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IndienEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Zu Beginn der Unabhängigkeit 1947 gehörte Indien zu den verkehrsmäßig am besten erschlossenen früheren britischen Kolonien; insbesondere das Eisenbahnnetz war vorbildlich ausgebaut. Seitdem wurde die bestehende Infrastruktur durch Verlängerung des Straßennetzes und die Einrichtung eines Binnenflugverkehrs stark ausgeweitet. Der Großteil des Güterverkehrs wird aber immer noch über das staatliche Eisenbahnnetz abgewickelt. Die Gesamtlänge des Schienennetzes beträgt etwa 63 500 Kilometer (2005); 17 Prozent davon sind elektrifiziert. Es werden drei unterschiedliche Spurbreiten verwendet. Die Länge des Straßennetzes beträgt etwa 3,4 Millionen Kilometer (2002); etwa 47 Prozent davon sind befestigt. Die wichtigsten indischen Häfen wie Kalkutta, Mumbai, Madras und Vishakhapatnam werden von Fracht- und Passagierschiffen aus allen Teilen der Erde angelaufen. Vor allem für den Frachtverkehr haben auch die Binnenwasserstraßen des Landes Bedeutung. Der zivile Luftverkehr wurde 1953 verstaatlicht: Die Fluggesellschaft Air India übernimmt internationale Langstreckenflüge, Indian Airlines wickelt den Binnenflugverkehr ab. Seit 1991 wurden einige nationale Luftstraßen für den privaten Sektor geöffnet. Das Flugverkehrsaufkommen ist erheblich gestiegen, heute wird nicht mehr nur zwischen den Großstädten ein regelmäßiger Flugverkehr aufrechterhalten, sondern auch zu abgelegenen Teilen des Himalaya und des Nordosten Indiens.
Die folgende Zusammenfassung der indischen Geschichte beschränkt sich auf die wichtigsten historischen Ereignisse und Wendepunkte.
Über die sozialen, kulturellen und politischen Ereignisse der Frühzeit liegen keine Überlieferungen in Schriftform vor. Das Wissen über die ersten Kulturen auf dem Indischen Subkontinent stützt sich ausschließlich auf archäologische Funde. Generell fehlen zeitgenössische schriftliche Darstellungen der politischen Geschichte bis etwa 1200 n. Chr. Aus den archäologischen Befunden ergibt sich, dass der Indische Subkontinent während der Jungsteinzeit über weite Landstriche locker besiedelt war. Die ansässige Bevölkerung scheint allmählich von vermutlich aus dem Westen und Norden eingewanderten Stämmen assimiliert worden zu sein, wobei unklar ist, ob die Zuwanderer dravidische Sprachen benutzten. Archäologische Funde aus dem Industal belegen, dass die von den Zuwanderern errichtete Hochkultur in etwa den Zivilisationen in Mesopotamien oder im alten Ägypten entsprach oder sie an Pracht sogar übertraf. Die Harappakultur (früher Induskultur genannt), deren Großstädte Harappa und Mohenjo-Daro im heutigen Pakistan über Festungsbauten, öffentliche Bäder und Kanalisationssysteme verfügten, wird in die Zeit zwischen 2500 und 1500 v. Chr. datiert. Zwar gibt es für diese Ära schriftliche Überlieferung in Gestalt von Siegeln aus Speckstein, doch konnte die verwendete Schrift bis heute nicht entziffert werden. Die Harappakultur pflegte wirtschaftliche Beziehungen mit dem ganzen Vorderen Orient. Um die Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. erfolgte eine Reihe von Invasionen indoeuropäischer Stämme, deren Herkunft weitgehend unbekannt ist. Angelehnt an ihre Selbstbenennung als Arya („Edle”) bürgerte sich für sie der Begriff Arier ein. Ihre Sprache (Sanskrit) war indogermanisch. Über die Bergpässe entlang der Nordwestgrenze des Reiches gelangten die halbnomadischen Indoarier auf den Subkontinent und besetzten nach und nach den Großteil der Gebiete nördlich des Vindhyagebirges und westlich des Flusses Yamuna. Ob die Harappakultur durch die waffentechnisch überlegenen indoarischen Stämme, die über Streitwagen, Lederrüstungen und Helme verfügten, zerstört wurde oder aus sich heraus zusammenbrach, ist unbekannt. Große Teile der Urbevölkerung flüchteten in den Norden und in das Zentrum des Indischen Subkontinents, wo Dravidensprachen immer noch weit verbreitet sind. Die verbliebenen Stämme und ihre Kultur wurden schließlich von den als Ackerbauern und Viehzüchtern sesshaft gewordenen Indoariern absorbiert.
