Förderung – sie galten dem viktorianischen Moralkodex als unschicklich – dem Niedergang anheim.

Das steigende Nationalbewusstsein ging mit einer Wiederbelebung verschiedener Aspekte der indischen Philosophie und Kultur einher. Im 20. Jahrhundert wurden Versuche unternommen, Traditionen wie das Kathakali neu zu beleben. Auf dem Gebiet des Tanzes beispielsweise studierte Chandralekha die Frühformen des Bharatanatyam, und der erotische Stil des Odissi, dargestellt in vielen alten Skulpturen, ist inzwischen allgemein bekannt. Siehe auch indische Musik

4.4

Medien

Die Armut weiter Teile der indischen Bevölkerung hat die Entwicklung eines nationalen Telefonsystems verzögert. Der staatliche Rundfunksender All India Radio sendet seine Programme in 24 Sprachen und zahlreichen Dialekten. Seit Ende der achtziger Jahre werden die staatlichen Fernsehprogramme durch zahlreiche Satellitenprogramme ergänzt, über die viele Inder zum ersten Mal westliche TV-Programme empfangen konnten. Die Presse spielt immer noch eine große Rolle. Es gibt mehr als 27 000 Zeitungen und Zeitschriften mit einer Gesamtauflage von mehr als 58 Millionen Exemplaren. Die 2 500 Tageszeitungen haben eine Gesamtauflage von mehr als 17 Millionen Exemplaren. Die Presse unterliegt keinerlei Zensur und ist der Regierung und einzelnen Politikern gegenüber oft kritisch eingestellt. Zu den einflussreichsten englischsprachigen Tageszeitungen gehören Times of India und Indian Express.

5

Verwaltung und Politik

Die Republik Indien wird nach der 1950 in Kraft getretenen und seither mehrmals geänderten Verfassung regiert. Laut der Verfassung ist Indien eine souveräne, parlamentarische Bundesrepublik innerhalb des Commonwealth.

Nationalfeiertag ist der „Tag der Republik”, der am 26. Januar begangen wird und an das In-Kraft-Treten der Verfassung im Jahr 1950 erinnert.

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