Die politische Geschichte Indiens liegt nach dem Eindringen der Indoarier für mehrere Jahrhunderte im Dunklen. Dagegen hält die Veda, die aus vier Sammlungen heiliger Schriften aus der Zeit um 1200 v. Chr. besteht, Grundzüge der sozialen Ordnung, der Religion und Kultur fest. Die Stammesräte setzten sich nach demokratischen Prinzipien zusammen, die soziale Stellung der Frau war höher als die des Mannes, und die Ehe galt als heilig. Man verfügte über hervorragende Kenntnisse auf den Gebieten der Viehzucht, der Metallbearbeitung, des Bootsbaues und des Militärwesens. Die Veda-Hymnen, deren Inhalt über Jahrhunderte mündlich weitergegeben worden war, und die ihnen zugeordneten Ergänzungs- und Erläuterungstexte (Brahmanas und Upanishaden) gelten als bedeutendste Quelle der indischen Frühgeschichte und geben Hinweise auf die Entstehung zentraler Merkmale der hinduistischen gesellschaftlichen und religiösen Ordnung. Zu ihren fundamentalen Einrichtungen gehört das Kastenwesen, das sich mit vier Hauptkasten in der spätvedischen Zeit gesellschaftlich durchgesetzt hatte. Die höchste Kaste bildeten die Priester (Brahmanen), dann folgten die Krieger, die Bauern und schließlich als zunächst unterste Kaste die Hörigen, denen vor allem geächtete Arier und die Nichtarier zugeordnet wurden. Die Stabilität des starren, im Lauf der Jahrhunderte jedoch stark differenzierten Kastenwesens gründete sich auf dem Glauben an die in den Upanishaden entfaltete Lehre, dass ein den Regeln gemäßes Leben mit der Wiedergeburt in der nächsthöheren Kaste belohnt wird. Im Verlauf des 1. Jahrtausends v. Chr. hatten sich in der Region zwischen Himalaya, südlichem Ganges, Vindhyagebirge und Industal 16 autonome Staaten gebildet. Von diesen Staaten, sowohl Adelsrepubliken als auch Monarchien, war das Königreich Kosala der bedeutendste; es befand sich etwa in der Region des heutigen Bundesstaates Uttar Pradesh. Weitere wichtige Königreiche waren Avanti, Vamsas und Magadha. Letzteres lag im Gebiet des heutigen Bihar und stieg in der Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. zur vorherrschenden Macht in Indien auf. Im 5./4. Jahrhundert v. Chr. lehrten dort die Religionsstifter Buddha, auf den der Buddhismus, und Mahavira, auf den der Jainismus zurückgeht. Mit ihrem Wirken endete die vedische Epoche und brach eine neue Zeit an. 326 v. Chr. führte Alexander der Große eine Expedition über den Hindukusch nach Nordindien, um das Indusgebiet seiner Herrschaft zu unterwerfen. Diese Region gehörte seit der Eroberung durch den Perserkönig Dareios I. als 20. Satrapie zum persischen Großreich (518 v. Chr.). In der Schlacht am Hydaspes (heute Jhelum) 326 v. Chr. besiegte Alexander den indischen König Poros, wurde jedoch von seinen eigenen Soldaten genötigt, sich wieder aus Indien zurückzuziehen. Politische Auswirkungen hatte die makedonisch-griechische Invasion dennoch insofern, als der Maurya-König Candragupta die nach Poros’ Niederlage entstandene günstige Situation nutzte, um die Grenzen seines Reiches nach Westen zu verschieben. Die gräko-indischen Königreiche, die von den Statthaltern Alexanders am Indus begründet worden waren, konnten sich nach dessen Tod nicht lange halten.
321 v. Chr. gelang es Candragupta (von den Griechen als Sandrakottos bezeichnet), dem Begründer der Maurya-Dynastie, die Kontrolle über Magadha zu gewinnen. Im Lauf der nächsten zehn Jahre weitete er von seiner Hauptstadt Pataliputra (heute Patna) seine Herrschaft über den größten Teil des Subkontinents aus. Unterstützt wurde er dabei von Kautilya (oder Canakya), einem brahmanischen Minister, dem als Hauptautor das Arthashastra, ein Lehrbuch über Politik, zugeschrieben wird. Candragupta behauptete sich gegen den Versuch Seleukos’ I., eines der Diadochen in der Nachfolge Alexanders des Großen und Begründer des Seleukidenreiches, das Erbe Alexanders in Indien anzutreten. In einem 305 v. Chr. geschlossenen Vertrag anerkannte Seleukos I. die Herrschaft Candraguptas über Belutschistan und Afghanistan und ließ sich dafür mit 200 (oder 500) Elefanten bezahlen (mit denen er 301 v. Chr. Antigonos I. und Demetrios I. Poliorketes besiegte); besiegelt wurde der Vertrag zusätzlich durch die Heirat des Maurya-Herrschers mit einer Tochter des Seleukiden. In der Folge kam es aufgrund der engen Beziehungen zwischen den beiden Reichen zu einem starken Einfluss der griechischen Kultur in Nordindien. Während der Regierungszeit des Aschoka (um 273 bis 232 v. Chr.), des Enkels von Candragupta und bedeutendsten Herrschers der Maurya-Dynastie, entwickelte sich der Buddhismus zur bedeutendsten Religion. Aschoka förderte die Verbreitung des Buddhismus auch außerhalb seines Reiches mit Nachdruck, setzte ansonsten aber auf Toleranz zwischen den verschiedenen Religionen. Indien wurde zu einem Zentrum der Bildung; Universitäten wie die in Nalanda und Takshashila zogen Gelehrte und Studierende aus weiten Teilen Asiens an. Unter Aschoka gehörte mit Ausnahme einiger Gebiete im Süden fast der ganze Indische Subkontinent zum Maurya-Reich. Unter Aschokas Nachfolgern zerfiel das Maurya-Reich; die Maurya-Dynastie endete um etwa 180 v. Chr. Den Niedergang beschleunigte die Eroberung großer Teile Nordindiens und des Punjab durch den Seleukidenherrscher Demetrios von Baktrien seit etwa 190 v. Chr. Von den Dynastien, die unmittelbar auf den Niedergang der Mauryas folgten, war die Shunga-Dynastie, die über ein Jahrhundert herrschte, am langlebigsten. Zu den nachhaltigsten Entwicklungen dieser Epoche, über die nur wenige Einzelheiten bekannt sind, gehören die Verfolgung und der Niedergang des Buddhismus und der Triumph des Brahmanismus. Der Sieg der Hindu-Brahmanen (Priester) etablierte das Kastensystem als wichtigstes Kennzeichen der indischen Gesellschaftsordnung. Im 1. Jahrhundert v. Chr., in dem Indien aus einer Vielzahl von größeren und kleineren Fürstentümern bestand, die im Norden und Westen noch teilweise unter griechischem Einfluss standen, eroberte das nomadische Reitervolk der Skythen, nachdem es die griechische Herrschaft in Afghanistan beseitigt hatte, einen großen Teil Westindiens. Das erste der indoskythischen Reiche hatte jedoch nur wenige Jahrzehnte Bestand, bis es von dem gleichfalls aus Zentralasien stammenden Nomadenvolk der Yüe-chi überrannt wurde. Die Yüe-chi drangen nach Süden vor und ließen sich schließlich im Nordwesten Indiens nieder, wo Kadphises, einer ihrer Könige, im 1. Jahrhundert n. Chr. die Kuschan-Dynastie begründete, die einen Großteil Nordindiens sowie Teile Afghanistans, Irans und Turkestans beherrschte. Die Kuschan unterhielten diplomatische Beziehungen zum Römischen Reich, hatten weit verzweigte Handelsverbindungen und förderten Wissenschaft und Kunst. Unter Kanishka, dessen Herrschaftsbereich vom Ganges-Tiefland bis Turkestan reichte, kam es zu einer Hochblüte der buddhistischen Kultur sowie auch der Wissenschaften. Aus dem Bereich der Medizin z. B. sind die Charaka-Texte überliefert. Künstlerisches und wissenschaftliches Zentrum war die Hauptstadt Muttra (heute Mathura). Über die Gründe des allmählichen Zerfalls des Kuschan-Reiches ist wenig bekannt. Seit Beginn des 3. Jahrhunderts n. Chr. mussten sich die Kuschan, neben deren Herrschaft noch das Kshatapra-Reich im Indusgebiet und in Nordwestindien und das Shatavahana-Reich im Hochland von Dekkan bestanden, mit dem aufsteigenden Perserreich der Sassaniden auseinandersetzen. Im Süden des Subkontinents, über dessen frühe Entwicklung wenig bekannt ist, dominierte vom 1. Jahrhundert v. Chr. an für mehr als vier Jahrhunderte das Reich der Andhra-Dynastie, das sich der nordindischen Kultur öffnete, als Sprache das klassische Sanskrit pflegte und rege Handelsbeziehungen mit dem Westen unterhielt.
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